Gescher
Markenzeichen: Männekes malen

Gescher. Mila hat es zuerst gesehen: „Opa, die Sonne ist blöd. Die lacht ja gar nicht“, hat seine vierjährige Enkelin gesagt. Da erkennt auch Hubert Effkemann, warum ihm das Himmelsgestirn nicht gefallen wollte. Schnell greift er zu Pinsel und Farben: Mundwinkel rauf, Mund niedlich verkleinert, etwas Lack auf die Lippen: Und schon kommt der Stern des Super-Sommers 2018, der im Karneval 2019 auf dem Wagen der Nachbarschaft (NB) Neuer Ring erstrahlen soll, viel sonniger rüber.

Samstag, 09.02.2019, 17:45 Uhr aktualisiert: 09.02.2019, 17:48 Uhr
Bürgermeister a. D. Hubert Effkemann mit Skizzen zu Karnevalswagen, die er für seine Nachbarschaft „Neuer Ring“ entwirft – wie zum Beispiel den „Elefanten im Porzellanladen“ (hinten li.), „Himmel auf Erden mit Frau Luna“ (hinten re.) sowie den Ketchup-Song, den der Neue Ring ebenfalls farbenfroh in Szene setzte. Foto: Helene Wentker

„Vierzig Jahre sind es jetzt“, sagt Hubert Effkemann und lässt die Zahl auf der Zunge zergehen, „seit wir unser Haus am Schlesierring bezogen haben und in die NB Neuer Ring gekommen sind“. Schon damals seien er und seine Frau Ulla schnell mit dem Karnevalsbazillus infiziert worden, „zumal meine Herkunftsfamilie stets mit Karneval zu tun hatte“.

„Schon immer“ hat Hubert Effkemann gerne Männekes gemalt, und seit seiner Ausbildung spielte das Zeichnen in allen Berufsjahren eine große Rolle für ihn. Da lag es nahe, dass er mit dieser Gabe auch dem Karneval seiner Heimatstadt würde dienen können: Seit 1979 also fertigt der ehemalige Bürgermeister Geschers Skizzen für die Karnevalswagen des Neuen Rings, und gelegentlich auch schon mal für andere Nachbarschaften.

Dem Zeichnen voraus geht die Wahl eines Mottos. Manchmal richtet sich das nach weltgeschichtlichen Themen wie Klimawandel, Fußball-WM oder (1992) „Der rote Stern geht unter“. Manchmal stehen Gassenhauer wie der Ketchup-Song Pate für den Karnevalswagen, manchmal allgemeine Aufreger wie Steuererhöhungen, vom Neuen Ring 1994 dargestellt als „teuflische Zeiten“. Manchmal waren es auch Themen mit besonderem Lokalkolorit, die zogen. Nur zu gerne erinnert Effkemann sich an den „Elefanten im Porzellanladen“, mit dem der Karnevalswagen des Neuen Rings 1985 die in Gescher heiß diskutierte Frage in Szene setzte, ob der Marktplatz der richtige Standort für den Bau des Rathauses war. Und vor 30 Jahren war es das Motto „Karneval in Venedig“, das dem Italien-Fan und Stadtprinzen 1989 Hubert Effkemann auf den Leib geschneidert schien.

Für ihn und seine NB ist der Wagenbau immer auch eine Visitenkarte für die Heimatstadt und ihren Karneval. Denn: „An Glocken(guss) und Karneval werden wir festgemacht“, weiß der Bürgermeister a. D. nur zu gut.

Ein Konzept, das für den Neuen Ring seit 1981 gut aufgeht, ist die Einbindung der ganzen Familie(n) in den Karneval und die thematische Abstimmung der gemeinschaftlichen Kostüme auf den Wagen – oder umgekehrt. Für den Wagenbau, aber auch für ihre Feiern durften die Nachbarn vom Neuen Ring eine alte Halle auf dem Gelände der Firma Greiwe Edelstahl nutzen. Ein Glücksfall. Doch die Suche nach solchen Wagenbauhallen werde für alle Nachbarschaften zunehmend schwieriger, weiß Hubert Effkemann. „Wir stehen in Zeiten des Wandels beim Wagenbau. Man wird Kräfte bündeln müssen: Eventuell müssen sich künftig mehrere NB zusammen schließen zur Nutzung einer Halle, wenn wir das Herzstücks unseres Karnevals lebendig halten wollen“.

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