Tausende Jecken beim Karnevalsumzug
Von Klimawandel bis Klimakterium

Billerbeck. Es wackelt ordentlich auf dem Wagen, die Bässe dröhnen lautstark aus den Boxen. Die Hippies tanzen, singen, schunkeln und springen. „Helau!“, rufen sie. „Helau!“ Immer wieder werden Kamelle zu den bunt kostümierten Karnevalisten am Straßenrand geworfen. Ausgelassene Flower-Power-Stimmung herrscht. Ein Hauch von Woodstock auf engstem Raum. Mit 40 Leuten sind „Gerties Adler“, ein Fanclub des SC Preußen, auf Tour. Mit einem großen Wagen. Zum vierten Mal beteiligen sie sich am Karnevalsumzug.

Donnerstag, 20.02.2020, 18:18 Uhr
Witzig: Stefan und Marita Ahler waren als Donald Trump und Greta Thunberg ziemlich beste Freunde. Foto: az

So ausgelassen wie auf dem Wagen ist auch die Stimmung bei den Jecken, die den Teilnehmern des Lindwurms zujubeln. Tausende trotzen dem Wetter. Auch Andrea, Birgit, Ulrike und Ingrid. Die vier Frauen sind jedes Jahr dabei. Alle im selben Kostüm. „Mittlerweile seit zehn Jahren“, so Birgit. Dieses Mal als Pfauen. „Die Stimmung ist hier besonders“, findet Ingrid. Manche Leute treffe man nur beim Karneval – einmal im Jahr. Ihre Kinder seien zum Teil schon beim Karneval aktiv, beteiligen sich am Umzug. Über 40 Gruppen gestalten den kunterbunten Lindwurm.

Wenn er kommt, wissen alle Bescheid, dass der Umzug rollt. Hans Schaffeld führt die Spitze des närrischen Lindwurms an. Seit genau 25 Jahren. Erst als Polizist, nun als Mitglied IG Karneval. „Ich habe Jubiläum“, sagt er. „Für das Wetter können wir nichts“, sagt Stephan Schumacher, der sich zusammen mit Mirko Badzong als Schamane verkleidet hat. „Hejahejahej, wir machen ja schon Sonnentänze.“ Die Damen vom Synchronschwimmclub können zwischen durch einfach mal abtauchen. Sabine Brockamp ist als letzt Quellnymphe unterwegs. „Nymphen machen das Quellwasser sauber, aber das geht ja jetzt nicht mehr“, erzählt sie. Schließlich gibt es den Berkelquellteich nicht mehr. Ein Stück weiter hinter ihr treiben die Beerlager Berkelnixen ihr Unwesen. Auf dem Markt wird dann aber ein gemeinsames Foto gemacht. Nanu? Donald Trump schiebt Greta Thunberg vor sich her. „Wir sind ziemlich beste Freunde“, so Stefan Ahler, der mit seiner Frau Marita, das Duo präsentiert. Und nicht nur Schüler und Eltern engagieren sich für Klimaschutz, auch die „Omas for Future“ sind unterwegs. „Wir haben das Klimakterium schon hinter uns“, ruft das Trüppchen aus Dülmen. Sie sind ehemalige Volleyballspielerinnen, die zum ersten Mal am Billerbecker Umzug teilnehmen. Und? „Das ist super. Aber wir müssen noch gucken, was der Nachmittag und der Abend so bringen“, sagt eine der rüstigen Damen.

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