Coesfeld
Spiel mit vier Quadraten

Coesfeld. Alles begann wie so oft bei Udo Mathee mit einer Spielerei. Vier Quadrate. Hin und her, kreuz und quer unter- und übereinander geschoben, bis daraus etwas entstand, das bei dem Künstler die Lust auf mehr weckte. Ein T, bestehend aus drei Quadraten im Querbalken und einem Quadrat als Fuß. Ein T. „Die einen sahen darin ein ausgebreitetes Priestergewand, für mich war es eher ein Kreuz“, erzählt der Coesfelder Künstler, der an dieser Form weiterarbeitete, durch den Einsatz unterschiedlicher Materialien und Farben die Symmetrie aufbrach und nach einem neuen, spannenden Gleichgewicht suchte. So entstand das Wandkreuz „...auf Hoffnung hin“.

Sonntag, 10.11.2019, 16:34 Uhr
Udo Mathee (r.) und Thorsten Kestermann gestalteten das Wandkreuz „...auf Hoffnung hin“ für einen Verabschiedungsraum auf dem Zentralfriedhof in Münster. Foto: Christine Tibroni

Das war vor über 20 Jahren. Eine weitere etwas kleine Serie folgte 2002. Und als es Anfang dieses Jahres darum ging, ein Kreuz für einen Verabschiedungsraum auf Münsters Zentralfriedhof zu finden, da erinnert sich ein Geistlicher an die Arbeiten von Mathee. „Kurze Zeit später wurde der Zeiger auf mich gesetzt“, berichtet der freischaffende Künstler und Journalist. Er machte sich ans Werk und holte sich mit Steinmetz und Steinbildhauer Thorsten Kestermann einen Partner ins Boot. Gemeinsam haben sie ein Wandkreuz gestaltet, das im Vergleich zum Prototypen mit hochwertigerem Material erstellt wurde und deutlich größer ist (1 Meter mal 0,75 Meter). Die Botschaft indes unterscheidet sich nicht von der des älteren Bruders: Es gibt die dunklen, schweren, kantigen Seiten im Leben – dargestellt durch vier Zentimeter dicken brasilianischen Schiefer auf der einen Seite – und es gibt das leichte, lichte, glänzende – symbolisiert durch ein fast körperloses, vergoldetes Stahlband. „Je nach Lichtverhältnissen kann es vorkommen, dass der Betrachter nur die dunkle Seite sieht“, so Mathee, „aber das andere ist dennoch immer da. Es ist gleichstark. Und nur beide Elemente bilden zusammen das vollständige Kreuz.“ Das gibt Hoffnung, spendet Trost. Schon bald auch jenen Menschen, die in dem kleinen Verabschiedungsraum auf dem Zentralfriedhof um einen Verstorbenen trauern und in diesem Moment vielleicht auch in erster Linie das Dunkle sehen. In der kommenden Woche werden Mathee und Kestermann das rund 40 Kilogramm schwere Wandkreuz vor Ort montieren.

Wobei viele Menschen bei dem Gedanken an ein Kreuz ein anderes Bild vor Augen haben. Fehlt da nicht was? Udo Mathee lacht. „Ich bin kein Experte für Kreuze. Aber das T-förmige Kreuz, auch Taukreuz genannt, ist ein sehr altes Zeichen, das beispielsweise zum Symbol des Franziskanerordens wurde.“

Mathee lobt die gute Zusammenarbeit mit der Firma Kestermann. „Mit Steinen kenne ich mich nicht aus, also brauchte ich Hilfe und habe sie bei Thorsten Kestermann gefunden.“ Längst nicht jedes Unternehmen würde sich so offen für Spezialaufträge des Künstlers zeigen.

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