Niedergelassene Ärzte beobachten weniger Erkältungen und Durchfälle
AHA-Regeln dämmen auch andere Krankheiten ein

Coesfeld. Auch wenn das Tragen einer Maske oder häufiges Händewaschen zuweilen lästig ist und dem einen oder anderen angesichts einstelliger Fallzahlen im Kreis Coesfeld gar übertrieben erscheinen mag: Die sogenannten AHA-Regeln (Abstand – Handhygiene – Atemmaske) dämmen auch andere Krankheiten ein, wie die niedergelassenen Ärzte feststellen.

Dienstag, 08.09.2020, 11:00 Uhr
Wegen Covid-19 kommen angesichts einstelliger Fallzahlen im Kreis Coesfeld kaum Menschen in die Arztpraxen. Doch auch andere Erkrankungen sind durch die Coronaregeln seltener geworden. Foto: Pixabay

„Das Wetter ändert sich und so langsam kommen wieder Infekte rein“, berichtet Dr. Andreas Nemec. Zuvor sei das Patientenaufkommen in der Familienpraxis Coesfeld coronabedingt geringer gewesen. „Die meisten Patienten kommen wegen Rücken oder Herz-Kreislauf-Beschwerden“, sagt der Allgemeinmediziner. Die klassische Sommergrippe habe es kaum gegeben, weil die Menschen die AHA-Regeln befolgten und sich „weniger im sozialen Bereich aufhalten“. Auch Durchfallerkrankungen seien wegen verstärkter Handhygiene seltener geworden. „Als Prophylaxe“, so Nemec, „sollten die Hygienestandards ruhig beibehalten werden“, plädiert der Mediziner.
„In der Hochzeit der Isolation habe ich so gut wie kein krankes Kind gesehen, vielleicht mal eine Mandelentzündung“, bestätigt auch Dr. Thomas Horn, dass Lockdown und Coronaregeln ebenso andere Krankheiten in ihre Schranken gewiesen haben. Allerdings: Seit Ende der Sommerferien und Wiederöffnung der Kitas beobachtet der Kinder- und Jugendarzt wieder steigende Zahlen. Auch die Magen-Darm-Grippe trete wieder vermehrt auf.
In der Praxis von Dr. Ludger Höing sei zurzeit „das ganz normale Spektrum der Allgemeinmedizin“ zu beobachten, erklärt das Mitglied im Coesfelder Ärztering. Dazu zählten vor allem Diabetes, Bluthochdruck und Rückenleiden. Auch er beobachtet „gefühlt weniger Erkältungskrankheiten, aber auch Durchfallerkrankungen, weil die Leute sich häufiger die Hände waschen und sich weniger ins Gesicht fassen“, sagt Höing.
Auch er plädiert dafür, diese Hygiene-Gebote, die bei vielen Menschen schon in Fleisch und Blut übergegangen sind, auch beizubehalten, sollte es bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben.

Nachrichten-Ticker