Apotheken in Coesfeld stellen jetzt auch Desinfektionsmittel selber her
„Wir müssen Solidarität zeigen“

Coesfeld. Glaszylinder in verschiedenen Größen und Formen, diverse Messgeräte zur regelmäßigen Kontrolle, eine Waage und klare Flüssigkeiten, die zusammengemixt werden: Was für den Laien nach alltäglichem Geschehen hinter den Kulissen der Adler-Apotheke aussieht, stellt sich für einen Experten schon ganz anders dar. Denn: Hier entsteht ein eigens hergestelltes Desinfektionsmittel.

Dienstag, 31.03.2020, 10:46 Uhr
Jana Möllers, Mitarbeiterin der Adler-Apotheke, stellt in diesen Tagen wie viele andere Apotheken in Coesfeld auch, Desinfektionsmittel selber her. Dank einer neuen bundesweiten Verordnung können und sollen sie das jetzt auch. Dieses Desinfektionsmittel geht hauptsächlich an die umliegenden Arztpraxen, mobilen Pflegedienste und private Patientengruppen, wie zum Beispiel Menschen mit einer Krebserkrankung. Foto: Jessica Demmer

„Eigentlich gehört das nicht zu unseren Aufgaben, bis vor Kurzem durften wir das gar nicht herstellen“, berichtet Inhaber Winfried A. Schürmann. Doch in Zeiten des Coronavirus ist vieles anders. „Anfang März gab es eine Ausnahmegenehmigung gemäß Biozidverordnung, die besagt, dass wir Apotheken nun auch Desinfektionsmittel herstellen können und sollen.“ Denn die Lage auf dem Markt ist ja bekanntlich knapp geworden. „Wir produzieren jetzt vorwiegend für die umliegenden Arztpraxen, mobilen Pflegedienste und für besondere private Patientengruppen, zum Beispiel Menschen mit einer Krebserkrankung.“

Dass es zu dieser Maßnahme kommen wird, Desinfektionsmittel selbst herzustellen, das haben die Apotheken im Stadtgebiet bereits früh geahnt, wie Winfried A. Schürmann berichtet: „Bereits im Laufe des Februars wurde Sterillium knapp, da haben wir uns schon, genau wie andere Kollegen, desinfektionswirksame Rohstoffe bestellt.“ In weiser Voraussicht, wie sich zeigte. „Wir haben am 27. Februar bestellt, am 28. Februar war der ganze Markt leergefegt. Ein halber Tag hat da einen entscheidenden Unterschied gemacht“, verdeutlicht der Apotheker die unglaublich schnelle Dynamik. „Wären wir erst mit der Biozidverordnung Anfang März tätig geworden, hätten wir keine Rohstoffe mehr bekommen.“

Schon Ende Januar habe er sich Gedanken gemacht über eine Plexiglasabtrennung im Verkaufsraum, um seine Mitarbeiter und seine Kunden vor einer Infektion zu schützen. „Genau wie in anderen Apotheken auch. Wir haben das bereits befürchtet, als die Pandemie noch ganz am Anfang stand.“ Wenngleich er diese Ausmaße nicht angenommen habe.

Nun stellt Apothekerin Jana Möllers eine weitere Fünf-Liter-Charge Desinfektionsmittel her. 400 bis 500 kleinere Flaschen hat sie bislang schon abgefüllt, schätzt sie vorsichtig. „Für größere Mengen sind unsere Waagen hier auch gar nicht ausgerichtet.“ Aus vier Komponenten besteht das Mittel: eines zur Desinfektion, eines zur Abtötung von Sporen, denn „es dient ja nicht nur zum Schutz vor dem Coronavirus“, ein Mittel zur Hauptpflege und Wasser. „Wir halten uns da an ein Rezept der Weltgesundheitsorganisation, der WHO.“

Neben der Herstellung, die verhältnismäßig schnell geht, nehmen regelmäßige Prüfvorgänge und -protokolle den Großteil der Arbeit ein, berichtet Jana Möllers. „Wir prüfen drei Mal. Zu Beginn die Rohstoffe, mittendrin unter anderem den Isopropanolgehalt und abschließend das fertige Produkt.“ Außerdem gibt es jede Menge Papierkram zu erledigen: Plausibilitätsprüfung (Ist die Kombination der Rohstoffe auch wirksam?), Risikobeurteilung (Sind die Wirkstoffe oder ist die Herstellung gefährlich?), Prüfvorschriften, Herstellungs- und Prüfprotokolle.

Noch hat die Adler-Apotheke Vorräte, um weiter Desinfektionsmittel herzustellen, so Winfried A. Schürmann. „Aber unsere Behältnisse dafür werden perspektivisch knapp.“ Die Preise fürs Desinfektionsmittel hält er weiterhin so gering wie möglich. „Wir wollen die Infrastruktur aufrecht erhalten und müssen Solidarität zeigen. Die Preise im Internet sind utopisch“, so Winfried A. Schürmann, der nicht nur die Koordination des Kreisvertrauensapothekers Dr. Stephan Barrmeyer lobt, sondern auch die hilfsbereite Zusammenarbeit der einzelnen Apotheken in diesen Zeiten.

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