Coesfeld
„Stolpersteine“ dürfen verlegt werden

Coesfeld. Der kleine Raum im vierten Obergeschoss des Stadtschlosses, in dem der Hauptausschuss des Stadtrates tagte, platzte gestern Abend aus allen Nähten. Fast alle Mitglieder des „Stolperstein-Initiativkreises“ hatten sich eingefunden, um die Debatte und Abstimmung über ihren Antrag zu verfolgen. Sie hatten die Stadt um Erlaubnis gebeten, an jüdische Coesfelder, die von den Nazis vertrieben und ermordet wurden, mit „Stolpersteinen“ erinnern zu dürfen. Diese sollen vom Kölner Künstler Gunter Demnig vor deren letzten frei gewählten Wohnstätten ins Pflaster eingelassen werden (wir berichteten).

Donnerstag, 14.02.2019, 19:41 Uhr aktualisiert: 15.02.2019, 07:44 Uhr

Das Meinungsbild war schnell klar. Alle Fraktionen begrüßten die Initiative – nur Bürgermeister Heinz Öhmann hatte Bedenken. Für die CDU beantragte Richard Bolwerk gleich zu Beginn, auf eine Rückverweisung in den Fachausschuss zu verzichten und auch nicht die nächste Ratssitzung abzuwarten, sondern gleich zu entscheiden.

CDU-Ratsmitglied Norbert Hagemann betonte, dass es wichtig sei, an „das unsägliche Leid, das den Menschen auch in Coesfeld angetan wurde“, zu erinnern. Auch der erste Ort dafür, die Weberstraße, sei gut gewählt, unterstrich er, liege doch an dieser Straße auch die Synagoge als „besonderer Gedenkort“. „Wir unterstützen das ausdrücklich“, sagte er. In das selbe Horn stieß Inge Walfort von der SPD. „Die Bürger sind dafür. So viele Zuhörer haben wir selten.“

Günter Hallay, Fraktionsvorsitzender von „Pro Coesfeld“, freute sich, dass es „offenbar bei der CDU einen Sinneswandel gegeben“ habe, denn seine Wählergemeinschaft habe vor Jahren schon einmal so einen Antrag eingebracht, der abgelehnt wurde. Dem widersprach Bürgermeister Heinz Öhmann, der darauf verwies, dass es damals um die Aufstellung von Gedenkstelen gegangen sei: „Einen Antrag auf Verlegung von Stolpersteinen hatten wir noch nicht.“

Öhmann gab eine persönliche Erklärung ab, in der er begründete, warum er der Verlegung von Stolpersteinen nicht zustimmen könne: „aus Rücksicht auf die Gefühle der Kritiker in den jüdischen Gemeinden“ in Deutschland. Dort werde die Verlegung der Steine „sehr intensiv und sehr kontrovers diskutiert“. Und diese Debatten hätten oft einen extrem emotionalen Charakter“. Er versicherte aber, weiter „mit tiefster Überzeugung eine für Coesfeld angepasste Gedenkkultur zu fördern“: „Die Erinnerung darf nicht verblassen.“

Die Abstimmung fiel dann entsprechend aus: Gegen die Stimme des Bürgermeisters wurde einmütig entschieden, dass die „Stolpersteine“ verlegt werden dürfen. Die Initiative will dem Künstler nun schnell einen Auftrag erteilen. Wegen seines vollen Terminkalenders wird er aber wohl erst 2020 nach Coesfeld kommen können.

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