Henrik Jasper aus Hausdülmen pfeift und pfeift und pfeift
Der Marathon-Schiedsrichter

Nottuln. Henrik Jasper ist Fußball-Schiedsrichter aus Leidenschaft. Am vergangenen Sonntag pfiff der Unparteiische in Nottuln und zeichnete sich durch große Laufbereitschaft aus. Mit dem 25 Jahre alten Hausdülmener, der als Industriemechaniker in Bösensell arbeitet, sprach WN-Sportredakteur Johannes Oetz.

Freitag, 02.10.2020, 05:36 Uhr
„Bei der Pfeiferei bekommt man es immer wieder mit neuen Charakteren zu tun“, sagt Schiri Henrik Jasper. Am vergangenen Sonntag traf er etwa den Nottulner Malte Thies. Foto: Johannes Oetz

Hallo, Herr Jasper. Wie ging es Ihnen am Montagmorgen?

Jasper (lacht): Ich hatte doch schon Muskelkater. Es war allerdings etwas weniger als letzten Freitag, als ich morgens mit starkem Muskelkater aufwachte. Am Abend zuvor hatte ich das Pokalspiel zwischen Osterwick und Ahaus gepfiffen.

Sie haben am Sonntag zunächst um 11 Uhr die Meisterschaftsbegegnung zwischen den U19-Teams von GW Nottuln und Eintracht Mettingen auf dem Hauptplatz geleitet, um nur 15 Minuten später das A-Liga-Spiel GW Nottuln 2 gegen den SuS Legden zu leiten. Machen Sie so etwas häufiger?

Jasper: Zwei Spiele direkt nacheinander leite ich natürlich seltener. Das letzte Mal habe ich das, wenn ich mich recht erinnere, vor einigen Jahren auch in Nottuln gemacht. Ansonsten pfeife ich an einem Tag schon häufiger mal zwei Spiele. Dazwischen ist aber normalerweise eine größere Pause. Jetzt hatte ich keine Ruhe zwischen den Begegnungen, da ich in der Viertelstunde noch den Spielbericht der ersten Partie fertigstellen musste und schon Kontakt zu den Trainern der zweiten Partie hatte.

Sie sagten aber, am Freitag hätten Sie mehr Muskelkater gehabt als am Montag. Wie kann das sein?

Jasper: Auf den Kunstrasenplätzen ist es einfach angenehmer zu laufen, gerade im Herbst und im Winter. Außerdem ist der Nebenplatz in Nottuln ja etwas kleiner.

Wie viele Spiele pfeifen Sie durchschnittlich im Monat?

Jasper: Das halte ich nicht nach, wohl aber jährlich. Da komme ich immer auf 75 bis 80 Spiele.

Wie haben Sie sich in der Zeit des Lockdowns fit gehalten?

Jasper: Ich habe viele Fahrradtouren unternommen und bin regelmäßig bei uns um den Silbersee gelaufen.

Haben Sie früher eigentlich selbst gekickt?

Jasper: Natürlich. Aktiv habe ich bis zur B-Jugend gespielt und später in meinem Heimatverein ausgeholfen, wenn Not am Mann war. Ich habe mich dann aber dazu entschlossen, mit der Pfeiferei zu beginnen. Mir war irgendwann klar, dass ich als Schiedsrichter in höhere Ligen kommen würde als als Spieler.

Gab es jemanden, der Sie motiviert hat, Schiedsrichter zu werden?

Jasper: Motivieren musste mich niemand. Die Schiedsrichterei ist mir in die Wiege gelegt worden. Meine Mutter pfeift wie ich für GW Hausdülmen, mein Vater aus alter Verbundenheit für Brukteria Rorup. Ich bin jetzt seit 2009 dabei, damals war ich elf Jahre alt. Heute pfeife ich bis zur Bezirksliga.

Machen Sie doch mal Werbung für das Hobby Schiedsrichter. Warum sollten Menschen Ihnen nacheifern und am nächsten Anwärterlehrgang teilnehmen?

Jasper: Durch die Pfeiferei wird die Persönlichkeit gestärkt, man bekommt es auf dem Platz immer wieder mit anderen Charakteren zu tun. Das ist jedes Mal eine neue Herausforderung. Ich denke, das ist gerade für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen hervorragend. Außerdem bekommt man für die Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung. Es ist natürlich schon schön, wenn man für die nächste Woche mal 30 Euro mehr im Portemonnaie hat.

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