Raupen des Eichenprozessionsspinners an vielen Stellen aktiv
Eine haarige Angelegenheit

Coesfeld. Sie sind wieder unterwegs, die feinen, kaum sichtbaren Brennhärchen der Raupen des Eichenprozessionsspinners, die bei Mensch und Tier juckende Pusteln und Quaddeln hervorrufen können. In den Sommermonaten haben sie Hochsaison und zwingen derzeit zahlreiche Coesfelder mit der sogenannten Raupendermatitis in Arztpraxen und Apotheken. „Wir haben jede Menge Patienten, die mit den typischen Symptomen zu uns kommen“, bestätigt etwa Prof. Dr. med. Meinhard Schiller von der hautärztlichen Gemeinschaftspraxis Pappai und Schiller. Gefühlt behandelten er und seine Kollegen mehr Patienten als im Vorjahr. „Die Leute machen Radtouren, gehen spazieren und joggen – in Corona-Zeiten vermutlich mehr als sonst – folglich gibt es auch mehr Angriffsfläche für die Brennhaare.“ Behandelt werde in der Regel mit Antiallergika und Cortison-Präparaten, die zum Teil auch frei verkäuflich seien.

Freitag, 03.07.2020, 05:58 Uhr
Mit ihren feinen Härchen sehen sie fast possierlich aus, die Raupen des Eichenprozessionsspinners. Doch gerade die Brennhaare haben es in sich: Ein Nesselgift, das bei Hautkontakt juckende Pusteln hervorrufen kann. Foto: az

„Die Nachfrage nach diesen Medikamenten zieht deutlich an“, bestätigt Apotheker Dr. Stephan Barrmeyer, der darauf hinweist, dass bei der Behandlung auch naturheilkundliche Mittel wie Cardiospermum zum Einsatz kommen können – nach gründlicher Beratung durch einen Fachmann, versteht sich. Barrmeyer erinnert zudem daran, „dass man auf jeden Fall zum Augenarzt gehen sollte, wenn der Verdacht besteht, dass Brennhaare ins Auge gelangt sind. Die Haare haben nämlich winzige Widerhaken, die sich in der Hornhaut festsetzen können und fachmännisch entfernt werden müssen.“ Schützen kann man sich vor den Plagegeistern kaum, zumal die Brennhaare nicht nur im unmittelbaren Umfeld der Nester auftreten, sondern vom Wind weitergetragen werden und lange gefährlich bleiben. Lange Kleidung, Sonnenbrille und Kopfbedeckung wird allen empfohlen, die in der Natur unterwegs sind. „Aber bei sommerlichen Temperaturen, noch dazu bei sportlicher Betätigung ist das kein probates Mittel. Da hilft wohl nur, das Übel bei der Wurzel zu packen“, sagt Professor Schiller.

Das Übel bei der Wurzel packen, sprich die Bestände des Eichenprozessionsspinners dezimieren, dass möchte die Stadt Coesfeld, indem sie die natürlichen Feinde des Falters und der Raupen stärkt. Zahlreiche Nisthilfen für Vögel wurden zu diesem Zweck aufgehängt. „Das ist eine langfristige Maßnahme. Komplett verschwinden werden die Insekten damit nicht“, sagt Theo Reckert, Leiter des städtischen Baubetriebshofes, der zurzeit fast täglich Meldungen von Bürgern erhält, die Gespinste des Eichenprozessionsspinners an Bäumen entdeckt haben. Der Bauhof entfernt aber nur Gespinste, die sich in der Nähe von besonders belebten Stellen wie Kindergärten, Schulhöfen oder Bushaltestellen befinden. Absperrungen oder Warnschilder kommen nicht zum Einsatz. Auf privaten Flächen entscheidet der Eigentümer, wie er mit den Gespinsten umgeht. Mit der Beseitigung sollte immer ein Fachmann beauftragt werden.

Auf städtischen Flächen stehen nach Angaben der Stadt Coesfeld rund 5400 Eichen. Etwa die Hälfte davon war im vergangenen Jahr von den Spinnern befallen. „Erste Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Population in diesem Jahr etwas kleiner als in 2019 sein könnte“, berichtet Stadtsprecherin Andrea Zirkel auf Anfrage. Belastbare Zahlen gibt es nicht. Dafür eine Gewissheit, die Theo Reckert so formuliert: „Wir werden alle lernen müssen, mit dem Eichenprozessionsspinner zu leben, wie mit anderen Insekten auch.“

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