Umbau ist abgeschlossen – aber noch nicht schön anzusehen
Berkel-Quellgebiet braucht jetzt Zeit

Billerbeck. Ortstermin am Berkequellteich. „Sieht aus wie eine Baustelle“, sagt Rainer Hein. Stimmt. Hein, der bei der Stadt Billerbeck für die naturnahe Entwicklung von Berkel und Quellteich zuständig ist, weiß, was manche Billerbecker über das neu gestaltete Gebiet sagen. „Wir bitten um Geduld“, rät er dazu, Ruhe zu bewahren. Er ist sicher, dass die Natur die öde Bruchsteinwüste im Laufe der Zeit erobern wird. Nicht mit üppigem Grün, aber doch mit Pflanzen, die rund um Quellaustritte typisch sind und auf dem nährstoffarmen Boden überleben können.

Donnerstag, 28.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 28.05.2020, 06:02 Uhr
Rainer Hein (Stadt) steht auf der Aussichtsplattform am neu gestalteten Berkelquellgebiet. Zwischen den Sandsteinflächen (hinten) sammelt sich in den Wasserläufen das Quellwasser und plätschert zur Berkel. Vorne auf dem Teich sind bereits grüne Algen erkennbar. Foto: Ulrike Deusch

Mit dem Bau der Aussichtsplattform ist die Neugestaltung des Berkelquellgebiets abgeschlossen. Nächste Woche erfolgt die wasserrechtliche Abnahme. „Und man kann jetzt schon sehen, dass die Maßnahme der Gewässerqualität gut getan hat“, zeigt Hein auf die glasklaren Rinnsale zwischen den Steinmengen. „Das war unser Ziel, und das haben wir erreicht“, ist er zufrieden.

Sorgen bereitet ihm dagegen der kleine Teich direkt vor der Aussichtsplattform, der gegen den Rat der Fachleute angelegt worden ist. „Der sieht schon fast so aus wie der verschwundene große Teich“, weist Hein auf grüne Algenteppiche hin. „Man kann mit der Natur eben keinen Kompromiss machen, auch wenn man das politisch will“, redet er Tacheles.

Zur Erinnerung: Der einstige Berkelquellteich war durch Algenbildung und andere negative Einflüsse im Laufe der Zeit zu einem trüben und im Extremfall übel riechenden Tümpel verkommen. Gesetzliche Vorgaben zur Wasserqualität machten es erforderlich, zur ökologischen Verbesserung der Berkel und der Quellaustritte umfangreiche Maßnahmen zu ergreifen. Die Stadt handelte im Auftrag der Bezirksregierung mit dem Ziel, den von Menschen angelegten Berkelquellteich durch ein natürliches Quellgebiet zu ersetzen. Weil aber viele Billerbecker nicht auf den Teich verzichten wollten, beschloss die Politik einen Kompromiss, der einen kleinen Mini-Teich auf dem Areal vorsah. Und der sieht nun genau so aus, wie einst sein großer Vorgänger. „Schon jetzt haben die Quellen so viel Feinsand angeschleppt, dass der Teich deutlich flacher ist, als wir ihn ausgehoben haben“, hat Hein beobachtet. Das stehende Wasser erwärmt sich und führt zur Nährstoffbildung, Algen wachsen. „Dass das so schnell wieder passieren würde, hätten wir nicht gedacht“, sagt Hein. Er geht davon aus, dass der kleine Teich im Laufe der Zeit verlanden wird.

Der viele Baumberger Sandstein – teils in Blöcken als Böschungssicherung, teils gebrochen auf dem Areal verteilt – ist bewusst gewählt. „Es ist das ursprüngliche Material des alten Quellgebiets und dazu wegen seiner Nährstoffarmut auch bestens geeignet“, erklärt Hein. In den schmalen Läufen, in denen sich das Wasser mehrerer Quellen sammelt und zur Berkel geführt wird, bilden sich vielleicht Wasserpflanzen aus, vielleicht wächst Schilf am Rand. Zwei, drei Jahre müsse man dem Areal jetzt mal Zeit lassen, damit es sich entwickeln könne, sagt Hein. Trotzdem wird er mit den externen Fachleuten noch ein Pflege- und Entwicklungskonzept für die nächsten Jahre schreiben. Da soll auch festgelegt werden, ob die Grün-Entwicklung aktiv unterstützt werden soll. „Ganz sicher ist aber nicht gewollt, dass sich hier wieder Wald entwickelt.“

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