Renate Hüttmann gibt Tieren auf ihrem „Lebenshof“ in Bombeck ein Zuhause
Ein Stück vom Paradies für Finchen

Billerbeck (ugo). Dass Finchen einen schlimmen Streifen mitgemacht hat, merkt man ihr nicht an. Die Ponystute genießt das frische Grün in der warmen Frühlingssonne und kommt zutraulich auf Renate Hüttmann zu, als sie auf der Naturweide auf das schwarz-weiß gescheckte Tier zugeht. Seit rund zwei Jahren hat es auf dem anderthalb Hektar großen Anwesen in Bombeck ein neues Zuhause gefunden. „Lebenshof“ nennt Renate Hüttmann die Rettungsstation für Tiere, die mit einem traumhaften Garten und der leicht hügeligen Weide wie ein Stück vom Paradies wirkt.

Sonntag, 31.05.2020, 10:00 Uhr
Renate Hüttmann mit „Stiefmutter“ Finchen (r.) und dem Fohlenersatz Ronja, inzwischen auch schon drei Jahre und frisch in einen braunen Araber verliebt, der zur Herde gehört. Fotos: ugo Foto: az

Die niedliche Fine ist der Tierheilpraktikerin ganz besonders ans Herz gewachsen. Das hat mit dem schweren Schicksalsschlag zu tun, über den die Pferdeflüsterin dem sieben Jahre alten Minipony hinweggeholfen hat: eine Totgeburt, an der die Stute fast selbst gestorben wäre. „Die Besitzer hatten sie von einem viel zu großen Hengst decken lassen“, schüttelt die gut 60-Jährige verständnislos den Kopf. „Das Fohlen war fast genauso groß wie das Muttertier.“

Artgerechte Haltung ist ihr ein Herzensanliegen. „Für übertriebenes Hobby- und Sportreiten, ohne dabei auf das Wohl der Tiere zu achten, habe ich null Verständnis“, macht sie gegenüber Auftraggebern keinen Hehl aus ihrer Haltung und fordert sie gegebenenfalls auf, entsprechend zu handeln. Ein häufiger Fehler bei der Pferdhaltung: viel zu enge Ställe und kein Auslauf. „Wenn ich sehe, wie sich ein wahrer Reitelefant in seiner Box kaum drehen kann, koche ich vor Wut“, nennt sie ein Beispiel. Ihr Credo: „Die wahren Ursachen für Probleme beseitigen anstatt mit teurer Pharmazie nur Symptome dämpfen.“ Die auf Hufheilung spezialisierte Expertin mit dem Pferdeverstand setzt in ihren Behandlungen auf Entgiftungskuren mit Pilzen statt auf Antibiotika und Cortison. Pferde seien Herdentiere und sollten aus einem offenen Stall direkt zum Weiden gehen können. „Dann noch gutes Heu und ein paar Mineralien ergänzen, das reicht bei artgerechter Haltung für eine gesunde Ernährung.“

Als das trächtige Finchen zu den Hüttmanns kam, sei es in einem erbärmlichen Zustand gewesen. Stark verwahrlost habe das Tier mit dem gescheckten Fell nicht nur unter der schweren Schwangerschaft gelitten, sondern auch an verkrüppelten Hufen und Mangelerscheinungen. „Zur erfolgreichen Behandlung haben eine Magnetfeld-Therapie und Akupunktur beigetragen“, denkt die ausgebildete Biologie- und Sportlehrerin zurück. Und als dann die elendige Viecherei der Totgeburt überstanden gewesen sei, habe es einen schönen Trost für Finchen gegeben.

Auf dem Hof leben Tiere, die teilweise krank und verwahrlost waren und gerettet werden konnten. Das Wort „Gnadenhof“ will Renate Hüttmann allerdings nicht hören, auch wenn sie weiß, dass die Lebenserwartung einiger der 30 Tiere nicht mehr groß ist. Von Tommy, eine von fünf Katzen zum Beispiel. Noch genießt Tommy sein Fressen und geht gerade der trägen Bulldogge Carlotta aus dem Weg, während im Hintergrund eine Hühnerschar gackert. „Angefangen hat alles vor gut 20 Jahren mit einem heruntergekommenen Pferd, das nicht mehr richtig laufen konnte“, so die Billerbeckerin zu ihrer Passion. Seitdem „brenne“ sie dafür, geplagten Tieren ein lebenswertes Umfeld zu schaffen – gerne auch durch Einsicht der Besitzer.

Finchen kam schließlich durch Ronja über den Tod ihres Fohlens hinweg, erinnert sich Renate Hüttmann. Das heute dreijährige Minipony habe sie damals über Ebay (Hüttmann: „Unglaublich“) umsonst bekommen. Natürlich hatte die Sache einen Haken. „Das Tier war aufgrund eines defekten Gebisses halb verhungert“, so die Tierheilpraktikerin. Sie nahm Ronja mit und ließ die Zähne auf ihre Kosten richten. „Als Ronja kam, ist Finchen ausgelassen um sie herumgetrabt. Seitdem sind sie unzertrennlich.“

Und so soll es auch bleiben, versichert die Frau mit dem großen Herz für Tiere. Auch wenn sie nur noch hin und wieder gerettete Vierbeiner an vertrauenswürdige Menschen vermittelt, „kommt keines ihrer sieben Pferde hier lebend vom Hof“. Sie sollen ihren Lebensabend mit einem weiteren Pflegetier in der Bombecker Hügellandschaft genießen. Wer Fragen zum „Lebenshof“ wissen möchte, kann sich mit Renate Hüttmann, Tel. 0170 4841885, renate.huettmann@t-online.de in Verbindung setzen. 7 Wenn Sie, liebe Leser, auch ein Tier haben, mit dem Sie eine lange oder besondere Beziehung verbindet oder mit dem Sie etwas erleben, das sie zusammenschweißt, melden Sie sich bei uns: Tel. 02543/231421 und billerbeck@azonline.de.

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