Coesfeld
„Alles Liebe“ gegen Diskriminierung

Coesfeld. „Alles Liebe!“, ruft Milena Marrugo einer älteren Dame vor der Jakobi-Kirche zu. Zunächst schaut sie etwas verwirrt, als Milena ihr das kunterbunte Schild mit der Aufschrift „Free Hugs“ („kostenlose Umarmung“) entgegen streckt. Sie laufen aufeinander zu und umarmen sich, dabei sind sie sich eigentlich völlig fremd. „Alles Liebe“, wiederholt Milena. Die Dame lächelt – und umarmt auch gleich alle anderen Jugendlichen, die sich um Milena herum tummeln.

Donnerstag, 07.02.2019, 16:05 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 16:29 Uhr
„Bin ich wirklich so anders? Gehöre ich hier etwa nicht hin?“ Mit Schildern wie diesen haben sich gestern 14 Freiwilligendienstler des Deutschen Roten Kreuzes gegen Rassismus und für eine offene Gesellschaft stark gemacht. Mit kleinen Aktionen machten die Jugendlichen Passanten auf die Probleme der Ausgrenzung aufmerksam. Fotos: Leon Seyock Foto: az

Diese fröhliche Aktion hat allerdings einen ernsten Hintergrund. Unter der Leitung von Helene Westkemper haben sich 14 Jugendliche gestern Vormittag in der Coesfelder Innenstadt für Vielfalt und Respekt und gegen Hass stark gemacht.

„Du siehst anders aus.“ – „Wo kommst du eigentlich her?“ – „Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg!“: Ja, es gibt sie. Die rechten Parolen. Sie sind besessen von Vorurteilen, Ausgrenzung, Intoleranz – und trotzdem bekommen sie viele Menschen immer wieder zu hören, wie Westkemper deutlich macht. „Einige finden beispielsweise durch ihren Migrationshintergrund schwieriger eine Wohnung oder ihnen wird der Eintritt in die Disko verwehrt“, sagt sie. „Und genau da fängt der Rassismus schon an“, ergänzt Westkemper. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, hat sie in dieser Woche einen Workshop veranstaltet. Die Teilnehmer dieses Kurses absolvieren momentan alle ein Freiwilligendienst in einer Einrichtung des DRK im Münsterland. Sie treffen sich in dieser Woche, um unter dem Motto „Haltung zeigen: Werde aktiv gegen Hetze und Diskriminierung!“ zu diskutieren und um Ansätze zu suchen, wie jeder Einzelne sich gegen Hass und Ausgrenzung stark machen kann. „Die Mehrheit lehnt sich gegen Rassismus auf, aber wenn es wirklich vorkommt, schweigen die meisten“, stellt Westkemper klar. Beispielsweise im Zug: Wird jemand diskriminiert, weil er etwa eine andere Hautfarbe hat, erheben die wenigsten ihre Stimme und schreiten ein.

Genau da setzen die Freiwilligendienstler an und machen deutlich, wie wichtig es ist, sich für eine offene Gesellschaft einzusetzen. „Wir wollen einfach Liebe in der Stadt verteilen“, sagt Westkemper und lacht.

Luftballons in Herzchen-Form mit der Aufschrift „No hate“ („kein Hass“) verteilen die gut gelaunten Jugendlichen an die Kinder. Mit den Erwachsenen führen sie Interviews zu dem Thema. „Was halten Sie von den rechten Parolen?“, ist eine der Fragen. Die Standard-Antwort: „Nichts!“ Fällt aber die Frage, ob man sich selbst schon gegen Rassismus stark gemacht hat, kommen die Passanten häufig ins Grübeln. Sie bekommen Ideen mit auf den Weg, wie sie sich selbst im Alltag stark machen können. Für ein buntes Zusammenleben in Coesfeld und in Deutschland.

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