Neuauflage „Zersplitterte Sterne“ von der Suwelack-Stiftung präsentiert
232 neu gestaltete Seiten zur Erinnerung

Billerbeck. 18 Jahre nach der Erstveröffentlichung hat die Suwelack-Stiftung nun eine Neuauflage des Buches „Zersplitterte Sterne. Erinnerungen an jüdische Familien in Billerbeck und ihre Zeit“ herausgebracht – in neuem Gewand, mit ergänzenden Fotos, mit mehr Farbe und in einem größeren Format. „232 neu gestaltete Seiten sind bereit zum Lesen, Blättern, sich Hinein vertiefen, Betrachten und Weiterdenken“, schreibt Autorin Veronika Meyer-Ravenstein, die bei der offiziellen Vorstellung der neuen „Zersplitterten Sterne“ in der Domschenke Groll nicht dabei sein konnte. „Zahlreiche Billerbecker – allen voran sei Anna Uhlmann, geb. Albersheim, genannt – haben an diesem ‘Lesebuch’ mitgewirkt und damit persönliche Erinnerungen und Zeitgeschichte für die nächsten Generationen zusammengetragen.“

Donnerstag, 29.10.2020, 07:52 Uhr
Präsentieren die Neuauflage „Zersplitterte Sterne“: (v.l.) Grafikerin Sabine Herke, Wolfgang Suwelack (Suwelack-Stiftung), Ulla Ewelt (Suwelack-Stiftung) und Bürgermeisterin Marion Dirks. Fotos: Stephanie Sieme Foto: az

Das Titelblatt ziert ein Gemälde, das die Geschwister Eva und Rolf-Dieter Eichenwald zeigt. Gemalt hat es der Billerbecker Künstler Bernhard Scholz nach einem Foto aus dem Jahr 1940, das wenige Monate vor der Deportation der Kinder nach Riga entstanden ist. Neu ist das Kapitel „Sichtbare Zeichen setzen“, in dem es um die Aktivitäten und das Engagement rund um die Erinnerungskultur der Geschwister-Eichenwald-Schule geht. Es geht um Zivilcourage und Aktionen gegen Rassismus. Es handelt von Begegnungen in Riga und Ausschwitz. „In den vergangenen 20 Jahren haben wir 1000 Schülern das Buch zu ihrem Abschluss geschenkt. Weitere 1000 liegen nun bereit“, sagt Wolfgang Suwelack. Er würdigte bei einer Rede unter anderem auch den Verwaltungsbeamten Heinrich Fasse, der nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1946 von den britischen Alliierten als Amtsbürgermeister eingesetzt wurde und einen regen Briefverkehr mit den geflohenen jüdischen Billerbeckern pflegte. „Er hat erwiesener Maßen mehreren bei der Ausreise geholfen und ihnen das Leben gerettet und danach noch mit vielen korrespondiert. Man sollte überlegen, ob man eine Straße nach ihm benennt“, so Suwelack. Thematisiert wird der Briefwechsel auch im Buch. Die Original-Dokumente hat Ulla Engelke, Enkelin von Fasse, der Suwelack-Stiftung überlassen. Suwelack berichtete, dass der alte jüdische Gebetsraum an der Münsterstraße von der Eigentümerin der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Zudem sprach er an, dass der Schulname der Geschwister-Eichenwald erhalten bleiben müsse. Mit der Entscheidung, die Geschwister-Eichenwald-Gemeinschaftsschule auslaufen zu lassen und einen Teilstandort der Havixbecker Anne-Frank-Gesamtschule zu errichten, flammte 2018 eine Diskussion über den Schulnamen auf. Unterstützung erhält die Suwelack-Stiftung dabei von Andrea Leehan, Enkeltochter von Ernst Eichenwald, deren Brief er vorlas.

Das erste Exemplar der „Zersplitterten Sterne“ überreichte Suwelack an Bürgermeisterin Marion Dirks. „Ich bin tief beeindruckt von allen Dingen, die die Stiftung tut“, betonte sie. Es sei wichtig, den Namen der Geschwister Eichenwald in der Öffentlichkeit zu erhalten – ob in Zusammenhang mit der Institution Schule oder einem Gebäude, werde sich zeigen. Marion Dirks: „Wir sind an Ihrer Seite.“ Es soll diesbezüglich ein Gespräch im Rathaus stattfinden. Und wie der Sitzungsvorlage für die konstituierende Ratssitzung am kommenden Dienstag zu entnehmen ist, hat die CDU einen Antrag gestellt, die beiden Schulgebäude der weiterführenden Schulen nun offiziell Don-Bosco-Gebäude und Geschwister-Eichenwald-Gebäude zu benennen. So wie es die Schulkonferenz bereits im Jahr 2018 gefordert hat.

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