Händler im Digital-Talk mit Gesundheitsminister Jens Spahn
„Wir brauchen echte Staatshilfen“

Coesfeld. Wie kommt der Handel durch die Corona-Krise? Darüber diskutierte jetzt der Coesfelder Unternehmer Marcus Diekmann und Mitinitiator der LinkedIn-Gruppe „Händler helfen Händlern“, mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Mark Rauschen, Geschäftsführer des mittelständischen Mode- und Sportfachhändlers L+T aus Osnabrück.

Montag, 25.05.2020, 18:44 Uhr
Foto: az

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kam mit einer beruhigenden Botschaft für den deutschen Handel in die inzwischen fünfte „Digital-Talk“-Runde der LinkedIn-Gruppe: „Wenn wir es richtig machen, sehe ich nicht, dass wir noch einmal in umfassende Beschränkungen müssen“, so der CDU-Politiker. Man arbeite schon länger daran, Infektionsherde sofort zu unterbrechen – notfalls mit harten Maßnahmen vor Ort. Wenn dies gelinge, könnten bundesweite oder landesweite Maßnahmen vermieden werden.

Dennoch hat Deutschland die Corona-Krise noch nicht überwunden – und die deutschen Verbraucher bleiben in ihrer Freiheit beschnitten, heißt es in der Pressemitteilung. Sie müssten weiter Abstand wahren, Hygieneregeln einhalten – und zum Leidwesen von L+T-Chef Mark Rauschen beim Einkaufen in Geschäften auch Masken tragen. „Menschen kommen in die City, um sich vom Alltag ablenken zu lassen“, sagt Rauschen. Doch die Maske störe die Leichtigkeit. „Wir würden lieber Abstand halten oder Plexiglasscheiben nutzen.“

Hier allerdings lässt der Bundesgesundheitsminister weniger mit sich reden. „Ich halte Masken in der Sache für richtig, insbesondere da, wo man sich näherkommen könnte“, betont Spahn. Noch sei die Frequenz in den Geschäften niedrig. „Aber wenn ich am Samstagmorgen durch Berlin fahre und die Schlange vor den Geschäften sehe, frage ich mich schon, wie lange die Menschen das aushalten.“

Wenn es in den Geschäften dann wieder enger werde, würden Masken schon einen Unterschied machen. Darüber hinaus würden sie das Bewusstsein aufrechterhalten, dass Deutschland noch mitten in der Pandemie sei.

Doch auch hier gibt es für den Handel Anlass zur Hoffnung. Denn für Jens Spahn sind auch Alternativen zur Maske wie beispielsweise Plexiglasscheiben oder Gesichtsschirme denkbar. „Natürlich kann man den Effekt der Maske auch anders erreichen. Und es gibt ja jetzt schon gute Konzepte. Das wird sich Schritt um Schritt einfach ergeben.“ Schließlich könne man auf Dauer das, was nötig ist, ohnehin nicht mit staatlichem Zwang erreichen. „Das geht nur, wenn die Leute wollen“, so Spahn.

Von den Händlern Diekmann und Rauschen bekam Spahn noch einige Forderungen mit auf den Weg: „Wir brauchen echte Staatshilfen. Es gibt die Arbeitslosenversicherung als Kurzarbeit und Kredite. Aber mehr nicht. Wir bekommen in unserer Unternehmensgröße nicht einen Euro Zuschuss. Aber ich habe die Sorge, dass viele Player in der City nicht überleben und wir das, was das Einkaufserlebnis in der Stadt ausmacht, langfristig verlieren“, sagt Rauschen. Zudem wurde von Handelsseite vorgeschlagen, dass Unternehmen auch die Tilgung von Krediten von der Steuer abziehen dürfen. So könne man gezielt gesunde Unternehmen fördern, die Gewinne machen und die gesparten Steuergelder reinvestieren. Und schließlich forderte Diekmann, auch die Vermieter ihren Teil zur Krisenbewältigung beitragen zu lassen. Statt Mietzahlungen mit acht Prozent Zins zu stunden, sollten die Mietverpflichtungen zwischen Händlern und Vermietern geteilt werden. Insgesamt hoffen die Händler künftig eine bessere Stimme in Berlin zu haben. „Das ist für uns Händler wichtig“, so Diekmann. Denn anders als die Autolobby habe der Handel in der Vergangenheit immer zu viel alleine gehandelt. Spahn versprach, die Anregungen mit nach Berlin zu nehmen.

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