Coesfeld
Stolpersteine gegen das Vergessen

Coesfeld. Es gibt sie schon in Berlin und Münster. Und in der direkten Nachbarschaft: in Rosendahl und in Gescher. Dafür, dass auch Coesfeld demnächst „Stolpersteine“ bekommt, macht sich eine Initiative von rund 15 Coesfelder Bürgern stark. Ein Eintrag auf einer lokalen Facebookseite brachte den Stein im wahrsten Sinne des Wortes ins Rollen. Warum gibt es solche Steine, die zeigen, wo jüdische Mitbürger gelebt haben, nicht auch in Coesfeld? „Vor genau einem Jahr haben wir die Initiative gegründet“, berichtet Mitinitiatorin Tina Vennes im Gespräch mit unserer Zeitung. Viel Recherche war vonnöten. Dabei half vor allem Dieter Westendorf, der die Geschichte der jüdischen Coesfelder in einem Buch dokumentiert hat. Jetzt hat die Initiative einen Antrag an den Stadtrat auf den Weg gebracht, die Verlegung von zunächst fünf Steinen zu genehmigen – und zwar an der Weberstraße. Gegenüber der Synagoge, wo heute der Parkplatz der Sparkasse ist, wohnten Salomon, Dora und Kurt Eichenwald sowie Samuel und Henriette Goldschmidt. Sie gehörten zur Gruppe der jüdischen Coesfelder, die am 10. Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet wurden (siehe Bericht unten).

Mittwoch, 06.02.2019, 18:33 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 08:36 Uhr
Gunter Demnig, Kölner Künstler und Initiator der bundesweiten Aktion, verlegte 2017 und 2018 Stolpersteine in der Nachbarstadt Gescher. 2020 soll er auch nach Coesfeld kommen. Foto: az

Für die im Initiativkreis Stolpersteine zusammengeschlossenen Coesfelder Bürger ist klar, dass niemand der heute in Coesfeld Lebenden Schuld hat an den damaligen Verbrechen. Aber die Erinnerung daran muss wachgehalten werden. „Von vielen NS-Opfern ist durch den Holocaust jede Spur vernichtet worden“, bringt es Christa Tasler auf den Punkt. Sie seien buchstäblich vollständig verschwunden – „Stolpersteine machen diese Menschen mit ihren Namen wieder sichtbar, und zwar genau da, wo sie einmal mitten zwischen anderen gelebt haben.“

Und das funktioniert, anders als bei Gedenktagen oder Gedenkstätten, die erst einmal aufgesucht werden müssen, bei den „Stolpersteinen“ ganz niedrigschwellig: „Ich bin schon häufiger in fremden Städten über solche Steine gestolpert. Man bleibt stehen und schaut erst einmal“, erzählt Birgitta Siepelmeyer. Die Initiative versteht die Steine aber nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Gedenktraditionen und Orten in Coesfeld, sondern als Ergänzung. „Jede Form des Gedenkens hat ihre Berechtigung“, unterstreicht Rainer Wermelt.

Die Steine sollen auch nicht einfach so verlegt werden. „Wir wollen mit den Menschen, die heute dort wohnen, vorher sprechen“, versichert Wolfgang Jung. Kosten sollen der Stadt auch nicht entstehen. „Wir wollen die Verlegung aus Spenden finanzieren.“

Viel Unterstützung haben sie in der Stadt bereits erfahren. Es gibt positive Signale aus fast allen politischen Fraktionen. Und auch die evangelische und die katholischen Gemeinden begrüßen den Vorstoß. „Wir hoffen, dass mit Ihrem Antrag Bewegung in die Initiative kommt und es auf politischer Ebene weitergeht“, hat ihnen Pfarrer Johannes Hammans (Anna Katharina) geschrieben.

In den nächsten Wochen wollen die Mitglieder der Initiative weiter Überzeugungsarbeit leisten – denn es gibt auch Widerstände. Wenn alles glatt läuft und der Rat zustimmt, könnten die ersten Steine allerdings erst 2020 verlegt werden. Denn die beiden Künstler, die die Aktion ins Leben gerufen haben und durchführen, Gunter Demnig aus Köln und Michael Friedrich-Friedländer aus Berlin, haben einen vollen Terminkalender. | Kommentar

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