Auf einem früheren Bauernhof entsteht ein Emmerick-Bildstock
Herzensanliegen eines Flamscheners

Coesfeld. Als gebürtiger Flamschener ist Felix Brocks-Sicking der seligen Anna Katharina Emmerick von klein auf verbunden und verehrt sie. So sei es ihm ein Herzensanliegen gewesen, ihr auch einen Raum zu geben auf einer früheren Hofstelle in der Dülmener Bauerschaft Leuste.

Donnerstag, 10.09.2020, 16:15 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 16:19 Uhr
In der Künstlerwerkstatt in der „Oase des Lebens“ in der Dülmener Bauerschaft Leuste arbeitet Bildhauer Bernward Maria Erlenkötter (l.) aus Coesfeld an einem Bildstock mit dem Bildnis von Anna Katharina Emmerick. Markus Trautmann, Pfarrer St. Viktor Dülmen, zeigt sich begeistert von der Arbeit. Foto: privat

Felix Brocks-Sicking hat das Anwesen erworben und damit begonnen, es zu einer „Oase des Lebens“ umzubauen. Dort sollen sich Kunstschaffende und auch Menschen, die ihre innere Balance (wieder-)finden wollen, wohlfühlen. Inzwischen haben sich dort 19 Künstler (darunter auch ein Kunstschmied), Musiker und weitere Menschen, die sich nach Ruhe und neuen Eindrücken sehnen, in dem alten Gemäuer eingelebt.
Angelika Haßkamp aus Coesfeld hat sich dort als eine der ersten „Bewohner“ ein Atelier eingerichtet. Und auch Bildhauer Bernward Erlenkötter findet dort ideale Bedingungen für sein künstlerisches Schaffen vor. In einem ehemaligen Stall hat er sich eine komplette Werkstatt geschaffen. Dort steht aktuell das Relief der seligen Anna Katharina Emmerick aus Sandstein vor der Vollendung. Felix Brocks-Sicking hat die Arbeit in Auftrag gegeben.
Gegen Ende des Jahres wird die Reliefplatte in eine aus Ziegelstein gemauerte Stele eingelassen; dann wird der Emmerick-Bildstock die Hofeinfahrt markieren. Rund um den Bildstock ist eine Buchenhecke vorgesehen. Auch eine Bank soll sowohl die Besucher der „Oase des Lebens“ als auch Radfahrer zum Verweilen einladen.
Die Passanten werden sofort das Konterfei der „Mystikerin des Münsterlandes“ wiedererkennen, ist sich Erlenkötter sicher. Der leicht geneigte Kopf der Seligen mit dem markanten Stirnverband würden auf Anhieb ein Signal sein, das die Menschen hierzulande aufgreifen könnten und das ihnen helfen könne, im Alltag innezuhalten. Emmericks Empfindsamkeit, ihre Mitleidsfähigkeit und ihre Zugewandtheit würden viele Menschen bis heute als hilfreich empfinden, ist sich auch Markus Trautmann, Pfarrer von St. Viktor in Dülmen, sicher.
Die Einweihung des Bildstocks ist im Mai 2021 vorgesehen. Brocks-Sicking hofft, dass Chorleiter Helmuth Kathmann der Feierstunde dann mit seinen drei Chören, dem Crescendo-Chor aus Coesfeld, dem Frauenchor Musica aus Billerbeck und dem Männerchor aus Dülmen, einen würdigen Rahmen geben wird.
Bereits im November dieses Jahres ist geplant, auf einem 10 000 Quadratmeter großen Gelände auf dem Anwesen in Kooperation mit der Baumschule Rüskamp 60 Obstbäume zu pflanzen. „Wer möchte, kann eine Patenschaft für einen Baum übernehmen“, sagt Brocks-Sicking.

Aus tiefer Überzeugung

Weniger die verschiedenen Reparatur- und Sanierungsarbeiten am Gebäude auf der ehemaligen Hofstelle in der Dülmener Bauerschaft Leuste sind spektakulär, sondern vielmehr die vielen Formen neuen Lebens, das sich dort bereits tummelt: Die Rede ist von den verschiedensten Kreativen und anderen originellen Nutzern, deren neue Wirkstätte mit dem Begriff „Künstlerkolonie“ nur unzureichend beschrieben ist, wie Eigentümer Felix Brocks-Sicking meint. Einer der Kunstschaffenden, die sich dort ein Atelier eingerichtet haben, ist der in Coesfeld lebende Bildhauer Bernward Maria Erlenkötter. Der Künstler freut sich, dass mit dem Bildnis von Anna Katharina Emmerick eines seiner Werke derart exponiert im öffentlichen Raum zu sehen sein wird: „Wir Künstler haben zwar eine sehr individuelle Sicht auf die Dinge und auf das Leben, die aber den Mitmenschen, ja der Allgemeinheit zugutekommt.“ Kreative Zurückgezogenheit und öffentliche Ausstrahlung müssten kein Widerspruch sein, im Gegenteil: „In diesem Sinne hat ja auch Anna Katharina Emmerick mit ihren spirituellen Einsichten ungezählten Mitmenschen ihrer Zeit geholfen, ihre eigene innere Balance zu finden“, erklärt Erlenkötter. Aus tiefer Überzeugung kann er der Mystikerin des Münsterlandes zugestehen, dass sie „Gültiges“ verkörpere und ausstrahle, auch nach 200 Jahren. Ihre Empfindsamkeit, Mitleidsfähigkeit und Zugewandtheit würden viele Menschen bis heute als hilfreich empfinden.

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Visionen vom Leben Christi

Anna Katharina Emmerick wurde am 8. September 1774 in der Bauerschaft Flamschen bei Coesfeld geboren. Bereits in früher Kindheit hatte sie Visionen und Träume vom Leben Christi. Von ihren Eltern wurde sie 1793 nach Coesfeld geschickt, um dort als Näherin zu arbeiten. Was sie verdiente, gab Anna Katharina den Armen. Nachts wachte sie bei den Kranken und pflegte sie. Gebet und Meditation waren Anna Katharina wichtig. Dabei nahm das so genannte „Coesfelder Kreuz“ eine wichtige Rolle ein. 1811 verließ sie als letzte Ordensschwester das inzwischen von Napoleons Truppen aufgelöste Kloster und wurde Haushälterin eines französischen Geistlichen in Dülmen. Während dieser Zeit wurden zum ersten Mal Wundmale auf ihrem Körper sichtbar: auf der Brust zeigte sich ein Doppelkreuz, ganz ähnlich dem von Anna Katharina verehrten „Coesfelder Kreuz“, später erschienen „Stigmata“ genannte Zeichen auch an den Händen und auf der Stirn. Anna Katharina Emmerick starb am 9. Februar 1824 und wurde auf dem allgemeinen Stadtfriedhof von Dülmen beigesetzt. Seit 1975 ruhen ihre Reliquien in der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen. Am 3. Oktober 2004 wurde sie von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

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