Shakespeare trifft Mendelssohn beim Stelldichein im Zauberwald
Ein schöner Abend für Romantiker und Träumer

CoesfelD. Mit dem „Sommernachtstraum“ hat Shakespeare sein wohl poesievollstes Stück geschrieben, dessen phantasievolle Handlung den Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy zu einer musikalischen Fassung inspiriert hat. Das Ensemble Berlin und der Schauspieler Hans Jürgen Schatz haben Verse und Musik zusammengeführt, um ihr Publikum im Konzert Theater in eine traumverlorene Welt zu entführen.

Dienstag, 18.03.2014, 19:45 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 17.03.2014, 15:53 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.03.2014, 19:45 Uhr

Im ersten Teil des Abends gibt es, quasi als Vorspiel, vom Berliner Ensemble in kleineren Besetzungen drei weitere Werken Mendelssohns. Die Streichersinfonie, von Mendelssohn mit gerade mal 14 Jahren komponiert, offenbart in ihrer Frische frühe Meisterschaft. Das Streichquintett des Berliner Ensembles arbeitet die fröhliche Leichtigkeit im Grave/Allegro, die pure Romantik im Andante und das flotte Temperament im Allegro molto wunderbar heraus. Ebenso schön das Rondo Capriccioso, gespielt von einem Bläserquintett, das mit seinen schnellen Läufen und kapriziösen Trillern perfekt zum erwachenden Frühling passt. Streicher und Bläser finden sich zusammen zum Konzertstück Nr. 1. Hier brillieren vor allem die beiden Bläser, die sich bis zum Äußersten herausfordern mit ihren virtuosen Läufen.

Nach der Pause trifft dann Shakespeare auf Mendelssohn, ein Rendezvous ganz im Zeichen verspielter Verliebtheit. Wie auch bei der Streichersinfonie war der Komponist beim Verfassen der Ouvertüre sehr jung. Mit 17 Jahren gelingt ihm ein sicheres Einfühlen in die Stimmungen der Komödie, eine kunstvolle Übertragung des permanente Necken und Scherzen der Figuren in die Sprache der Musik.

Beim Einsetzen der Geigen tauchen vor den Augen der Zuhörer flirrende Elfenflügel auf, die Instrumente zusammen bringen springlebendiges Leben in den Wald, erwecken das vom Mond beschienene Treiben im Feenland in schönen, sorgfältig herausgearbeiteten Melodienbögen. Da trippelt es leise, da huschen und schleichen geisterhafte Gestalten durch den Wald, Geigen versprühen Feenzauber, geheimnisvolle Bläserakkorde ziehen hinein in Oberons Fantasiewelt.

Zwischen den folgenden Stücken rezitiert Hans Jürgen Schatz ausgewählte Passagen aus Shakespeares Komödie, gibt damit trotz der relativen Kürze der Texte einen guten Einblick in das verrückt-zauberhafte Geschehen. Schatz liest mit großer Geste und schelmischen Augenzwinkern. Er senkt seine Stimme zu einem geheimnisvollen Flüstern, verleiht mit tiefer Intonation Oberon Autorität, säuselt Titanias Liebeswahn und zeigt als Elf Droll Spaß am Schabernack.

Und so ziehen Musik und Stimme das Publikum in diese geheimnisumwobene Welt, lassen sie eilige Geschäftigkeit der Hochzeitsvorbereitungen im Scherzo erleben, im sanften Notturno die Paare in Morpheus Arme geleiten und sich erfreuen an dem pompösen Hochzeitsmarsch oder den trampelnden Rüpeln. Ein schöner Abend für alle Romantiker und Träumer.

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