Jahresabschluss Konzert im Dom
Erlebnis für Augen und Ohren

Billerbeck. Der Heiligabend ist noch keine Woche vorüber, das Christkind also gerade erst auf der Welt – und schon wird im weihnachtlich geschmückten Ludgerus-Dom ein Requiem musikalisch in Szene gesetzt, die lateinische Totenmesse also. Wie geht das zusammen? Ludgerus-Kantor Lukas Maschke hat dies überzeugend im Programmheft zum Jahresabschlusskonzert im restlos gefüllten Dom dargelegt. In der Tat liegen Krippe und Kreuz, Golgatha und Gloria dicht beieinander: das irdische Leben muss durch den Tod hindurch, es ist vergänglich. Die Hoffnung liegt auf dem himmlischen Leben, der Erlösung.

Donnerstag, 02.01.2020, 15:30 Uhr
Das traditionelle Jahresabschlusskonzert im Dom hat der des Propsteichor zusammen mit dem Kurion-Orchester unter der Leitung von Kantor Lukas Maschke gestaltet. Foto: Christoph Schulte im Walde

Diese christliche Hoffnung nährt kaum ein anderes „Requiem“ als das des Franzosen Maurice Duruflé. Bei ihm steht nicht der „Tag des Zornes“ im Zentrum, stattdessen hat er viel Tröstliches zu sagen. Und dies in einer vom gregorianischen Gesang vollgesogenen musikalischen Sprache. Sie ist es, die dem ganzen Werk einen oft schwebenden, ja metaphysischen Charakter verleiht. Für den Propsteichor sicher eine gehörige Herausforderung, dieser ganz besonderen Stimmung nachzuspüren, was ihm von Anfang an prima gelang.

Im „Kyrie“ etwa, oder im „Sanctus“ mit seinem sich zu hymnischer Größe steigernden „Hosanna“. Das waren Momente, die schlichtweg unter die Haut gingen. Auch der kurze Moment des dramatischen „Dies illa“. Lukas Maschke hatte seinen Chor um alle nicht unerheblichen rhythmischen Klippen der Partitur gesteuert, bis am Ende („In Paradisum“) die klingende Vision des himmlischen Jerusalems im Raum stand.

Duruflé hat die frei schwebende Gregorianik zwar in die gewohnten, hier aber andauernd wechselnden Takteinheiten „gezwängt“. Für das Kourion-Orchester war das alles andere als Routine. Und so gab es immer wieder einmal kleine Ungenauigkeiten, verbunden mit dem Eindruck, das riesige Ensemble spiele oftmals etwas schüchtern und stets auf Vorsicht bedacht.

Ganz anders jene Partien aus Charles Gounods Oratorium „Mors et Vita“, die Maschke mit Duruflés Requiem verknüpfte – vor allem inhaltlich. Denn auch bei Gounod ist der Tod unabdingbarer Durchgang zum Ewigen Leben. Er komponierte dazu süffige romantische Musik, die dem Kourion-Orchester bestens lag, bei der es sozusagen „zuhause“ war. Immer wieder trägt Gounods Oratorium opernhafte Züge, etwa in der großen Arie „Repentir“ („Reue“), von Anna-Sophie Brosig mit balsamischem Sopran gestaltet. Maximilian Kramer war der markige Bariton, der Verse aus der Offenbarung des Johannes deklamierte.

Charles Gounods „Mors et Vita“ ist nur selten einmal zu erleben. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil es beachtliche Ansprüche an Chor und Orchester stellt. Aber der Aufwand lohnt, wie die Aufführung des Propsteichores deutlich unterstrich.

Gounods schillernde Klangbotschaften berührten ein aufmerksam lauschendes Publikum, die dezente Lichtinstallation im Chorraum des Doms mit wechselnden Farben passte perfekt zu diesem außergewöhnlichen Erlebnis für Augen und Ohren. Minutenlanger Beifall für alle Beteiligten.

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