Handel und Gastronomie rechnen mit Verlängerung des Corona-Lockdowns
Geschäfte zwischen Tür und Angel

Billerbeck. Natürlich werden sie am heutigen Mittwoch gespannt nach Berlin schauen, ob und wie es weitergeht mit dem Corona-Lockdown. Wer nicht? Wird es Lockerungen geben – und wenn ja welche? Groß ist der Optimismus in der hiesigen Geschäftswelt allerdings nicht. Meinrad Bruns vom gleichnamigen Modehaus: „Die werden uns wohl noch mal 14 Tage draufschlagen.“ Sogar bis Ostern könne es womöglich noch dauern, ist teilweise hinter vorgehaltener Hand zu hören.

Mittwoch, 10.02.2021, 08:04 Uhr
Bestell- und Abholservice: Die Gastronomiebetriebe, wie hier die Domschenke Groll, bieten während des Lockdowns To-Go-Speisen an. Foto: Uwe Goerlich

Bei Bruns geht der Verkauf derweil weiter. Wenn man so will zwischen Tür und Angel. Ein Teil der Winterware muss noch raus. Denn die Frühlingssortimente kommen bereits in den nächsten Tagen, so Bruns. Klar, das Geschäft lief wegen des Lockdowns spürbar schlechter als sonst. Aber immerhin werde doch einiges an vorbestellter Ware an der Eingangstür verkauft. „Zwei bis drei Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stehen dafür bereit, zehn sind in Kurzarbeit.“

Ihre Goldschmiede-Geschäfte wickeln Lothar Rick (Unikat) und Gabriele Gote nun ebenfalls an der Tür ab. Auch bei ihnen gibt es Beratung am Telefon, Verkauf im Eingangsbereich. Dabei sind beide durchaus noch recht zufrieden mit ihren Umsätzen. Wenn man schon nicht verreisen und ausgehen kann, macht man es sich offenbar wenigstens so schön. Motto: Man gönnt sich ja sonst nichts. Also wird gerne was Schickes gegen den Corona-Blues gekauft oder verschenkt. Allerdings mache die Situation allmählich schon „mürbe und müde“, weiß Gote.

In der Gastronomie der Domstadt geht es teilweise ebenfalls irgendwie weiter. Wenn man sich schon nicht reinsetzen kann, nutzen einige den Abholservice für Leckereien. Auch wenn man damit „so gut wie nichts verdient“ (Guido Mertens), verlieren die Gastronomen immerhin nicht den Kontakt zur Stammkundschaft. „Wir freuen uns über jeden Umsatz“, so Frank Groll (Domschenke). Er hat von seinen rund 30 Mitarbeitern fast alle in Kurzarbeit geschickt, bei Mertens warten fünf darauf, nach der Kurzarbeit wieder einsteigen zu können. Das Überleben der Restaurants sicherten vor allem der Griff in Rücklagen oder Kredite. Und es flossen – wenn auch schleppend, wie zu hören ist – Finanzhilfen von Vater Staat. Doch zu euphorisch ist man diesbezüglich nicht. „Wer weiß, was wir davon alles wieder zurückzahlen müssen“, war zu hören.

Froh sind die Geschäftsleute auf jeden Fall, ihren festen Mitarbeiterstamm dank Kurzarbeitergeld bei der Stange zu halten, egal ob Bekleidungsladen oder Restaurant. So kann man mit dem erfahrenen Personal wieder durchstarten, wenn endlich grünes Licht vom Land kommt. So schauen heute alle gebannt auf die Entscheidungen nach der Beratung der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin. Eine baldige Teilöffnung mit Auflagen, das wäre doch schon was. Immerhin hat man viel getan, um die Hygienekonzepte umzusetzen. Daher wäre Mertens auch für Lockerungen, wenn die Inzidenzwerte es – wie hier im Kreis Coesfeld – hergeben würden. Groll sieht allerdings die Gefahr, „dass dann alle herkommen und die Ansteckungszahlen wieder nach oben gehen.“ Ein weiterer Lockdown müsse aber auf jeden Fall vermieden werden. Mertens rechnet damit, „dass erst ab März alles wieder offen ist“. Im Hotel- und Gaststättenverband gibt es immerhin die Hoffnung, dass die Einschränkungen spätestens Anfang der Osterferien gelockert werden, damit Reisen und (zumindest Außen-) Gastronomie wieder möglich werden. Denn wie heißt es doch so schön: Das Leben muss ja weitergehen.

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