Coesfeld
Krankheiten im Alltag besser meistern

Coesfeld. Sie selbst habe Sicherheit gewonnen – für sich und ihre Familie – und ihre beiden Töchter seien selbstständiger im Umgang mit ihrer Krankheit geworden. Wenn Claudia Potthoff über die Unterstützung des Bunten Kreises Münsterland in Form der psychologischen Beratung „Kompass“ und der Asthmaschulung spricht, wird deutlich, wie wichtig diese beiden Angebote für die Familie waren. „Meine beiden Töchter und ich haben von Geburt an Neurodermitis, hinzu kommt bei uns Asthma. Paula hatte schon früh mit Krupphusten zu kämpfen, dann wurde frühkindliches Asthma festgestellt.“

Dienstag, 23.07.2019, 10:54 Uhr
Christina Zumdieck (l.), Psychologin beim Bunten Kreis Münsterland, hat der Familie Potthoff mit Mutter Claudia (r.), den Töchtern Sophia (6, l.) und Paula (9) sowie Vater Daniel im Rahmen der Kompass-Beratung im Familienalltag, der durch zahlreiche Krankheiten geprägt ist, geholfen. Foto: Jessica Demmer

Auch sind die drei Anaphylaxie-Patienten. „Wir reagieren hoch allergisch auf bestimmte Dinge wie zum Beispiel Nüsse oder Ei“, erklärt Claudia Potthoff. Daher habe jede von ihnen ein eigenes Notfall-Set. Noch im Oktober 2018 habe sie einen solchen Schock erlitten. „Ich war bei meiner Mutter, plötzlich juckten meine Haut und meine Augen, mein Kreislauf sackte in den Keller.“ Der Notarzt musste kommen und ihr Medikamente geben, die sie doch nicht bei sich hatte. Für Tochter Paula (9) ein prägendes Erlebnis. „Ich wusste erst nicht, was los ist. Ich hatte Angst, dass sie es nicht überlebt. Das will ich selbst nicht erleben.“ Deswegen frage sie immer und überall nach den Inhaltsstoffen, wenn sie außer Haus isst.

All diese Belastungen durch die Krankheiten – bei der sechsjährigen Sophia wurde zudem noch ein Herzfehler diagnostiziert und Vater Daniel erlitt 2014 einen spontanen Lungenzusammenfall – führten zu Unsicherheiten und Unwägbarkeiten im Alltag, wie Claudia Potthoff berichtet. „Ein Arzt hatte uns den Bunten Kreis empfohlen und ich bin wirklich dankbar für die Hilfe. Ich habe neue Wege aufgezeigt bekommen und gerade auch die Kinder haben noch einmal gelernt, auf ihren eigenen Körper zu hören.“

In der rund dreimonatigen Asthmaschulung für die ganze Familie – 17 Familien nahmen dieses Angebot 2018 wahr – geht es zum einen um die Krankheit selbst. Was ist Asthma? Wie inhaliere ich richtig? Wie wirken die Medikamente? Psychologin Christina Zumdieck ergänzt: „Es geht aber auch darum, die Krankheit zu akzeptieren. Man kann sie nicht heilen, aber lernen, damit besser umzugehen.“

Als Ergänzung nahm die Familie auch die psychologische Beratung „Kompass“ in Anspruch. Rund ein Jahr dauerten die Gespräche, denn der Familienalltag war von den Krankheiten beeinflusst, wie Claudia Potthoff erzählt. „Ich selbst war nur noch Mutter und habe mich dabei vergessen. Wenn ich mit der Großen in der Kur war, hatte ich ein schlechtes Gewissen gegenüber der Kleinen.“ Auch auf die Erziehung habe das Einfluss gehabt. „Ich habe viel durchgehen lassen, weil die Kinder ohnehin schon belastet waren, aber das ist auch nicht richtig. Man darf trotz allem auch Strenge zeigen.“

Die psychologische Beratung für Familien mit chronischen und schweren Erkrankungen sei kostenfrei, so Christina Zumdieck und richte sich immer auch nach den individuellen Bedürfnissen der Familien. „Wenn alle Kriterien erfüllt sind, ist auch kurzfristig eine Beratung möglich. Auf Wunsch kommen wir auch nach Hause. Da dies nicht über die Krankenkasse abgerechnet wird, ist das Angebot sehr niedrigschwellig.“

Ein Angebot, das die Potthoffs, wie 66 andere Familien in 2018 auch, gerne in Anspruch genommen hat. „Wir hatten keine Probleme damit, die Hilfe anzunehmen. Ganz im Gegenteil. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass es jemanden gibt, der uns unterstützt und uns wertvolle Tipps gibt.“

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