Treffen hinter verschlossenen Türen
Westfleisch legt Erweiterung auf Eis

Coesfeld. Westfleisch nimmt von den Erweiterungsplänen in Stockum (vorerst) Abstand. Das ist ein Ergebnis eines Treffens von hochrangigen Vertretern des Unternehmens mit Politik und Verwaltung am Mittwoch im Coesfelder Rathaus. Wie Bürgermeister Heinz Öhmann gestern gegenüber der AZ von dem Hintergrund-Gespräch hinter verschlossenen Türen berichtete, habe Westfleisch-Vorstand Carsten Schruck erklärt, dass „aufgrund der Änderung der Marktlage, der rechtlichen Vorgaben auch in Bezug auf das Thema Tierwohl aktuell nicht ausreichend einzuschätzen“ sei, ob und in welchem Umfang die Erweiterung kommen werde.

Freitag, 10.07.2020, 15:48 Uhr
Foto: az

Der Stadtrat hatte ein Bebauungsplanverfahren für das Vorhaben – wie berichtet – schon im Dezember 2019 mit großer Mehrheit eingeleitet. Nur die Grünen waren dagegen. Nach den Sommerferien sollte die erste Bürgerinformation stattfinden. „Das müssen wir nach den heutigen Informationen um einige Monate verschieben“, erklärte Stadtbaurat Thomas Backes. Anwohner, Bürgerinnen und Bürger bräuchten verlässliche Informationen. Dazu müsse die voraussichtliche betriebliche Entwicklung von Westfleisch klar sein, betonte er. Wie Öhmann ausführte, hätten aufgrund der Corona-Pandemie wichtige Gutachten nicht erstellt werden können. So seien die Geruchs-Emissionen derzeit wegen der geringeren Schlachtzahlen nicht mit dem Normalbetrieb vergleichbar. Und auch das Verkehrsgeschehen lasse sich nicht verlässlich ermitteln. „Die öffentliche Beteiligung ist uns wichtig“, so Öhmann. „Aber dafür haben wir zurzeit keine ausreichende Grundlage.“ Das Bebauungsplanverfahren, kündigte er an, werde weiter betrieben, wenn die Produktion wieder in vollem Umfang laufe und die entsprechenden Analysen gemacht werden können.

Westfleisch will nach seinen Angaben aber auch schon vorher etwas tun, um die Situation für die Anwohner zu verbessern. Ohne dafür den Bebauungsplan ändern zu müssen, sollen im Bestand bauliche Maßnahmen durchgeführt werden. Westfleisch-Standortleiter Johannes Bayer kündigte laut Öhmann an, das Kühlhaus zu erweitern und „eine große Biofilteranlage zur Abluftreinigung“ einzubauen. Dafür seien bereits Genehmigungen beantragt worden. „Das machen wir ganz unabhängig von unseren mittelfristigen Überlegungen“, so Schruck. Und Bayer ergänzte: „Damit wird sich bei den Geruchsimmissionen eine ganz deutliche Verbesserung für die Nachbarschaft ergeben.“ Und auch zukünftig, im Falle der Erweiterung, versicherte er, werde es „keine Verschlechterungen“ geben. Ganz im Gegenteil: Insbesondere die Lärmimmissionen sollen geringer werden. Das konnten die anwesenden Politiker kaum glauben: Mehr Schlachtungen bedeuteten doch mehr Verkehr, kritisierten sie laut Öhmann. Die Westfleisch-Vertreter verwiesen darauf, dass man „durch Entzerrung und Verlagerung eines Teils der Zu- und Abfahrten“ versuchen werde, den Verkehrslärm insbesondere im Bereich Borkener Straße/Weißes Kreuz zu verringern.

Weitere Themen des Gesprächs im Rathaus waren die Umsetzung des neuen Corona-Hygienekonzepts im Betrieb und die Wohnsituation der Mitarbeiter. Diese lebten künftig in Arbeitsteams zusammen, hätten die Westfleisch-Vertreter erklärt. Bis Jahresende werde die komplette Unterbringung der Mitarbeiter in Eigenregie laufen. Schruck: „Das ist ein großer Kraftakt für das Unternehmen. Aber wir stellen uns der Verantwortung.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7488805?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker