Gescher
Unter Bäumen freigeschwommen

Gescher. Waldbaden. Viele werden mit diesem Begriff vielleicht ein Naturfreibad in einem Forst verknüpfen. Oder sie denken an ein Wassertretbecken unter Baumkronen. Weit gefehlt. Denn Waldbaden geht ganz anders. Es hat nichts mit Wasser zu tun, wie Anja Henrichsmann, zertifizierte Waldbademeisterin und Coach für Gesundheit-, Entspannung und Potenzialentfaltung, den Teilnehmern des Waldbadens in einem Waldgebiet in Ahaus erläutert. Voller Erwartung blicken die Frauen ihrem großen Erlebnis entgegen. Die Gescheranerin Anja Henrichsmann hat die Bröke in Ahaus ausgewählt. Mit einer Fläche von etwa 420 Hektar zählt die Bröke zu den schönsten zusammenhängenden Waldgebieten des Westmünsterlandes.

Samstag, 21.09.2019, 11:02 Uhr
Die Teilnehmer lassen sich voller Vertrauen darauf ein, beim Waldbaden in der Bröke in Ahaus mit Augenbinde durch den Wald geführt zu werden. Fotos: Thomas Henrichsmann Foto: az

Doch bevor sich die Teilnehmer auf den Weg in den Wald machen, träufelt Anja Henrichsmann jedem etwas Lebensbaumöl in die Handinnenflächen. „Das verstärkt nochmal die Gerüche, die wir gleich im Wald wahrnehmen werden. Dazu gehören vor allem Terpene“, sagt die Trainerin. Und sie wird Recht behalten.

Nach kurzer Zeit erreichen die Waldbadenden inmitten des idyllischen Waldgebietes, um das sich manche Anekdote rankt, den Platz, auf dem sie einen tonnenschweren 350 Jahre alten Eichenstamm – „Moi Höltken“ – bewundern können. Das Naturdenkmal ruht auf einem Betonsockel. Zur Ruhe kommen sollen auch die Teilnehmer. Anja Henrichsmann lädt diese ein, die Augen zu schließen und tief ein- und auszuatmen. „Lasst uns den Waldboden spüren und hier wirklich ankommen“, sagt sie leise. Tatsächlich spüren Annette, Edelgard, Beate, Silvia, Ruca und Tanja, dass sie in die Atmosphäre des Waldes eintauchen. „Ich fühle mich komplett entspannt“, sagt Silvia. Auch Annette spürt, dass das Naturerlebnis ihr gut tut. Sie freut sich über das Zwitschern der Vögel, das Sonnenlicht, das durch die Baumwipfel in den Wald dringt und wärmt, und über die herrliche Luft.

Die Gruppe streift durch den Laub- und Nadelbaumwald und lässt sich mit Anja Henrichsmann auch auf ein besonderes Experiment ein. Mit verbundenen Augen, geführt von einer Weggefährtin, läuft jede Teilnehmerin ein Stück des Weges über den Waldboden, den jede plötzlich ganz anders wahrnimmt. Beate freut sich, dass ihr als sehender Part von der „blinden“ Partnerin so viel Vertrauen entgegengebracht wird, dass sie diese sicher durch den Wald führt. „Auf diese Weise erlebe ich den Wald nochmal viel intensiver“, sagt Silvia.

Durch diese gemeinsamen Erlebnisse schweißt die Gruppe schnell zusammen. Die Teilnehmer erzählen sich gegenseitig, was sie denken und fühlen. „Der Augenblick zählt“, sagt Edelgard aus voller Überzeugung. Sie macht der Gruppe ganz spontan ein besonderes Geschenk. Als alle Teilnehmerinnen für eine halbe Stunde einzeln ausschwärmen, um sich ihren Lieblingsplatz im Wald zu suchen, kehrt Edelgard mit kleinen Tannenzapfen zurück, von dem sich jede Teilnehmerin einen auswählen und sich dabei etwas wünschen darf.

Annette zeigt sich nach diesem kleinen Ausflug von der Macht der hohen starken Bäume beeindruckt. Beate glaubt fest daran, dass sie gehört hat, wie die Bäume miteinander kommunizieren. Das kann Anja Henrichsmann bestätigen. „Durch ein riesiges unterirdisches Pilzgeflecht – das Mycel – sind die Bäume im Wald tatsächlich miteinander verbunden.“ Die Teilnehmer zeigen sich sowohl von der Vielfalt der Bäume – ob krumm oder gerade gewachsen, alt oder jung, krank oder gesund – als auch von den kleinen Dingen beeindruckt. Edelgard entdeckt mit einem kleinen Pilz mitten auf dem Waldboden ihren ganz persönlichen Mikrokosmos.

Auch die Augen erfahren Beruhigung. Viele verschiedene Braun- und Grüntöne lässt die Gruppe auf sich wirken. „Das sorgt für Wohlbefinden“, sagt Anja Henrichsmann, die vormals als Innenarchitektin gearbeitet hat.

Nachdem sich die Teilnehmerinnen freigeschwommen haben, fordert die Waldbademeisterin sie auf, sich einen ganz persönlichen Zauber- und Wunschbaum auszuwählen, dem man alles erzählen kann. Für manche wird das zu einem ganz bewegenden Moment. Sie lehnen sich an den Stamm ihres kräftigen Baumes an, werden ganz still, legen ihr Ohr an die Rinde und glauben fest daran, dass die Energie dieses majestätischen Baumes auf sie übergeht. Manche denken dabei auch an die mächtige Eiche in der Bröke, deren Geschichte bis zum 30-jährigen Krieg zurückgeht. Viele Jahrzehnte hat sie der Witterung getrotzt, bis sie den heftigen Frühjahrsstürmen des Jahres 1990 zum Opfer gefallen ist.

Viel zu schnell geht die Zeit im Wald vorüber. „Es ist eine kostbare Zeit gewesen“, resümiert Annette. Sie ist Anja Henrichsmann sehr dankbar, dass sie dieses Erlebnis, das alle Sinne angesprochen hat, möglich gemacht hat. Alle zeigen sich glücklich, dass sie sich auf das Abenteuer Waldbaden eingelassen haben.

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