Coesfeld
Über 100 Mitarbeiter ziehen vor Gericht

Coesfeld. Die Sozialplanverhandlungen sind gescheitert. „Das ist noch einmal ein Schlag ins Gesicht der langjährigen Mitarbeiter der beiden Halco-Werke in Coesfeld und Stadtlohn“, findet Tanja Goritschan, Erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall Münster, die die Arbeitnehmer unterstützt, klare Worte. „Die Einigungsstelle hat durch den Spruch des Vorsitzenden Lothar Jordan beschlossen, dass aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Firma Halco der Sozialplan keine Leistungen für die Mitarbeiter vorsieht“, erklärt sie und macht deutlich: „Einen solchen Sozialplan ,Null’ hat es hier in der Region noch nie gegeben.“

Samstag, 05.10.2019, 10:48 Uhr

Zur Erinnerung: Ende 2018 hatte die Hüls-Unternehmensgruppe verkündet, dass die beiden Halco-Werke, die Möbel und Möbelteile fertigten, in Coesfeld und Stadtlohn zu Mitte 2019 geschlossen werden sollen. Rund 200 Mitarbeiter verloren damit ihre Jobs. Mehrere Verhandlungsrunden hinsichtlich verschiedener Sozialplanabfindungen folgten, scheiterten aber. Eine Einigungsstelle unter Leitung eines neutralen externen Vorsitzenden sollte die noch ungeklärten Fragen zur Zukunft der Mitarbeiter klären. Mit dem aktuellen Ergebnis: Es gibt nichts.

Von Seiten des Betriebsrates laufen jetzt Anfechtungsverfahren gegen die Entscheidung der Einigungsstelle. Es soll die Frage geklärt werden, ob es überhaupt rechtens sei, dass der Vorsitzende eine Sozialplanleistung „Null“ entscheiden könne. „Das ist politisch wirklich eine Katastrophe“, so Tanja Goritschan. „Und es stellt sich ja auch die Frage, dass wenn die Firma gar kein Geld mehr hat, die Entscheidung zur Werksschließung nicht auch verschleppt wurde.“ Zumal alle Gespräche, die vorher zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite geführt wurden, dann gar keinen Sinn gemacht hätten, zeigt sie sich enttäuscht.

Zudem klagen jetzt rund 100 Mitarbeiter vor dem Arbeitsgericht in Bocholt gegen das Unternehmen – sowohl im Bereich Kündigungsschutz als auch im Bereich Zahlungsklage, wie Miriam Wanko, Richterin am Arbeitsgericht, auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. „Bei den Zahlungsklagen geht es um die Frage, ob noch Zahlungsansprüche der Kläger aus einem individuellen Tarifvertrag bestehen“, erläutert sie. „Die Kündigungsschutzklagen beziehen sich auf Kündigungen im Zuge der Betriebsstilllegung. Die Kläger berufen sich im Wesentlichen darauf, dass ihrer Ansicht nach Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten im Konzern geprüft werden müssten.“ Außerdem werde thematisiert, ob alle formellen Voraussetzungen im Rahmen einer Massenentlassung durch die Beklagte, also die Hüls-Unternehmensgruppe, eingehalten wurden.

Nach dem Spruch der Einigungsstelle, so Tanja Goritschan, sei das Gericht nun an der Reihe, die Sachlage zu prüfen. „Einige der Angestellten sind bei der Firma Hupfer in Coesfeld, die ebenfalls im Gewerbegebiet Otterkamp angesiedelt ist, untergekommen. Andere sind immer noch auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung“, berichtet sie von der aktuellen Lage, und: „Wir werden mit den Mitarbeitern auf jeden Fall in Kontakt bleiben.“

Die Hüls-Unternehmensgruppe selbst äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zu dem Thema.

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