Junge Szene
„Die Sprache junger Menschen sprechen“

Wie viele Berührungspunkte haben Jugendliche eigentlich mit der Kirche? Es geht oft schon ganz früh los – mit der Taufe. Dann folgt einige Jahre später die Kommunion oder Konfirmation und eventuell die kirchliche Hochzeit. Zwischendurch besucht man zu Weihnachten den Gottesdienst. Ist das wirklich so, dass Jugendliche so wenig mit der Kirche in Kontakt stehen? Darüber hat Junge-Szene-Mitglied Leon Seyock mit Schulseelsorger der St.-Lamberti-Gemeinde, Matthias Bude, geplaudert.

Montag, 02.07.2018, 12:04 Uhr

Foto: az

Herr Bude, teilen Sie den Eindruck, dass sich immer weniger Jugendliche für die Kirche interessieren?

Matthias Bude: Jugendliche stellen sich oft die Frage, wie sie sich in ihrem Leben verhalten sollen. Damals haben sie in der Kirche Antworten dazu gesucht, heute passiert das in der Tat oft auf Youtube oder anderen Social-Media-Kanälen. Was soll ich über bestimmte Situationen denken? Zahlreiche Influencer geben Antwort darauf. In meinem Job als Schulseelsorger werde ich auch mit Problemen und Fragen der Schüler konfrontiert. Und auch als Kirche wollen wir da sein, um Antworten zu suchen und vielleicht zu finden.

Wieso sollte die Kirche für Jugendliche überhaupt interessant sein?

Bude: Der Glaube hat viele lebensrelevante Themen: Der Sinn des Lebens, die Frage nach der Gerechtigkeit oder das persönliche und gesellschaftliche Verhalten. Die Religion kann ein guter Begleiter bei diesen Fragen sein. Hier können gemeinsame Werte geteilt und gelebt werden. Denn wenn jeder macht, was er will, funktioniert eine Gesellschaft nicht.

Was kann Kirche noch für Jugendliche bedeuten?

Bude: Kirche kann auch Heimat sein. Jugendliche suchen oft nach Menschen und Orten, mit denen und wo sie gemeinsam abhängen können. Es wäre schön, wenn das auch die Kirche sein könnte. Am liebsten wäre mir, gemeinsam mit Jugendlichen Ideen zu entwickeln und diese umzusetzen. ,Was willst du, was ich dir tu?’ ist ein biblischen Zitat, das auch für uns relevant ist. Wir versuchen, die Jugendlichen bei ihren Interessen abzuholen.

Wie gelingt Ihnen das? Und was tun Sie in der Gemeinde dafür, Jugendliche anzuziehen?

Bude: Wir werden nicht alle jungen Menschen für Kirche interessieren, der Zug ist abgefahren. Aber wir versuchen durch Projekte wie #durchstarten, bei dem wir auf eine andere Art Ostern gefeiert haben, sie zu begeistern. Wenn sich die Jugendlichen zum Beispiel im Moment für Fußball interessieren, ist das bei mir im Schulgottesdienst Thema. Welche Verbindung gibt es da zum Glauben? Wir müssen die Sprache der jungen Menschen sprechen und probieren vieles aus, um Themen jugendgerecht zu vermitteln.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5870799?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F947607%2F
Giulia Wahn beim ESC: „Platz 20 war Hauptgewinn“
Beim ESC landete der für San Marino startende Sänger Serhat (l.) auf Platz 20. Dennoch gab es für ihn und seine münsterische Background-Sängerin Giulia Wahn (hinten rechts) Grund zum Jubeln.
Nachrichten-Ticker