Gescher
Viele suchen Rast für Leib und Seele

Gescher. Über 100 000 Menschen besuchen jedes Jahr die Autobahnkirche Baden-Baden an der A 5. Diese Zahlen erreicht die Autobahnkapelle St. Antonius in Tungerloh bei weitem nicht. Dennoch biegen quasi täglich Menschen von der A 31 ab, um im ältesten Bauwerk der Stadt Gescher Ruhe zu finden. „Das hat sich eingespielt. Hier treffen sich täglich Menschen und kommen miteinander ins Gespräch“, freut sich Pfarrer Hendrik Wenning über die überregionale Bedeutung von St. Antonius. Sie ist eine von insgesamt 44 Autobahnkirchen deutschlandweit. Deren Vertreter tagten jetzt in Gescher – zum zweiten Mal fand hier die Konferenz der Autobahnkirchen statt.

Mittwoch, 13.03.2019, 17:14 Uhr aktualisiert: 14.03.2019, 12:36 Uhr
Nach der Konferenz in Gescher informierten (von links) Birgit Krause, Franz-Josef Menker, Dr. Georg Hofmeister und Pfarrer Hendrik Wenning über den Zuspruch der Autobahnkirchen in Deutschland. Das Bild im Hintergrund zeigt rechts die Autobahnkapelle St. Antonius. Foto: Jürgen Schroer

„Rast für Leib und Seele“, das sei der Grundgedanke, mit dem die Autobahnkirchen zu Entspannung, Besinnung und Andacht einladen. „Reisende können wieder zu sich finden“, sagt Dr. Georg Hofmeister, Geschäftsführer der Konferenz der Autobahnkirchen und Leiter der Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen, die die offenen „Kirchen am Weg“ unterstützt, beispielsweise durch die Herausgabe von Broschüren. Rund eine Million Menschen, so Hofmeister, besuchten jährlich eine Autobahnkirche und schätzten die „Ruhe und Anonymität“. „Viele nutzen das ,Anliegenbuch’, um ihre Gedanken festzuhalten, zünden eine Kerze an und geben eine Spende“, so Hofmeister.

In St. Antonius werden etwa 7500 Kerzen jährlich verkauft – Rückschlüsse auf die Gesamtbesucherzahl lassen sich daraus aber schwerlich ziehen, sagt Franz-Josef Menker. Er war 1998 Initiator der Ausweisung der Tungerloher Kapelle als Autobahnkirche. Der Kirchenvorstand habe diese Idee sofort befürwortet, erinnert sich Menker. Begünstigt wurde die Ausweisung, weil zeitgleich Straßen.NRW einen Standort für eine Gedenkstätte für im Dienst getötete Straßenwärter suchte. Der konnte in Tungerloh angeboten werden – im Gegenzug übernahm das Land die Kosten für die Ausschilderung der Autobahnkirche. „Ein Glücksfall“, so Menker.

Bei der jüngsten Konferenz war die Sicherheit auf deutschen Autobahnen das Schwerpunktthema. Besonders die schwierige Situation der Lkw-Fahrer wurde angesprochen, die die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten kaum einhalten könnten. Außerdem gebe es zu wenig Platz: „Allein in NRW fehlen 4000 Lkw-Parkplätze an den Autobahnen“, so Hofmeister. Der weitere Ausbau von Rastplätzen – wie in Hochmoor – sei ein Ausweg. Außerdem gebe es die Idee, das nächtliche Parken auf dem Gelände von Firmen, die unweit der Autobahnen liegen, gegen Gebühr zu ermöglichen.

Vorgestellt wurde auf der zweitägigen Konferenz in Gescher der Film „Snelwegkerk“ von Elsbeth Fraanje. Die niederländische Filmemacherin begleitet und interviewt Menschen, die sie in Autobahnkirchen angetroffen hat, und geht der Frage nach, was Reisende diese besonderen Orte aufsuchen lässt. Hofmeister kann sich vorstellen, dass dieser Film in verschiedenen Autobahnkirchen gezeigt wird, vielleicht auch irgendwann in St. Antonius Gescher.

| www.autobahnkirche.de

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