Maskenpflicht im Unterricht entfällt auch für Schüler der weiterführenden Schulen
Zwischen Erleichterung, Sorge und Solidarität

Coesfeld. Die einen atmen erleichtert durch, die anderen gehen eher mit einem mulmigen Gefühl zur Schule. Seit gestern ist die Maskenpflicht am Platz im Unterricht auch für die weiterführenden Schulen entfallen. Schüler können folglich nicht mehr zum Tragen gezwungen werden. Daher setzen die Schulen auf individuelle Absprachen und auf Freiwilligkeit. Doch eine Unsicherheit bleibt.

Mittwoch, 02.09.2020, 06:00 Uhr
Während des Unterrichts dürfen auch die Schüler ab der fünften Klasse die Maske seit Dienstag abnehmen, solange sie am Platz sitzen bleiben. Auf dem Tisch „geparkt“ werden sollte die Maske aus hygienischen Gründen aber besser nicht. Foto: Marijan Murat/picture alliance/dpa

„Ich habe gerade im Unterricht nachgefragt, ob jemand möchte, dass wir die Masken aufbehalten, aber da hat sich natürlich keiner gemeldet“, berichtet Christine Uphues am Dienstagmorgen. „Vielleicht müsste man das noch mal anonym eruieren“, schlägt die stellvertretende Schulleiterin des Heriburg-Gymnasiums vor, auf dessen Homepage direkt am Dienstagmorgen das geänderte Hygienekonzept zu finden war. „Für die Kommunikation ist es natürlich ohne Maske besser“, sagt Uphues. Sie könne aber durchaus nachvollziehen, dass die geänderte Regelung vor allem Schülern Sorge bereitet, bei denen zu Hause jemand erkrankt ist. „Wir sind da noch im Findungsprozess und Beratungen laufen“, so Uphues.
„Wir setzen situationsangemessen auf flexible Regelungen“, erklärt Dr. Norbert Just für das St.-Pius-Gymnasium. Der Schulleiter nennt auch gleich ein Beispiel. So hätten die Schüler bei einem Unterrichtsbesuch zunächst die Masken abgenommen. Als die Referendarin dann durch die Klasse ging und die Abstände nicht mehr eingehalten werden konnten, hätten die Schüler die Maske wieder aufgesetzt. „Das funktioniert gut. Die Schüler gehen damit völlig unaufgeregt um“, lobt Just.
Eine klare Empfehlung zum weiteren Tragen der Maske hat die Freiherr-vom-Stein-Realschule ausgesprochen. „Wir können es nicht erzwingen, aber die meisten Kollegen und Schüler wollen die Maske aufbehalten“, berichtet Konrektorin Monika Jänicke. „Und sobald sich ein Schüler in der Klasse bewegt, muss die Maske sowieso wieder aufgesetzt werden“, sagt Jänicke. „Kommunikation und Transparenz“ seien da wichtig.
„Da wir sehr wenig Frontalunterricht machen, wird bei uns die Maske eher durchweg getragen“, erläutert die stellvertretende Schulleiterin Pia Koch das Konzept der Kreuzschule. „Und wir haben ja auch immungeschwächte Schüler, zu deren Schutz die anderen die Maske dann freiwillig weitertragen“, berichtet Koch von der Solidarität an ihrer Schule.
Von „Gott sei Dank“ bis „Geht gar nicht“ reichen die Reaktionen am Gymnasium Nepomucenum, wie Schulleiterin Angela Bülo mitbekommen hat. Sie ist überzeugt: „Alle Schulen versuchen bestmöglich mit der Situation umzugehen.“ Bülo gibt aber auch zu bedenken, dass die vielen Individualentscheidungen an den unterschiedlichen Schulen zu Irritationen führen. Dabei seien gewisse Vorgaben oder Empfehlungen auch stark an die jeweiligen räumlichen Voraussetzungen gebunden. Insgesamt beobachte Angela Bülo eine „Diskrepanz zwischen real stattfindendem Schulleben und stringenten rechtlichen Vorgaben“.
Nebenan im Schulzentrum zieht Astrid David, Schulleiterin der Theodor-Heuss-Realschule, nach dem ersten Tag eine positive Bilanz. „Für uns ist Präsenzunterricht ein hohes Gut, und die Maskenpflicht hat dazu geführt, dass sich auch die Lehrkräfte der Risikogruppe sicher gefühlt haben“, erklärt David, die im Vorfeld schon viele Gespräche geführt habe. „Dabei haben mir meine Schüler signalisiert, dass sie im Unterricht mit Lehrkräften der Risikogruppe die Maske weiter freiwillig tragen“, lobt David den „Akt der Solidarität“.

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