Für Hartwig Heuermanns Fotostudio hat sich die Krise auch als Chance gezeigt
Neuer Geschäftszweig durch Videos

Coesfeld (jd). Natürlich sei nichts mehr so wie vor Beginn der Corona-Krise, aber hin und wieder könnten sich manche Veränderungen auch als Chance entpuppen. So zumindest sieht es Hartwig Heuermann, Inhaber des gleichnamigen Fotostudios an der Süringstraße. „Meine Umsätze sind zu Beginn auch eingebrochen. Ich habe viele Werbeaufnahmen für Unternehmen gemacht. Das war natürlich das erste, woran Firmen in dieser Zeit gespart haben. Da war schnell Ebbe im Auftragsbuch.“ Ähnlich sieht es im Geschäftsbereich seiner Frau Hitda aus, die die Porträts übernimmt. „Seit das Bürgerbüro geschlossen hat, gehen die Passbilder zurück. Und natürlich gibt es keine Aufträge für Kinderkommunion, Hochzeiten oder sonstige Veranstaltungen“, berichtet Hartwig Heuermann.

Sonntag, 10.05.2020, 16:36 Uhr
Hartwig Heuermann filmt Pfarrer Johannes Hammans auf der Brücke zur Loburg. Machten für den Fotografen vor Beginn der Corona-Krise Videoaufnahmen nur einen Bruchteil seiner Arbeit aus, dominieren sie jetzt seinen Alltag. Foto: Privat

Den Kopf in den Sand gesteckt hat er aber nicht. Wie so viele Unternehmen in diesen Zeiten braucht er eine Alternative zu seinem normalen Geschäftsablauf und die Initialzündung ergab sich durch einen Anruf von Pfarrer Johannes Hammans aus der Anna-Katharina-Gemeinde. „Er bat mich um Hilfe, Gottesdienste für die Homepage aufzuzeichnen, da ja dafür keine Besucher in den Kirchen erlaubt waren. Videos sind vorher nur ein Bruchteil meiner Arbeit gewesen, aber jetzt überwiegen die Filmaufnahmen.“

Denn als es in Anna Katharina gut geklappt hat, meldeten sich auch St. Lamberti – in der Gemeinde ist Hartwig Heuermann ehrenamtlich tätig – sowie die evangelische Gemeinde und St. Johannes aus Lette. „In Lamberti haben wir eine feste Videoanlage installiert, um auch künftig zum Beispiel Krankenhaus-Patienten, Altenheim-Bewohner oder Menschen zu erreichen, die den Gottesdienst in ihrer Heimatgemeinde erleben möchten, aber nicht kommen können oder wollen.“ Seine Arbeit erstrecke sich mittlerweile sogar bis Afrika, wie er mit einem Lachen berichtet. Denn der Partnergemeinde von St. Lamberti, Holy Cross in Tamale/Ghana, helfe er aktuell auch dabei, eine Videoanlage zu installieren, um in dem großflächigen Gemeindegebiet alle Gläubigen zu erreichen.

Diese neuen Anfragen haben viele Arbeitsstunden aufgefangen, wenn auch nicht alle. „Aber ich konnte mich jetzt richtig reinknien, denn vorher fehlte mir dazu einfach die Zeit. Meinen Betrieb kann ich jetzt auch auf etwas andere Beine stellen“, zeigt sich Hartwig Heuermann optimistisch für die Zukunft. Denn: „Nach vier bis sechs Wochen mache ich dadurch noch nicht wieder Gewinne, aber es haben sich schon Folgeaufträge ergeben.“ So gebe es zum Beispiel im Immobilienbereich, den er sonst nur fotografiert hat, neue Möglichkeiten. „Ein Kunde von mir hat mich gebeten, 360-Grad-Rundgänge seiner Objekte zu erstellen. Nur Bilder reichen ihm aktuell nicht aus und so können sich die ersten Interessenten virtuell im Raum bewegen, ohne vor Ort sein zu müssen.“ Das gleiche mache er jetzt auch für Museen. „So bekommen die Menschen einen ersten Eindruck der Ausstellung und besuchen vielleicht später auch mal das Museum.“

Hartwig Heuermann hat die Hoffnung, dass diese außergewöhnlichen Wochen aktuell dem einen oder anderen ebenfalls solche Ideen bringen. Wenn auch erzwungenermaßen, wie er sagt. „Aber mit einer positiven Einstellung macht das Arbeiten gleich mehr Spaß.“

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