Coesfeld
Friedhöfe sind Wandel unterworfen

Coesfeld. Größere Flächen vor allem auf dem Lamberti- und Jakobi-Friedhof liegen brach. Beide Friedhöfe sind in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Lamberti. Alte Gräber sind dort aufgegeben worden.

Freitag, 01.11.2019, 11:16 Uhr
Urnengräber finden sich immer öfter auf dem Lamberti-Friedhof. Foto: az

Manche Angehörige haben die Nutzungszeiten für die Familiengruften nicht verlängern lassen. Manchmal sind es Kostengründe, manchmal fehlt aber auch jemand, der sich dauerhaft um die Grabstelle kümmert. Diese Beobachtungen hat auch Andreas Vennebörger, Leiter des Referats Liegenschaften, Investitionen und Friedhöfe bei der zuständigen katholischen Zentralrendantur, gemacht.

Die Bestattungskultur habe sich ohnehin in der Vergangenheit maßgeblich verändert, so Vennebörger. Mittlerweile gebe es in Coesfeld 30 bis 40 Prozent Urnenbestattungen. Bundesweit liege diese Quote sogar bei mehr als 50 Prozent, so Vennebörger. Die Tendenz, sich nicht mehr für eine klassische Sargbestattung zu entscheiden, sei deutlich erkennbar. Eine Urnenbestattung kostet in St. Lamberti 650 Euro bei eigener Pflege und 1500 Euro als Rasengrab ohne eigenen Pflegeanteil, wohingegen für eine Sargbestattung im Einzelgrab 800 Euro bei eigner Pflege und 2000 Euro als Rasengrab fällig werden.

Ein „nicht unerheblicher Anteil“ entscheide sich für eine Urnenbestattung im Ruheforst in Coesfeld. Das habe zur Folge, dass die Bestattungszahlen auf den katholischen Friedhöfen entgegen dem Landes- und Bundestrend stagnieren würden.

„Es gibt dort aktuell keinen zusätzlichen Bedarf“, blickt Andreas Vennebörger auf die drei Friedhöfe von St. Lamberti – den Lamberti-Friedhof, den Jakobi-Friedhof und den Friedhof „An der Marienburg“ – sowie auf die beiden Friedhöfe der Gemeinde Anna Katharina – St. Joseph in Stevede und Herz-Jesu in Goxel.

Ständig erweitert worden seien die Arten der Grabstätten. So könne man auf den Friedhöfen von Anna Katharina zwischen einem Wahlgrab, stillen Grab als Reihengrab oder einem gärtnerisch gestalteten Grab wählen. Auf den drei Friedhöfen von St. Lamberti gebe es auch Urnen-Reihengräber sowie Grabfelder für stille Erd- und Urnenbeisetzungen. Mit Urnengräbern im Wandelgarten oder im bewaldeten Bereich hat der Träger des Friedhofs bereits auf veränderte Bedürfnisse in der Bestattungskultur reagiert.

In Zusammenarbeit mit dem „Bunten Kreis Münsterland“ ist auf dem Friedhof „An der Marienburg“ ein Gräberfeld für totgeborene Kinder (bis zu einem Gewicht von 500 Gramm) angelegt worden, das kostenfrei für die Bestattung der sogenannten Sternenkinder zur Verfügung gestellt wird.

Andreas Vennebörger erläutert, dass es nach wie vor vielen wichtig sei, „in heimischer Erde“ bestattet zu werden. Auch die Erinnerungskultur sei ein wichtiger Aspekt. „Anonyme Bestattungen wird es auf katholischen Friedhöfen nicht geben“, macht der Referatsleiter der Zentralrendantur deutlich.

Vorteile der Friedhöfe würden laut Vennebörger auch in der vorhandenen Infrastruktur liegen, wie zum Beispiel befestigten Wegen, zum Teil WC-Anlagen, die den Angehörigen jederzeit, vom Wetter unabhängig, die Möglichkeit bietet, die Grabstätte des Verstorbenen zu besuchen.

Man stehe aktuell vor neuen Herausforderungen, die brachliegenden Flächen auf den Friedhöfen neu zu nutzen. Schließlich müsse das Umfeld in seiner Gesamtheit gepflegt bleiben. Aber dem ständig steigenden Pflegeaufwand durch aufgegebene Grabstellen würden stagnierende, teilweise schon zurückgehende Einnahmen gegenüberstehen.

Eine Kostendeckung sei heute schon nicht mehr zu erreichen. Vor diesem Hintergrund würden Überlegungen angestellt, wie das Angebot an Grabstätten in Zukunft noch attraktiver gestaltet werden könne. „Wir müssen uns neue Bestattungsformen überlegen“, macht Vennebörger deutlich. Die Auswirkungen der sich völlig wandelnden Bestattungskultur und des Vorhandensein des „Mitbewerbers“ Ruheforst würden aber deutlich auf den katholischen Friedhöfen sichtbar bleiben.

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