„Birds – Vögel in der Barockmusik“ begeistert im Konzert Theater
Mit Stimmen den Frühling gelockt

Coesfeld. Es schwirrten Vogelstimmen durch den Saal des Konzert Theaters. Es piepte, tirilierte und trällerte nur so, dass den Besuchern im allerdings nur halb gefüllten Saal fast schwindelig wurde. Jedoch waren es keine Vogelschwärme, die sich mit ihrem Liebesgesang im Frühling verirrt hatten. Es waren menschliche und musikalische Stimmen, die den Saal füllten.

Dienstag, 03.03.2020, 10:42 Uhr
Genießen den Applaus zu ihrer Vorstellung im Konzert Theater: (v.l.) Dorothee Mields (Sopran), Wiebke Weidanz (Cembalo), Stefan Temmingh (Blockflöte), Domen Marincic (Viola da Gamba), Johanna Seitz (Barockharfe) und Michael Dücker (Laute). Foto: Elvira Meisel-Kemper

„Birds – Vögel in der Barockmusik“ hatte Stefan Temmingh (Blockflöten/Leitung) sein Konzert genannt, das er mit Dorothee Mields (Sopran) und seinem Ensemble „The Gentleman’s Band“ konzipiert hatte. Unter den vier Musikern traten mit Johanna Seitz (Barockharfe) und Wiebke Weidanz (Cembalo) zwei Frauen neben ebenso virtuosen Männern auf. Domen Marincic (Viola da Gamba/Violoncello) und Michael Dücker (Laute) überzeugten ebenso. Temmingh zollte mit diesem Konzertthema seiner südafrikanischen Heimat besonderen Respekt, denn dort gibt es eine bunte Vogelwelt. Auch Mields liebt Vögel.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren Vogelstimmen in der Musik ein ganz wichtiges Thema. Viele Werke orientierten sich am Liebesgesang der Vögel im Frühling. Sie trugen allerdings auch eine gewisse Symbolkraft in sich. Thomas Augustine Arne schrieb 1740 das Werk „The Cuckoo“. Die Arie „As you like it“ erlebte mit dem Gesang von Mields, begleitet von der Viola da Gamba und der Laute, eine ganz neue Auferstehung. Gerade in diesem Werk kam die wandelbare Stimme von Mields so richtig zur Geltung. Mal klangvoll, mal poetisch lyrisch, mal witzig oder einfach nur schön. Dabei galt der Kuckuck in der Barockzeit als das Symbol für die Untreue. Der Dialog zwischen Mields und der Laute von Dücker war ein tragendes und virtuos interpretiertes Hauptelement am Ende der Arie. Danach hatte man tatsächlich das Gefühl, im Saal würde ein richtiger Kuckuck seine Liebeslaute loslassen. Schon in der Barockzeit gehörten die Flöte und die Sopranstimme zu den musikalischen Leitstimmen, um Vogelstimmen zum Klingen zu bringen.

Jacob van Eyck schrieb im 17. Jahrhundert das Stück „Engels Nachtegaeltje“ für Blockflöte solo. Das war genau das Stück, in dem Temmingh als Solist so richtig auflebte. Amüsant war auch das Stück „Du angenehme Nachtigall“ von Reinhard Keiser von 1722 für Sopran, zwei Blockflöten, Harfe und Violoncello. Weidanz übernahm den Part der zweiten Blockflöte, die aus dem Hintergrund das Echo von Temminghs Spiel war. Die Nachtigall stand im Barock für die Reinheit der Liebe.

Werke von Antonio Vivaldi, das Cembalo-Solo von Weidanz des Italieners Alessandro Poglietti „Imitatione del medisimo uccello“ von 1677, von Georg Friedrich Händel und vielen anderen Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts begeisterten und weckten vor allem die Vorfreude auf den Frühling und seine intensiven Vogelstimmen. Ohne Zugabe kamen die sechs Musiker nicht von der Bühne.

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