Coesfeld
Freispruch für Unfallfahrer

Coesfeld/Darup. Eigentlich wollen die beiden jungen Männer aus Coesfeld an diesem Nachmittag im Juni 2018 über die Bundesstraße 525 nach Nottuln fahren, um bei einem Bekannten Autoteile abzuholen. Im Bereich der Ortsumgehung Darup, an der Kreuzung mit der Roruper Straße, die in den Ortskern führt, passiert es: Das Auto kommt von der Fahrbahn ab und rast mit überhöhter Geschwindigkeit gegen den Ampelmast des Gegenverkehrs. Der – nicht angeschnallte – Beifahrer erleidet tödliche Verletzungen, der Fahrer wird schwer verletzt. Gestern muss sich der 25-Jährige vor dem Amtsgericht Coesfeld verantworten. Ihm wird vorgeworfen, durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht zu haben. 90 Minuten dauert die Verhandlung, dann wird der Angeklagte freigesprochen.

Dienstag, 16.07.2019, 11:00 Uhr
Foto: az

„Zum Unfallzeitpunkt war ich nicht bei vollem Bewusstsein“, wiederholt er in seiner Vernehmung, was er schon kurz nach dem Unfall zu Protokoll gegeben hat. Dass er weit vor der Kreuzung – noch in der 100 km/h-Zone und lange bevor Tempo 70 gilt – gefahren sei, das wisse er noch. „Ich erinnere mich dann erst wieder daran, dass jemand an der Autotür stand und mich herausziehen wollte“, sagt er aus.

Mit weit über 100 km/h ist das Auto gegen den Ampelmasten geknallt, berichtet ein Experte der Polizei. Wie die umfangreichen technischen Untersuchungen ergeben hätten, gebe es weder Bremsspuren, noch Hinweise darauf, dass der Fahrer gegen gelenkt habe, als er merkte, dass das Auto von der Fahrbahn abkam. „Es sieht aus, als wäre er ohne jede Reaktion rausgefahren“, so der Fachmann.

Das passt zu dem, was andere Zeugen aussagen. Eine Frau, die im Auto an der Kreuzung bei Rot warten muss, traut ihren Augen nicht: „Da kommt aus heiterem Himmel und ungebremst ein Auto vorbeigebraust und prallt vor die Ampel“, berichtet sie. Ein anderer Zeuge gibt an, das Auto sei „wie auf Gleisen gerade durchgefahren.“

Ob es möglich ist, dass jemand auf diese Weise das Bewusstsein verliert, fragt die Richterin den Gutachter, einen Mediziner der Uniklinik Münster, zumal der junge Mann weder vorher noch nachher einen Kollaps dieser Art, eine so genannte Synkope, erlitten habe. „Das einmalige Auftreten einer Synkope ist selten, aber es kommt vor und ich kann es nicht ausschließen“, so der Mediziner. Im Nachhinein nachzuweisen sei ein derartiger Kollaps nicht. Sekundenschlaf schließt der Gutachter aus. „Dann hätte der Angeklagte noch Zeit gehabt durch Bremsen und Lenken zu reagieren.“

„Dass Sie aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit für den Tod ihres Bekannten verantwortlich sind, lässt sich nicht halten“, fasst der Staatsanwalt in seinem Plädoyer zusammen. Die Aussagen der Zeugen, dass das Auto einfach geradeaus weiter gerast sei, passe zur Annahme eines Kollapses. Er beantragt Freispruch.

Dem folgt die Richterin. Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung sei nicht nachzuweisen, ein Kollaps nicht auszuschließen, wenn auch nicht nachweisbar. Der Unfallverlauf spreche aber dafür, dass der Mann nicht bei Bewusstsein gewesen sei.

Dass der Beifahrer nicht angeschnallt war, könne man dem Fahrer nicht vorwerfen. Ob er ihn nicht aufgefordert habe, oder der Beifahrer ohne Gurt fahren wollte, konnte nicht geklärt werden.

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