Coesfeld
„Es gibt vieles neu zu überdenken“

Coesfeld. Mit dem Rückzug von Annette Rabert als Vorsitzende und Werner Prause als Arbeitskreissprecher Handel und Gastronomie endet eine kleine Ära im Stadtmarketing-Verein, der sich zurzeit vielen Herausforderungen gegenüber sieht. Ob mangelnde Beteiligung, eine angespannte Parkraumsituation in der Innenstadt oder der Online-Handel – es war und ist nicht immer einfach. Dennoch blicken sie hoffnungsvoll in die Zukunft, die ihren Nachfolgern die Chance bietet, neue Konzepte auf die Beine zu stellen. Im Interview mit Redaktionsmitglied Jessica Demmer sprechen die beiden ganz offen über die Zeit in ihren Ämtern.

Sonntag, 22.09.2019, 15:28 Uhr
Nach 18 bzw. zehn Jahren am Steuerruder des Stadtmarketing-Vereins geben es Vorsitzende Annette Rabert und Werner Prause, Arbeitskreissprecher Handel und Gastronomie, nun an ihre Nachfolger weiter. Foto: Jessica Demmer

Nach 18 bzw. zehn Jahren treten Sie jetzt von Ihren Ämtern zurück. Warum?

Rabert: Die vor 25 Jahren manifestierte Basis des Stadtmarketing Vereins ist heute nicht mehr aktuell. Viele Filialen; weniger inhabergeführte Unternehmen, die sich ins Stadtmarketing kaum noch integrieren lassen. Wohlwissend, welch enorm zeitlicher Aufwand im Ehrenamt damit verbunden ist. Zu Recht sehen die wenigen „nichtfilialisierten Unternehmen“ nicht mehr ein, warum sie die kompletten Kosten für verkaufsoffene Sonntage oder sonstige Aktionen zur Stärkung der Innenstadt tragen sollen und die Filialen Umsätze generieren, für die andere gesorgt haben. Auch sehe ich eine erhebliche Verpflichtung der Stadt, sich aktiver und finanziell stärker in das Stadtmarketing einzubinden, statt mit Park- und Baustellenfehlplanungen den Einzelhandel nachhaltig zu schädigen. Ich bin es leid, ständig im Rathaus zu diskutieren, mich mit dem Bürgermeister zu streiten, weil der nicht einsehen will, dass die Stadt gerade in der Parkraumsituation erheblich versagt hat. Ebenso die seit Jahren marode und uneinsichtige Personalsituation der Verwaltung im Stadtmarketing, die dafür gesorgt hat, dass Werner Prause und ich weit über das Ehrenamt hinaus aktiv mitarbeiten mussten, hat für die Entscheidung gesorgt, die Verantwortung für die Entwicklung des Stadtmarketings nicht mehr tragen zu wollen.

Prause: Dem schließe ich mich voll an. Ich spreche auch für uns beide, wenn ich sage, dass wir unsere Ämter trotz der Kritik immer gern gemacht haben. Die Arbeit im Vorstand und mit den Kollegen in der Geschäftsstelle hat uns immer Freude bereitet.

Sie sagen, dass das Konzept von vor 25 Jahren nicht mehr aktuell ist. Was muss sich denn ändern?

Rabert: Es gibt vieles neu zu überdenken: die Pfingstwoche mit ihrem überwiegend desaströsen Wirtschaftsergebnis, die verkaufsoffenen Sonntage, die finanzielle Einbindung von (Nicht)Mitgliedern in Neustrukturierungen des Stadtmarketings, eine vertretbare und realistische Präsenz im Offline- wie auch Onlinehandel; die Stärkung des Wir-Gefühls durch höhere Einbindung der Bürger, das finanzielle und mediale Konzept, der touristische Faktor für unsere Stadt sowie das Mitgliederinteresse am Arbeitskreis Wirtschaft.

Es haben sich bestimmt auch viele äußere Herausforderungen geändert.

Rabert: In vielen Bereichen, sei es Handel, Wirtschaft oder Kultur, scheint sich eine gewisse Müdigkeit eingeschlichen zu haben – die Neugier auf neue „Handelsstrategien“ scheint durch irgendetwas, was ich nicht beurteilen kann, wie gelähmt zu sein: Im Einzelhandel und Dienstleistungsbereich hatten wir sogar einmal die Unterstützung eines ortsansässigen IT-Unternehmens, kostenlos für die Betriebe den Grundrahmen einer Homepage zu erstellen – es hat sich kein Interessent gemeldet. Schade, wenn man sich die Internetseiten vieler einmal anschaut: schmucklos und uninteressant fristen sie ihr Dasein. Dienstleister und Handwerksbetriebe tummeln sich in extrem teuren Netzwerken als Mitglieder, statt gemeinsam ein Netzwerk über das Stadtmarketing mitaufzubauen. Ist es Müdigkeit, allgemeiner Frust, sind es vielleicht auch zu viele Kunden? Wir wissen es nicht und haben keine greifbaren Argumente für und gegen Stadtmarketing hören können.

Vor dem Hintergrund ist es sicher nicht einfach, Nachfolger zu finden...

Rabert: Für den Arbeitskreissprecher haben wir schon einen zur Wahl stehenden Kandidaten, für meine Position hat sich bislang niemand gefunden. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass jemand mit Pioniergeist gesucht wird (zwinkert). Deshalb hat sich Herr Öhmann als Stellvertretung des Vorsitzenden bereiterklärt, bis zu den turnusmäßigen Neuwahlen im nächsten Jahr den stellvertretenden Vorsitz zu übernehmen. Bis dahin wird sich sicherlich jemand gefunden haben.

Warum haben Sie sich denn selbst damals für den Vorsitz entschieden?

Rabert: Ich hatte mich gerade selbständig gemacht und wusste aus früherer Zeit meiner Stadtmarketingarbeit bei der Stadt Gescher, wie wichtig das Zusammenspiel von Einzelhandel, Wirtschaft, Gastronomie, Kultur und Tourismus ist, um eine Stadt erfolgreich nach vorn zu bringen. Und ich habe einen unbändigen Aktionismus in mir gespürt, zumal das Einzelhandelskonzept gerade in der Planung war.

Was waren Ihre persönlichen Highlights?

Rabert: Zum Beispiel die erfolgreiche Verabschiedung und Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes für die Stadt mit dem politischen Versprechen an den Stadtmarketing Verein, die Innenstadt nicht durch Einkaufmalls und riesige Einzelhandelsflächen außerhalb der festgelegten Innenstadtgrenzen ausbluten zu lassen. Oder das über viele Jahre erfolgreiche Lichterfestkonzept.

Prause: Der Handelsgutschein ist auch ein großes Highlight. Gut gepflegt und vermarktet in den letzten Jahren hat er sich zu einem anerkannten Zahlungsmittel gemausert. Auch die Entwicklung des Coesfelder Weihnachtsmarktes möchte ich nicht unerwähnt lassen. Nach einem Versuch, diesen zu vergrößern und den Veranstaltungszeitraum zu verlängern, haben uns die Coesfelder ein deutliches Veto dazu gezeigt, wie sie sich einen Weihnachtsmarkt nicht vorstellen. Also sind wir dann im Jahr darauf wieder zurückgerudert zu unserem traditionellen Weihnachtsmarkt. Hier möchte ich noch einmal lobend die spontane Bereitschaft einiger Coesfelder Gastronomen erwähnen, die dafür bis zum heutigen Datum gesorgt haben, dass Coesfeld auch weiterhin einen Weihnachtsmarkt anbieten kann. In der Arbeitsgruppe gab es immer einen starken Zusammenhalt und ein Ziel, den Coesfelder Weihnachtsmarkt zu retten.

Wenn Sie drei Wünsche für die Zukunft frei hätten...

Rabert: Ich würde mich freuen, wenn die Einzelhändler in der Innenstadt wieder enger zusammenrücken und gemeinsam an neuen Projekten erfolgreich werkeln. Es bringt nichts, wie ein Kaninchen vor der Schlange zu hocken und abzuwarten, ob alles wieder „gut“ wird. Das Parkkonzept sollte endlich überarbeitet und mehr Parkraum geschaffen werden. Und drittens sollte die Stadt ihrer Pflicht nachkommen, gutes Stadtmarketing mit entsprechender finanzieller Unterstützung zu würdigen.

7 Die Mitgliederversammlung des Stadtmarketing-Vereins findet am kommenden Mittwoch (25. 9.) um 19 Uhr im Hotel-Restaurant Haselhoff statt. Dort stehen unter anderem auch die Neuwahlen für Vorsitz und Sprecher auf dem Programm.

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