Doris Eismann hält als Verkäuferin im Lebensmittelhandel den Laden am Laufen
„Ich mache einfach meine Arbeit“

Coesfeld. Doris Eismann bekommt jedes Mal eine Gänsehaut, wenn sie von den Liebenswürdigkeiten der Kunden erzählt. Worte des Dankes und der Anerkennung, kleine Präsente. Einer habe sogar einen Blumenstrauß für das ganze Team geschickt. So viel Freundlichkeit habe sie in ihrem ganzen Berufsleben noch nicht erlebt, sagt Doris Eismann. Die 54-jährige Gescheranerin ist gelernte Fleischereifachverkäuferin und arbeitet seit 15 Jahren im E-Center in Coesfeld, wo sie aktuell die Abteilung Molkerei leitet. Sie freut sich über die gesellschaftliche Anerkennung, die ihrem Beruf in der Krise zuteil wird. „Man ist nicht mehr nur die Verkäuferin XY. Man wird anders wahrgenommen, mehr wertgeschätzt“, so Eismann, die diese Veränderung nicht nur an besonderen Gesten des Dankes festmacht. Eismann: „Der Ton hat sich verändert. Früher hieß es nur: Wo haben Sie denn die Hefe? Heute sagen die Leute: Entschuldigung. Ich trau mich gar nicht zu fragen, aber gibt es wieder Hefe und wo finde ich sie?“

Freitag, 01.05.2020, 05:10 Uhr aktualisiert: 01.05.2020, 09:42 Uhr
Sie sorgt dafür, dass die Regale stets gut gefüllt sind: Doris Eismann, arbeitet als Abteilungsleiterin Molkerei im E-Center. Foto: Christine Tibroni

Als Heldin mag sie sich nicht bezeichnen. „Ein Held ist doch eine herausragende Persönlichkeit, die etwas Außergewöhnliches leistet oder geleistet hat. Ich mache einfach meine Arbeit.“ Das ist sehr bescheiden, wenn man bedenkt, dass die Arbeitsbelastung unter Corona deutlich zugenommen hat. Die Verkäuferinnen haben alle Hände voll zu tun, damit die Regale stets gut gefüllt sind, ist doch der Bedarf an Lebensmitteln deutlich gestiegen, seit viel mehr Menschen sich selbst verpflegen müssen. „Am Anfang der Krise haben wir teilweise auch spät abends und sonntags gepackt. Man funktioniert halt und wächst auch über sich hinaus“, erzählt Doris Eismann. Hinzu kommt, dass viele Sicherheitsvorkehrungen zu treffen waren und zu beachten sind. „Um Abstand zu halten, sind unsere Laufwege manchmal doppelt und dreimal so lang, entsprechend mehr Zeit muss man einplanen.“ Mal eben eine Palette Milch umpacken war gestern. „Aber irgendwie geht es doch, auch weil wir uns untereinander helfen und weil sich die Kunden rücksichts- und verständnisvoll verhalten.“

Trotz Abstand und weiterer Schutzmaßnahmen – täglich Hunderte fremde Menschen um sich zu haben, birgt ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. „Ich habe keine Angst, mich anzustecken, vielmehr habe ich Angst davor, das Virus mit nach Hause zu bringen und dort jemanden anzustecken“, sagt die Gescheranerin, die beim Reiten, bei Spaziergängen mit ihrem Hund oder in ihrem Garten Kraft tankt. Für die Zeit nach der Krise wünscht sie sich, dass die „Wertschätzung der Menschen bleibt, aber machen wir uns nichts vor, nach der Krise ist schnell wieder alles beim Alten.“ Und wie wäre es, wenn sich die Wertschätzung künftig in einer besseren Bezahlung der Verkäuferinnen und Verkäufer ausdrückt? Doris Eismann lächelt unverbindlich und sagt: „Dazu sage ich jetzt mal nichts.

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