Werkgetreue Osnabrücker Inszenierung von „Eine Nacht in Venedig“ überzeugt im Konzert Theater
Schwelgen im Farbenrausch

Coesfeld. Venezianischer Karneval, eine Zeit wo Tollheit und Lust regieren, wo jeder hinter Masken seine wahre Identität verbergen kann, sodass nicht einmal mehr die Standesgrenzen gelten – eine ideale Voraussetzung für ein irrwitziges Verwirrspiel rund um Liebe und Eifersucht. Was da so alles passieren kann, hat Johann Strauss in seiner Operette „Eine Nacht in Venedig“ in walzerselige Melodien gepackt.

Samstag, 08.02.2020, 16:24 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 14:44 Uhr
Ein besonderes Plus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ sind die fantasievollen Rokokokostüme, ein Farbenrausch für die Augen. Foto: Ursula Hoffmann

Zum Karneval kündigt sich Herzog Guido von Urbino, dessen Ruf als gerissener Verführer in aller Munde ist, in der Lagunenstadt an. Weil er seine Gattin Barbara als Opfer vermutet, will Senator Delaqua sie in Sicherheit bringen. Barbara hingegen plant ein geheimes Stelldichein mit ihrem Geliebten. Da noch etliche andere in diesem bunten Reigen ihre eigenen Intrigen spinnen, ist die Verwirrung perfekt.

Das Theater Osnabrück sorgt mit dieser Operette für ein volles Haus im Konzert Theater und erweist sich wieder einmal als Garant für gute Unterhaltung. Regisseur Marcel Keller belässt die Handlung im Venedig des 18. Jahrhunderts, was Kostümbildnerin Erika Landertinger die Möglichkeit gibt, das Personal in einem verschwenderischen Farbenrausch in fantasievolle Rokoko-Kostüme zu kleiden. Immer wieder wandern die Blicke über die Bühne, wo ständig aus allen Ecken neue, köstlich ausstaffierte Gestalten auftauchen. Opulente Kleider, verrückte Perücken, neckische Hüte – man kann sich kaum satt sehen. Zu diesem Augenschmaus lässt Dirigent Sierd Quarré die Musik ebenso farbenfroh aus dem Orchestergraben klingen, sodass das Publikum beständig leise im Walzertakt mitschwingt. Das spielfreudige Ensemble schmeißt sich mit hohem Tempo in dieses Spiel um falsche Identitäten.

Dabei punkten natürlich vor allem die nichtadligen Figuren, die fröhlich ihre Herrschaften vorführen. Jan Friedrich Eggers spielt als Makkaronikoch Pappacoda sein komödiantisches Talent voll aus. Gemeinsam mit Caramello, dem Barbier des Herzogs, den Boris Leisenheimer an Stelle von Mark Hamman recht ordentlich verkörpert, schmiedet er seine eigenen Pläne. Gesanglich und darstellerisch überzeugt vor allem Susann Vent-Wunderlich als Fischverkäuferin Annina, die nicht mit ihren weiblichen Reizen geizt, dabei aber genau weiß, wie sie die Männer in Schach hält. Auch Pappacodas Liebste Ciboletta (Erika Simons) setzt ihre Reize für ihre Zwecke ein.

Mit köstlicher Ironie dargestellt sind die drei korrupten Senatoren, allen voran Delaqua (Silvio Heil), ein dürres Männchen, das krächzt wie eine heisere Krähe. Kein Wunder, dass seine Barbara sich mit einem feschen Offizier tröstet. Am Ende der verrückten Nacht findet natürlich unter dem Applaus des Publikums jeder Pott seinen Deckel.

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