Auf der Baustelle der neuen Martin-Luther-Schule herrscht noch Chaos
Bangen um Einzug nach den Ferien

Coesfeld. Ziemlich fassungslos waren sie gestern, die Mitglieder des Lehrerkollegiums der Martin-Luther-Schule und der Offenen Ganztagsgrundschule. In dieser Woche wollten sie eigentlich im neuen Gebäude an der Franz-Darpe-Straße (ehemalige Jakobi-Schule) alles vorbereiten für den Einzug der Kinder nach den Ferien. Schon lange im voraus war dafür eine Urlaubssperre verhängt worden. Erst sollten sie – nach Absprache mit der Stadt – schon Montag kommen. Dann gestern. Aber auch da ging noch nichts: „Wir konnten noch nichts wie geplant einräumen“, berichtete Schulleiterin Ute Hoppe auf AZ-Nachfrage. Sie musste die 20 Kolleginnen und Kollegen unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken, weil noch kein einziger Raum soweit fertig gestellt beziehungsweise zumindest gesäubert war, dass dort schon etwas getan werden konnte. Kabel hingen von der Decke. In den Fluren klafften noch Löcher in den Wänden. Die Sanitärräume waren noch nicht funktionstüchtig. In vielen Räumen waren noch Handwerker aktiv, hämmerten, schliffen ab, strichen an, verlegten Kabel. Staubschichten lagen auf den neu angelieferten Möbeln. Überall Dreck, Material und Werkzeug. Dazwischen: teilweise nicht einmal abgedeckt die neuen Möbel und Umzugskisten. Chaos pur – rund sechs Wochen vor dem geplanten Start.

Donnerstag, 02.07.2020, 06:48 Uhr
In vielen Räumen sind Putz- und Malerarbeiten noch nicht abgeschlossen. Löcher klaffen in den Wänden. Foto: az

Kerstin Bauerdick vom Lehrerrat erzählte, dass sie sich alle bewusst die erste Ferienwoche freigehalten hätten. Von der ersten Verzögerung, dass es nicht am Montag, sondern am Mittwoch losgehen soll, hätten sie auch nicht direkt von der Stadt, sondern „erst auf Nachfrage“ erfahren, klagte sie. Dass sie jetzt immer noch nichts tun könnten, sorge für Frust und Unverständnis. „Meine Sorge ist, dass der Zeitplan nicht eingehalten werden kann und wir die Schüler nicht in einem fertig eingerichteten Gebäude empfangen können“, erklärte sie. Wichtig war ihr zu betonen: „Wir haben fristgerecht alles bereit gestellt. An uns liegt es nicht.“

Jetzt sollen sie am 3. August wiederkommen. Dann sind es noch zehn Tage bis zur Eröffnung – die brauchen sie auch mindestens. Stadtbaurat Thomas Backes, der sich gestern Abend selbst noch ein Bild vor Ort machte, geht davon aus, dass das klargeht: „Dieser Termin steht nicht in Frage“, erklärte er. Das sei „eine Vorgabe“. Er räumte ein, dass die Schule gestern noch nicht wirklich soweit fertig gewesen sei, um das Einräumen zumindest in einigen Räumen zu ermöglichen. „Der Termin ist nicht eingehalten worden“, konstatierte er. Auf den letzten Metern, so Backes, sei nicht alles so gelaufen, wie man es sich vorgenommen hatte. Warum – das konnte er noch nicht genau sagen. Nur soviel: Corona hat eine Rolle gespielt. Der Elektriker habe seine Leute zunächst abgezogen. Und dann sei im Kellergeschoss auch noch ein verhängnisvolles Missgeschick passiert: Beim Flexen von Schlitzen für Elektroleitungen seien Moniereisen durchtrennt worden. Alle Decken mussten deswegen nochmal aufgestemmt werden. Deshalb sei der Verwaltungstrakt mit Lehrerzimmer und Co. noch nicht fertig. Obwohl es wild aussieht, seien aber „nur noch Restarbeiten zu erledigen“, so dass er davon ausgeht, dass der Schulstart nach den Ferien nicht gefährdet ist: „Das muss klappen. Ich habe da keinen Plan B.“

Ein Zurück ins alte Schulgebäude am Köbbinghof ist jedenfalls ausgeschlossen – das ist schon komplett ausgeräumt. Außerdem soll eine Kita im Pavillon eingerichtet werden.

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