Coesfeld
Motiv für Messerattacke gesucht

Coesfeld/ Münster. „Ich wollte den Mann mit dem Messer nur ein wenig anpieksen“, sagte gestern ein 37-jähriger Coesfelder als Angeklagter vor der 9. Großen Strafkammer des Landgerichts in Münster aus. Ihm wird versuchter Mord vorgeworfen.

Mittwoch, 24.04.2019, 18:12 Uhr

Der drogenabhängige Angeklagte, der seit Anfang November in Untersuchungshaft sitzt, soll einen 34-jährigen Begleiter seiner ebenfalls drogenabhängigen Ex-Freundin am 14. September des vergangenen Jahres in der Nähe des Bahnhofs in Münster mit einem Messer verletzt haben.

Dabei habe der Angeklagte den Mann von hinten angegriffen. Die Messerklinge, die das Opfer in Lungenhöhe getroffen haben soll, soll im Oberkörper stecken geblieben sein. Die Staatsanwaltschaft, die in der Anklageschrift kein konkretes Motiv benannt hat, geht davon aus, dass der Angeklagte bei der Tat die Tötung seines Opfers billigend in Kauf genommen hat, da das Opfer mit einem Angriff des Angeklagten nicht gerechnet habe.

Die Ex-Freundin des Angeklagten sagte aus, dass die Messerattacke „aus dem Nichts“ gekommen sei. Sie sei am Morgen des Tattages mit ihrem Freund und dem gemeinsamen Hund von Coesfeld nach Münster gefahren, um sich dort Methadon im Rahmen einer Substitutionstherapie abzuholen. Sie habe die von Gewalt geprägte Beziehung zum Angeklagten noch am selben Tag beendet. Dann sei sie mit dem Hund auf der „Platte“ – am Bremer Platz hinter dem Bahnhof – zurückgeblieben und habe geglaubt, dass ihr Ex-Freund nach Coesfeld zurückgekehrt sei. Dieser sagte aus, dass er in Münster allein einen schönen Tag verbringen wollte und sich dort einen Einweg-Grill und Essbesteck sowie weiteres Zubehör gekauft habe, um am Aasee zu grillen. Am späten Abend sei er zum Bremer Platz zurückgekehrt, weil er den letzten Zug nach Coesfeld verpasst habe. Dort habe er zufällig seine Ex-Freundin mit einem Begleiter angetroffen. Beide hätten sich auf den Weg zu einem Kumpel gemacht, um in dessen Wohnung zu übernachten.

Der Angeklagte betonte, dass er dem Begleiter seiner Ex-Freundin „nur ein wenig Angst“ machen wollte. Er habe seine inzwischen stark alkoholisierte Ex-Freundin ohne Beisein des Begleiters danach fragen wollen, wo sie denn übernachte wolle. Dabei habe er in seine Jackentasche gegriffen, um nach einer Bierflasche zu greifen, hätte aber plötzlich das „Blechmesser“ des Essbestecks in der Hand gehabt und auf den Mann eingestochen. Dabei sei der Griff des Messers abgebrochen. Er habe das Messer deshalb für harmlos gehalten. Die Richterin beurteilte das anders. Der Griff könne auch durch die Wucht des Zustoßens abgebrochen sein oder weil die Klinge auf einen Widerstand, wie zum Beispiel eine Rippe, getroffen sei.

Die Ex-Freundin des Angeklagten sagte aus, dass sie während der Attacke kein Messer gesehen habe. Erst im Nachhinein habe ihr Begleiter ihr berichtet, dass er in seiner Flanke eine blutende Wunde habe und eine Klinge aus seiner Kleidung gefallen sei.

Die Vorsitzende Richterin fragte den Angeklagte mehrfach nach dem Motiv seiner Attacke. Sie wollte wissen, ob Eifersucht eine Rolle gespielt habe. Auch der Streit des Angeklagten mit seiner Ex-Freundin darüber, wer den Hund betreuen darf, wurde angesprochen.

Der Angeklagte sagte aus, dass das Opfer ihm nach der Messerattacke eine Bierflache an den Kopf geworfen habe. Mit der blutenden Wunde habe er sich bei der Bundespolizei gemeldet und Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.

Die Verhandlung wird am 13. Mai fortgesetzt.

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