Coesfeld
Warum die Welt kein Tetraeder ist

Coeseld. Warum ist die Welt eine Kugel und kein Tetraeder? Einfache Antwort: am Anfang war die Erde eine Scheibe, da fiel immer wieder jemand runter, also musste eine andere Form her.

Sonntag, 10.02.2019, 18:41 Uhr aktualisiert: 11.02.2019, 08:02 Uhr
Die Echse mit ihrem menschlichen Rückgrat Michael Hatzius holt auch Zuschauer auf die Bühne. Klaus aus Steinfurt wagt es und schlüpft spontan mit hoher Stimme in die Rolle von Hase Karl-Heinz. Foto: Ursula Hoffmann

Beim Tetraeder gab es nur die Idee und noch keine Form dazu, daher wurde es die Kugel. Auf existenzielle Fragen wie diese, die sich bisher wohl noch niemand gestellt hat, gibt es Antwort von jemandem, der es wissen muss – von einem Methusalem-Reptil, das seit dem Urknall existiert und nicht nur die erste Zellteillung mit der Hand vorgenommen hat, sondern auch die anstrengende Kontinentalverschiebung, bei der die Ozeane durch seine schwitzenden Achselhöhlen entstanden.

Brandneu ist das Programm „Echsoterik“, mit dem Puppenspieler Michael Hatzius zu Gast im Konzert Theater ist. Doch eigentlich ist es nicht Hatzius, sondern eine ganze Menagerie verrückter Viecher, in die er so gekonnt hineinschlüpft, dass sie ein völliges Eigenleben führen – ein saukomisches und rotzfreches Puppentheater für Erwachsene. Den Anfang machen Steffi, ein dickes mobbendes Hausschwein und Torsten, ein zierliches Wildschwein mit Wortfindungsstörungen. Schlapp liegen die Puppen auf einem Tisch, doch kaum steckt Hatzius seine Hände in die Körper, erwachen sie zum Leben, reizen allein ihre dösigen Blicke zum Lachen.

Der eigentliche Star des Abends ist natürlich die zynische Echse, ein grenzenlos überheblicher Macho, der über alles und jeden Bescheid weiß, sich für einen Guru hält und den Menschen – natürlich von oben herab – Orientierung geben will.

Mit Hatzius im Rücken und dicker Zigarre in der Hand erinnert die sich arrogant zurücklehnende Echse an eine Mischung aus Udo Lindenberg und Helmut Schmidt und haut eine überhebliche Weisheit nach der anderen heraus, wie ihre erste spirituelle Lehre: „Je geiler ich bin, desto blöder muss jeder andere sein.“ Toleranz („Ihr Menschen seid alle gleich, ich als Tier hab´s viel schwerer – diese Artenvielfalt.“), Männer und Frauen, Terroristen („Die ham auch Sorgen, die ham oft nur nen befristeten Arbeitsvertrag.“), Vegetarier – es gibt nichts, zu dem die Echse keine sarkastischen Kommentare abgibt.

Das kommt beim Publikum hervorragend an. Ebenso wie das verklemmte Huhn mit Selbstfindungsproblemen. Klasse, wie sich Hatzius Sprechweise dem jeweiligen Charakter des Tieres anpasst.

Im Spiel mit dem Publikum – Klaus aus Steinfurt und Heinz aus Nottuln erweisen sich als schlagfertige Mitspieler – beweist der Puppenspieler sein Improvisationstalent.

Nach dem „echzellenten“ ersten Teil geht es nach der Pause leider deutlich gebremster weiter. Trotz auftretenden fieser Zecke und Echsentarot dümpelt das Programm eher so vor sich hin – da gibt es noch Verbesserungsbedarf.

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