Coesfeld
Bestnote nach dem Erdbeersüppchen

coesfeld. Dies ist eine Erfolgsgeschichte. Sie beginnt im Arabischen Frühling auf dem Tahrir-Platz in Kairo und endet mit der Lossprechungsfeier der Koch-Azubis in der Gaststätte Hermannshöhe gestern in Legden. Mit dabei der junge Ägypter Assem Nufal, der 2015 als Flüchtling nach Coesfeld kam und erstaunlich bald seine Ausbildung im Restaurant Freiberger begann. Nun hält er sein Abschlusszeugnis in Händen: Klassenbester in der praktischen Prüfung – mit Eins.

Mittwoch, 10.07.2019, 11:00 Uhr
Desserts wie diese, die für die Gäste einer Feier bereit stehen, hat Assem Nufal (r.) in der Küche des Restaurants Freiberger oft angerichtet. Benedikt Freiberger (l.) wollte dem jungen Flüchtling eine Chance geben und wurde nicht enttäuscht. Foto: Ulrike Deusch

Wenn Assem Nufal berichtet, welches Dreigänge-Menü er aus dem vorgegebenen Warenkorb in der Prüfung auf den Tisch brachte, glänzen seine Augen: Champignonragout mit einem kleinen Semmelknödel als Vorspeise, dann ein Saltimbocca vom Rotbarsch mit Risotto und dreierlei Spargel und schließlich ein Erdbeersorbet, das mit Pistazien eine köstliche Verbindung einging, ein Erdbeersüppchen und weißes Schokoladensoufflé.

„Kochen war schon zu Hause in Kairo mein Hobby“, sagt der 23-Jährige. Nach der Schule hat er dort an der Uni Geschichte studiert. Wie viele andere junge Leute beteiligte er sich an den Demonstrationen gegen die Regierung und musste aus politischen Gründen das Land verlassen, erzählt er in gutem Deutsch. Nach langer Flucht über Wasser und Land kam er 2015 nach Coesfeld und beantragte Asyl. Schnell lernte er die Sprache so weit, dass er Ausschau nach einem Ausbildungsplatz halten konnte. Durch eine Maßnahme im Handwerkerbildungszentrum bekam er zusätzliches Knowhow – und Kontakte. „Ich habe natürlich nach einem Beruf gesucht, der mir entgegen kommt“, berichtet Assem Nufal. Was lag da näher, als das Hobby zum Beruf zu machen? Aber wo?

„Ich wollte einfach einem jungen Mann, der als Asylsuchender in unser Land kommt, eine Chance geben“, begründet Benedikt Freiberger, warum er Assem Nufal als Azubi in die Küche seines Restaurants geholt hat. Ich bin nicht enttäuscht worden“, lobt Freiberger. „Assem musste schwer arbeiten, vor allem, um den theoretischen Stoff im Berufskolleg zu bewältigen“, weiß Freiberger. Besonders habe seine Lehrerin Frau Kauschitz ihn unterstützt, sagt Nufal. Immer wieder wurden dennoch sprachliche Hindernisse für den jungen Ägypter zur Hürde. Nicht nur all die deutschen Fachausdrücke aus der Gastronomie, auch die vielen französischen und italienischen Termini, die in Küchen und auf Speisekarten in Deutschland Einzug gehalten haben, erwiesen sich für Nufal als harte Nuss: Soufflé und Sorbet, Saltimbocca und Spaghetti, Crémant und Crème brulée, Mousse au Chocolat, Prosecco und Pulpo. Nicht nur der Azubi, auch sein Chef Benedikt Freiberger wundern sich nicht, dass die theoretische Prüfung nicht so hervorragend verlief wie die praktische. Trotzdem kam noch eine tolle Gesamtnote mit einer Zwei vor dem Komma heraus. Und auf noch etwas sind beide stolz: 33 Azubis sind in der Berufsschulklasse vor drei Jahren gestartet. Assem Nufal ist einer von 18, die sich am Ende zur Prüfung angemeldet haben. Wie es nun für den Koch weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Zwei Stellen wurden ihm angeboten, in einem Restaurant hat er schon zur Probe gekocht.

Und was vermisst Assem Nufal aus der ägyptischen Küche am meisten, wenn er in Deutschland am Herd steht? „Die mediterranen Gewürze und besonderen Aromen“, sagt er und lächelt.

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