Coesfeld
Kleinere Wohnungen erforderlich

Coesfeld (mr). Aktuell wohnen in Coesfeld etwa 2400 Bürger, die älter als 80 Jahre sind. Die Zahl der Senioren werde in den kommenden Jahren dramatisch steigen. Und nicht nur die älter werdende Bevölkerung stelle die Stadtverwaltung und Politik in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen.

Sonntag, 03.11.2019, 16:10 Uhr
Der Bau eines Einfamilienhauses ist in Coesfeld nach wie vor beliebt. Allerdings sind laut Pestel-Studie demnächst auch mehr kleinere Wohnungen oder andere Wohnformen für eine ständig älter werdende Bevölkerung nötig. Foto: Archiv

Das machte Diplom-Ökonom Matthias Günther vom Pestel-Institut in Hannover in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planen und Bauen deutlich. Der Fachmann stellte die Ergebnisse der Pestel-Studie für Coesfeld vor. Das ISP Eduard Pestel Institut für Systemforschung in Hannover beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen über den Wohnungsmarkt in Deutschland und hat 2018 öffentlichkeitswirksam das Fehlen von Wohnraum vorrangig in den Ballungsräumen, aber auch im Münsterland aufgezeigt. Die Studie wird unterstützt durch die WohnBau Westmünsterland eG und die Sparkasse Westmünsterland.

Für die Einwohner, die immer älter werden – in 2035 sollen es bereits mehr als 6000 in Coesfeld sein – benötige auch die Kreisstadt kleinere barrierefreie Wohnungen, machte Günther deutlich. Gleichzeitig müsse dieses Bevölkerungsgruppe auch eine kompetente Beratung zuteil werden. Dabei könnten Fragen geklärt werden, wie das Wohnhaus, in dem vormals die komplette Familie gelebt habe, neu genutzt, umgebaut und gegebenenfalls in mehrere Wohneinheiten unterteilt werden könne.

Die Wohnfläche sei im Laufe der vergangenen Jahre mit aktuell 50 Quadratmetern pro Person sprunghaft angestiegen. Früher habe dieser Wert 30 Quadratmeter betragen.

Für die Entwicklung der Bevölkerung in Coesfeld stellte Günther verschiedene denkbare Szenarien vor. Coesfeld weise eine gewisse Dynamik auf, nicht zuletzt deshalb, weil die Stadt ein attraktiver Arbeitsplatzstandort sei. Vor allem Zuwanderer aus Osteuropa seien in den Jahren 2010 bis 2016 im Zuge der Arbeitsmigration nach Coesfeld gekommen.

Die Zahl der Beschäftigten in Coesfeld sei mit 18 000 Erwerbstätigen sehr gut. Die Nahwanderung aus den Nachbarkommunen sei ein wichtiger Indikator für diese Einschätzung. „Ausbildungsabwanderung lässt sich allerdings nicht verhindern“, sagte Günther.

Eine Zuwanderung sei in der Zukunft dringend notwendig, wenn die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin so positiv verlaufe, erläuterte der Fachmann. „Der Kampf um Einwohner wird sich noch verschärfen“, mahnte er. Er empfahl der Stadt, bezahlbare Grundstücke zur Verfügung zu stellen und langfristige Bodenpolitik zu betreiben.

Die Erschließung des Baulandes sollte nicht dazu dienen, dass der Stadtkämmerer dabei Erlöse verbuchen könne. Manchmal gehe es bei der Erschließung eines neues Baugebietes später auch darum, dass die Stadt Tauschflächen zur Verfügung stellen könne. Der Bau von Einfamilienhäusern sei auch in Coesfeld noch extrem attraktiv, weil die Baulandpreise noch nicht so in dem Maße gestiegen seien wie die Mieten.

Aktuell liege der Leerstand von Wohnungen in Coesfeld bei 1,5 Prozent. „Eine höhere Quote wäre wünschenswert“, sagte Günther. Wenn die Quote bei drei Prozent liegen würde, würde das die Suche nach einer neuen Wohnung für die Bevölkerung erheblich erleichtern.

Ab dem Jahre 2025 würde der Bedarf an Wohnungen gedämpft sein, prognostizierte Matthias Günther. Für 3000 armutsgefährdete Einwohner müsste in Zukunft bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Ende 2017 habe es 847 Sozialwohnungen gegeben. Knapp sechs Prozent der Bevölkerung beziehen Mindestsicherung, im Land liege die Quote mit elf Prozent wesentlich höher.

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