Interview mit Bürgermeisterin Marion Dirks zur Corona-Pandemie
„Erst einmal müssen wir durchhalten“

BIllerbeck. Das neue Jahr 2021 ist nun fast schon eine Woche alt. Das alte war ein durch die Corona-Pandemie vor allem hartes Jahr. Unser Redaktionsmitglied Stephanie Sieme hat Bürgermeisterin Marion Dirks zu Erkenntnissen aus dem Pandemie-Jahr 2020, den daraus gezogenen Lehren und zu einem Ausblick auf das neue Jahr interviewt.

Donnerstag, 07.01.2021, 06:28 Uhr
Bürgermeisterin Marion Dirks äußert sich zu Erkenntnissen aus dem Pandemie-Jahr 2020, daraus gezogene Lehren und zu einem Ausblick auf das neue Jahr. Foto: Chiara Dirks Foto: az

Frau Dirks, welche Erkenntnisse ziehen Sie aus dem Pandemie-Jahr 2020?

Dirks: Das Pandemie-Jahr 2020 hat uns allen gezeigt, wie zerbrechlich unser gewohntes Leben sein kann. Darauf waren wir alle so nicht vorbereitet. Als im März der erste Lockdown verfügt werden musste, habe ich aber gesehen, wie gut wir als Verwaltung reagieren konnten. Wir haben einen direkten Draht untereinander und in die Stadtgesellschaft hinein. Wir mussten da ja noch per Allgemeinverfügung die Schließung der Gastronomie und des Einzelhandels regeln. Und das wurde innerhalb weniger Tage immer wieder verschärft. Ich habe auch gesehen, wie gut die Billerbeckerinnen und Billerbecker zusammenhalten. Es haben sich sofort Gruppen organisiert, die Hilfe angeboten haben. Ob fürs Einkaufen, fürs einfach mal Telefonieren und später fürs Nähen der Masken. Insgesamt habe ich auch diesmal wieder gesehen, wie wichtig, aber auch wie schwierig die Abstimmung zwischen den Kommunen und den übergeordneten Ebenen und auch der Kommunen untereinander ist.

Wie ist Billerbeck bislang durch die Pandemie gekommen?

Dirks: Wir trauern um zwei Menschen, die an Covid19 verstorben sind. Insgesamt haben wir bis heute 115 Meldungen infizierter Menschen. Viele haben die Infektion mit leichten bis mittelschweren Symptomen überstanden. Es gibt aber auch Billerbeckerinnen und Billerbecker, die ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit noch nicht wiedererlangt haben. Wenn man nur auf die Zahlen schaut, ist Billerbeck ganz gut durch die Pandemie gekommen. Darauf können wir stolz sein. Die Menschen halten sich weitgehend an die Regeln und reagieren auf Ermahnungen. Wir waren noch nicht gezwungen, Bußgelder zu erlassen. Unsere Schulen, die Kitas und auch die Pflegeheime haben auf Ausbrüche sehr gut reagiert. Wenn ich allerdings auf die Gastronomie und den Einzelhandel blicke, mache ich mir natürlich Sorgen. Ich hoffe sehr, dass die staatlichen Hilfen greifen.

Gibt es etwas, was Sie rückblickend anders entscheiden würden?

Dirks: Nein. Wir haben sofort in den Krisenmodus geschaltet. Die Arbeit in der Verwaltung, mit dem Rat und auch mit den anderen Beteiligten hat gut funktioniert. Wir arbeiten in dieser Krise genauso gut zusammen wie vorher. Schnelle Reaktionszeiten und gute Information der Öffentlichkeit waren und sind wichtig. Das ist uns weitgehend auch gelungen. Wir sind so organisiert gewesen, dass Mitarbeitende auch sofort ins Homeoffice gehen konnten. Auch die gute Ausstattung mit einem Glasfasernetz hat uns auf jeden Fall geholfen.

Was haben Sie aus der Pandemie bereits gelernt?

Dirks: Ich habe gelernt, dass eine gut aufgestellte Stadt auch Krisenzeiten gut überstehen kann. Ich glaube an den ‘Fluch der versäumten Tat’. Wer nicht rechtzeitig die Weichen stellt, dem wird es in schwierigen Zeiten kaum mehr gelingen. Die Pandemie hat uns auch einen großen Schub hinsichtlich der Digitalisierung gegeben. Ohne Videokonferenzen oder Webinare läuft nichts mehr. Die Akzeptanz wäre sicherlich ohne die Pandemie nicht so schnell so groß geworden.

Was erscheint Ihnen für das neue Jahr als besonders wichtig?

Dirks: Erst einmal müssen wir durchhalten. Die zweite Welle trifft uns härter als die erste. Landesweit sind die Zahlen nach wie vor besorgniserregend. Wir müssen dringend wieder auf ein beherrschbares Niveau zurück. Leider gibt es derzeit keine andere Möglichkeit, als in Schulen auf Distanzunterricht zu setzen und auch die Betreuung in den Kitas auf ein Mindestmaß zu begrenzen. Auch wenn digitaler Unterricht in Billerbeck sehr gut möglich ist: Schule ist mehr als Wissensvermittlung, sie ist ein Begegnungs- und Sozialraum. Und unsere Kitas brauchen nicht nur die Eltern als Betreuungsform. Sie spielen heute für das Aufwachsen unserer Kinder eine große Rolle. Daher müssen wir alle gemeinsam jetzt die Kontakte weiter einschränken, damit unsere Kinder ihr gewohntes Leben schnellstmöglich wieder zurückbekommen. Dann hoffe ich, dass der Neustart bei uns im Einzelhandel, in der Gastronomie und in den anderen geschlossenen Sparten gelingt. Der Rat hat ja erneut die Unterstützung des Gutscheinsystems beschlossen, um Impulse zu geben. Wir müssen auch dafür eintreten, dass das kulturelle Leben wieder zügig anläuft. Kulturelle Veranstaltungen prägen unsere Stadt und sind für alle wichtig, für die, die sie veranstalten und für die, die sie erleben. Dasselbe gilt natürlich für den Sport. Auch wenn man alleine auch Sport treiben kann, ist es doch zumeist das Team, das uns anspornt, in Bewegung zu bleiben.

Mit Beginn der Impfungen wird die Hoffnung nach einem normalen Alltag noch größer. Was machen Sie als erstes, wenn die Pandemie vorbei ist?

Dirks: Feiern und singen! Gemeinsam mit Propst Serries und Pfarrer Ring haben wir uns überlegt, dann ein Fest der Begegnung zu feiern. Im Dom, rund um den Dom. Mit Vereinen und Verbänden, mit den Chören, die nicht singen durften, mit den älteren Menschen, denen wir keine Angebote machen konnten und mit all den Menschen, die sich ehrenamtlich engagiert haben.

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