Seniorenstifte: Besucher dürfen wieder in die Zimmer der Bewohner
„Da sind manches Mal Tränen geflossen“

Billerbeck. Heike Achenbach, Einrichtungsleiterin im Seniorenstift Baumberge, ist noch ganz gerührt, wenn sie von dem Moment erzählt, an dem eine Frau nach dem wochenlangen Corona-Besuchsverbot zum ersten Mal ihren an Demenz erkrankten Ehemann wieder in seinem Zimmer treffen und zärtlich streicheln durfte. „Das war so herzergreifend“, berichtet Achenbach. Zwischen den beiden spürt man die Liebe und es tut dem Bewohner so gut, seine Frau wieder bei sich zu haben“, schildert sie die wiedergewonnenen Freiheiten für Besucher und Angehörige. Auch im St.-Ludgerus-Stift haben sich emotionale Szenen abgespielt, seitdem die Besucher – unter Hygieneauflagen, versteht sich – die Bewohnerzimmer wieder betreten dürfen. „Da sind manches Mal Tränen geflossen“, weiß Dagmar Lange vom Sozialen Dienst. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Angehörige an einem Besucherfenster oder in dem am Seniorenstift Baumberge aufgestellten Besucherzelt einfinden mussten. „Das Zelt wird in den nächsten Tagen abgebaut“, kündigt Heike Achenbach an.

Mittwoch, 08.07.2020, 11:02 Uhr
Trotz der neuen Freiheit werden die Besucher einem Screening unterzogen. Neele Kramer (l.) ist eine von den Aushilfen dafür im St.-Ludgerus-Stift. Sie zeigt mit Dagmar Lange (Sozialer Dienst) das Fiebermessen. Foto: Ulrike Deusch

In beiden Einrichtungen darf jeder Bewohner täglich ohne zeitliche Begrenzung wieder Besuch erhalten. Im Ludgerus-Stift ist keine Terminabsprache mehr erforderlich, im Seniorenstift Baumberge freuen sich die Verantwortlichen über eine Anmeldung. Zwei Personen sind gleichzeitig im Bewohnerzimmer willkommen, gehen sie mit dem Bewohner an die frische Luft und machen mit ihm einen Spaziergang, dürfen ihn sogar vier Besucher begleiten.

Natürlich müssen sich in beiden Einrichtungen die Besucher streng an die Schutzmaßnahmen halten. Dies schreibt der entsprechende Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen vor. Dazu gehört ein Screening beim Betreten des Gebäudes inklusive Temperatur messen und Fragebogen ausfüllen. „Das machen die Besucher aber ohne Probleme mit“, weiß Heike Achenbach. „Sie sind sich ihrer großen Verantwortung bewusst.“ Natürlich bedeuten Erfassung und Kontrolle Mehrarbeit und daher sind Dagmar Lange und ihre Kolleginnen vom Ludgerus-Stift froh, dass drei Schülerinnen als Mini-Jobber das Team unterstützen und nachmittags an der Rezeption anzutreffen sind. Die Verantwortlichen bitten daher die Besucher darum, möglichst zwischen 14.30 und 18 Uhr zu kommen. Die Pforte ist aber auch schon vormittags ab 8 Uhr besetzt und wer erst nach 18 Uhr Zeit hat, wird nach Absprache auch noch eingelassen.

Das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes ist für die Besucher natürlich Pflicht und auch die Spender mit Desinfektionsmittel, die überall auf den Fluren bereitstehen, sollten sie nutzen.

Wie im Seniorenstift Baumberge sind auch im St.-Ludgerus-Stift die Allgemeinflächen für Besucher noch tabu, auch der Wintergarten und der Innenhof. Kontaktloser Besuch im Café ist möglich.

Eine „Riesenerleichterung“ nennt Dagmar Lange die Lockerungen in der Besuchsregelung und Heike Achenbach schätzt sogar, dass der Besucherschnitt im Haus schon jetzt fast wieder demjenigen vor der Corona-Krise entspricht.

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