Priester feiern Gottesdienste ohne Gemeinde
„Ungewohntes, auch trauriges Gefühl“

Billerbeck. Ungewohnte Maßnahmen in außergewöhnlichen Zeiten: Gottesdienste finden aufgrund der Corona-Pandemie derzeit komplett ohne eine Gemeinde-Beteiligung statt. Die Priester feiern stellvertretend für die Gemeinde Gottesdienste und Messen alleine, stehen in den Kirchen vor leeren Bänken. Auch Propst Hans-Bernd Serries hat schon eine Messe allein im leeren Dom gefeiert. Unser Redaktionsmitglied hat mit ihm darüber gesprochen, was das für ein Gefühl ist, wie die Gottesdienste nun aussehen und was er Menschen in Zeiten wie diesen mit auf den Weg geben möchte.

Mittwoch, 25.03.2020, 08:50 Uhr
Für Propst Hans-Bernd Serries (l.) sind Gottesdienste ein Zeichen der Verbundenheit und der Solidarität mit den Menschen in Billerbeck. Foto: Archiv Foto: az

Herr Serries, was ist das für ein Gefühl, alleine im großen, leeren Dom einen Gottesdienst zu feiern?

Hans-Bernd Serries: Für uns Priester ist das natürlich ein sehr ungewohntes und irgendwie auch trauriges Gefühl. Und für manchen, der das jetzt liest, wahrscheinlich auch eher merkwürdig, in der Form eine Messe zu feiern. Aber ich bin froh, dass die Küster weiterhin ihren Dienst versehen und im gebührenden räumlichen Abstand mit dabei sind und wir Priester uns auch gegenseitig unterstützen. Somit sind wir zu zweit oder zu dritt. Und immerhin sagt Jesus im Evangelium, „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“.

Predigen Sie auch alleine oder sind es Gottesdienste in „abgespeckter Form“?

Serries: In den Messen, die wir im Dom und in St. Johann feiern, predigen wir natürlich nicht für uns selbst. Wir halten aber Zeiten des Schweigens, um das Wort Gottes bewusst in uns wirken zu lassen. Allerdings feiern wir ja auch jeden Tag eine Messe in der Kapelle des Ludgerus-Stiftes, wo wir ja über die Videoanlage mit den Bewohnern und Mitarbeitern verbunden sind und da geben wir jeden Tag eine geistlichen Impuls, der vielleicht helfen kann, das Wort Gottes auch in dieser komplizierten Zeit besser zu verstehen.

Warum hat sich die Kirche dazu entschieden, weiterhin Gottesdienste und Messen zu feiern?

Serries: Für uns Seelsorger fallen in dieser Zeit natürlich auch ganz viele Aktivitäten weg, die jetzt gerade in der Fastenzeit sonst sehr vielfältig wären. Aber wir können dennoch eine Menge tun. Das Gebet und der Gottesdienst sind für uns keine Übungen für die private Frömmigkeiten, sondern ein Zeichen der Verbundenheit und der Solidarität mit den Menschen in Billerbeck, ihre Sorgen und Anliegen mitzutragen. Und ich bekomme bei Telefonaten, durch Mails und auf anderen Wegen auch viele dankbare Rückmeldungen dafür.

Suchen derzeit eigentliche viele Menschen den Dom und die Johannis-Kirche zu den ganz normalen Öffnungszeiten auf?

Serries: Ich bin sehr froh, dass bei allen notwendigen Einschränkungen unserer Begegnungsmöglichkeiten nicht auch noch die Kirchen geschlossen werden müssen. Wir merken schon, dass viele Menschen während des Tages zum Gebet oder einfach nur für die Stille in den Dom kommen, weil es ihnen gut tut. Am Montagmorgen sagte mir die Küsterin, dass sie im Dom 125 leere Kerzenbecher vom Sonntag wegräumen konnte. So viele Menschen waren also mindestens am Sonntag im Dom.

Kommt der seelsorgerischen Arbeit in Zeiten wie diesen eine noch größere Bedeutung zu?

Serries: Mein Eindruck ist, dass in dieser Krise tatsächlich auch eine große Chance steckt. Menschen entwickeln eine große Kreativität, um sich einander zu vergewissern, dass wir zusammen halten und aneinander denken. Wir tun das auch mit unseren Möglichkeiten z.B. durch ganz viele telefonische Kontakte zu Menschen, die ja möglich sind, durch Impulse, die wir täglich auf unser Homepage veröffentlichen für das abendliche Glockenläuten um 19.30 Uhr, durch Briefe, die ich der Gemeinde schreibe oder auch durch kleine Videoimpulse, die wir zum Sonntag veröffentlichen. Am kommenden Sonntag werde ich dabei besonders unsere Erstkommunionkinder dieses Jahres ansprechen. Und neue Ideen sind schon am Entstehen, besonders auch für die Kar- und Ostertage.

Was möchten Sie den Menschen, die Ängste und Sorgen haben, mit auf den Weg geben?

Serries: Da gebe ich gerne etwas weiter, was ich am Sonntag auch schon vielen geschrieben habe: In einem Brief, der in unserer Ausstellung „Unantastbar Menschsein“ zur Zeit im Dom zu sehen ist, rät der junge Priester Clemens August Graf von Galen seinem Bruder Franz in einer schwierigen Lebensphase: „… und nun vertrau auf Gott, und gib dir Mühe…“. Das wünsche ich uns allen auch in dieser nicht leichten Zeit: dass wir das Vertrauen auf Gott nicht verlieren und dass wir uns gleichzeitig Mühe geben, alles tun, was gut und sinnvoll ist für uns selbst und für die Anderen.

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