Coesfeld
Zwischen Hektik und Lebensfreude

Coesfeld. „Mit seinen Ballettaufführungen trifft das Konzert Theater immer wieder ins Schwarze“, stellt ein Zuschauer bereits in der Pause begeistert fest. Damit spricht er dem Publikum aus der Seele, wie der frenetische Applaus und die stehenden Ovationen am Ende eines flirrenden Tanztheaters beweisen, in dem die Palette von brachialer Hektik bis zu wirbelnder Lebensfreude reicht.

Montag, 28.01.2019, 18:47 Uhr aktualisiert: 29.01.2019, 10:48 Uhr
Mit ihrer eindringlichen Mischung aus klassischen und modernen Tanztechniken und ihrem unglaublichen expressiven Bewegungsrepertoire begeisterten die Tänzer des „Ballets Jazz Montreal“ in drei völlig verschiedenen Choreografien im Konzert Theater. Foto: Ursula Hoffmann

Die 1972 gegründete Compagnie „Les Ballets Jazz de Montreal“, die in einer eindringlichen Mischung aus klassischen und zeitgenössischen Tanztechniken ganz eigene Visionen kreiert, angereichert mit Elementen aus Theater und Zirkus sowie einer faszinierenden Lichtregie, hat drei ganz unterschiedliche Choreografien mitgebracht. Ein Tänzer gibt auf fast dunkler Bühne stampfende und schlagende Bewegungen vor, andere kommen dazu, nehmen sie auf, zucken, als technisch knarzende Töne einsetzen, wie unter Stromschlägen.

„Kosmos“ heißt diese erste und längste der Choreografien. Choreograf Andonis Foniadakis hat sich dabei von der alltäglichen Hektik der Großstadt inspirieren lassen. Immer drängender wird die Techno-Musik (Julien Tarride), die die zuckenden Körper vorantreibt, die wie futuristisch ferngesteuert in ständig neuen Konstellationen auf die Bühne stürmen, zusammen prallen, auseinander getrieben werden und trotz allem nach einer Ordnung zu suchen scheinen.

Ungeheuer beeindruckend ist das Bewegungsrepertoire der Tänzer, manche Bewegungen sind so schnell, dass man ihnen kaum mit den Augen folgen kann. Die unglaubliche Wucht ihres pulsierenden Tanzes macht fast sprachlos. Im letzten Drittel dieser Choreografie werden die Tänzer zu gespenstischen, silbrig glänzenden gesichts- und geschlechtslosen Wesen, die sich in einer flirrenden Fantasiereise zu immer neuen seltsamen Formen vereinen.

In der zweiten Choreografie „Soul“ (Foniadakis) spürt ein energiegeladenes Paar zu der durch Janis Joplin berühmt gewordenen expressiven Ballade „Ball and Chain“ in nur wenigen Minuten allen Facetten einer Beziehung von Liebe bis Hass nach. Auch hier dominiert unter niedrig hängenden Scheinwerfern, die bewegliche Lichtkegel auf die Bühne werfen, ein atemberaubendes Tempo, in dem die beiden Tänzer zarte Annäherung, intensive Leidenschaft und erbitterte Kämpfe zeigen.

Ganz anders dann die letzte Choreografie „O Balacao de Amor“ von Itzik Galili, der sich von den Rhythmen der Karibik hat inspirieren lassen.

In stilechten Kostümen und zu Ohrwürmern wie „Quizás, quizás, quizás“ übermitteln die Tänzer voll übermütig-herausforderndem Witz, kombiniert mit Artistik und slapstickartigen Einlagen, Sex-Appeal und überbordende Lebensfreude.

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