Junge Tierschutzaktivistin führt grüne Liste für die Stadtratswahl an
Verdopplung der Mandate im Visier

Coesfeld. Die Coesfelder Grünen peilen offensichtlich eine Verdopplung der Mandate (zurzeit vier) bei der Stadtratswahl am 13. September an. Bei der Kandidatenaufstellung im Gasthaus Keull war am Mittwochabend sogar Platz 8 noch heiß umkämpft – drei Mitglieder wollten ihn haben. Erst danach wurden die übrigen zwölf Listenplätze en bloc vergeben. „Wir wollen zweitstärkste politische Kraft in Coesfeld werden“, hatte zuvor Ortsverbandsvorsitzender Norbert Vogelpohl das Ziel vorgegeben – und unter Beifall gleich hinterher geschoben: „nach unserer Bürgermeisterin Eliza Diekmann“. Politische Kraft, führte er aus, die mache er aber auch nicht an der Größe der zukünftigen Fraktion fest: „Wir geben den Takt und die Themen vor.“

Freitag, 21.02.2020, 06:32 Uhr
Grünen-Ortsverbandsvorsitzender Norbert Vogelpohl (r.) sieht seine Partei mit dieser Mannschaft künftig als „zweitstärkste Kraft“ im Rat: v. l. Sarah Albertz, Erich Prinz, Christoph Wolfers, Ludger Kämmerling, Benedikt Öhmann, Barbara Sieverding, Cristine Bendix und Beate Balzer. Foto: Detlef Scherle

Gelingen soll der Wahlerfolg mit deutlich mehr Frauen auf der Liste – die Hälfte sind weiblich – und durch Verjüngung – zwei der vorderen Plätze sind mit Unter-40-Jährigen besetzt: Beides trifft auf Spitzenkandidatin Sarah Albertz (36) zu. Die Lehrerin und Tierschutzaktivistin (u. a. Peta, Vier Pfoten) kündigte an, dass sie beim Projekt „Grimpinger Hof“ vor allem auch Tierschutz einfordern wolle. Und: „Ich will Westfleisch die Erweiterung so schwer wie möglich machen.“ Mehr Fleisch werde „weder regional noch lokal“ gebraucht, unterstrich die Veganerin. Für Coesfeld wünscht sie sich die Benennung eines unabhängigen Tierschutzbeauftragten. Sie wurde – wie alle Listenkandidaten – einstimmig gewählt.

„Ich bin Erich und ihr kennt mich!“ Auf Platz zwei setzten die Grünen mit dem derzeitigen Fraktionsvorsitzenden Erich Prinz (66) einen alten Fahrensmann, der sich in seiner Vorstellungsrede moderat gab: „Wir sollten nicht übermütig werden.“ Sein Ding ist eher der lange Atem, den es zur Bewältigung der Probleme braucht: So hätten die Grünen auch in Coesfeld das Thema Umwelt- und Klimaschutz schon im Fokus gehabt, bevor die junge Frau in Schweden geboren wurde: „Da brauchen wir uns nicht zu verstecken.“

Prinz warnte seine Parteifreunde aber davor, im Kommunalwahlkampf einseitig nur auf Klima und Umwelt zu setzen: Wichtig seien auch eine attraktive Innenstadt, Bauen und Wohnen, Kultur und Sport – sowie nicht zuletzt die Stärkung des Bildungsstandorts. Prinz kündigte an, dass er auch wieder Fraktionsvorsitzender werden wolle: „Es brennt in mir noch. Ich hab noch Lust.“ Er hoffe, dass die Grünen so stark zulegen, dass sie in den Ausschüssen jeweils mindestens zwei Mitglieder stellen können.

Auf Platz drei wurde – ebenfalls noch ohne Gegenkandidatin – die frühere Greenpeace-Aktivistin Barbara Sieverding (50) gewählt. Ab Platz vier ging es dann aber los mit den Kampfkandidaturen. Ludger Kämmerling (61) setzte sich mit 10 zu 8 Stimmen knapp gegen Benedikt Öhmann durch. Der Sohn von Bürgermeister Heinz Öhmann (CDU), der über die „Parents for Future“ zur Politik kam, wurde dann auf Platz 6 gewählt.

Das nächste Duell um Platz 5 (Cristine Bendix gegen Beate Balzer) entschied die Erstgenannte mit 11 zu 7 für sich. Balzer galt dann für Platz 7 als gesetzt. Platz 8 sicherte sich Christoph Wolfers in einem spannenden Dreikampf gegen Josef Flögel und Angela Coulibaly. Im ersten Wahlgang lag er mit Flögel noch gleichauf (je 7 Stimmen, Coulibaly 4) – im zweiten hatte er dann mit 10 zu 8 knapp die Nase vorn.

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