Über 300 Gläubige beim Abschlussgottesdienst zur Kreuzwoche im Park von Kloster Annenthal
Alles anders – und doch „wunderbar“

Coesfeld. Dechant Johannes Arntz konnte wegen eines Bandscheibenvorfalls kaum laufen – und doch strahlte er am Sonntag mit der Sonne um die Wette: Über 300 Gläubige hatten den Weg in den Park von Kloster Annenthal gefunden, um unter dem Motto „Du für mich“ gemeinsam den Abschluss der Kreuzwoche zu feiern. „Das haben wir lange nicht gehabt“, freute er sich über die große Resonanz auf das Open-Air-Angebot.

Montag, 21.09.2020, 10:24 Uhr
Das Coesfelder Kreuz, das im Zentrum der Kreuzwoche und des Abschlussgottesdienstes stand, war mit zahlreichen bunten „Händen“ geschmückt. Kinder der Kindergärten der Gemeinde St. Lamberti hatten sich Gedanken gemacht, für wen sie bitten wollten. Foto: Detlef Scherle

Dieses Mal war alles anders. Nicht nur, dass die Kreuztracht wegen Covid-19 ausfiel. Sogar das geplante Alternativprogramm zur Prozession trug noch den Corona-Stempel: So musste die Stadtkapelle Coesfeld als musikalische Begleitung kurzfristig absagen. Markus Eckrodt am E-Piano und zwei Sängerinnen sprangen ein. Und auch der eingeladene hochkarätige Prediger, der Fribourger Moraltheologe Professor Daniel Bogner, konnte nicht „live“ vor Ort sein, weil sein Heimatort in der Schweiz zum „Risikogebiet“ erklärt worden war. Er hatte seine Predigt aber noch als Videobotschaft nach Coesfeld geschickt.

Über eine große Leinwand wurde sie übertragen. Kritisch setzte sich der bekannte Reformer (Buchtitel: „Ihr macht uns die Kirche kaputt ... doch wir lassen das nicht zu!“) mit den negativen Entwicklungen der vergangenen Jahre auseinander. „Viele nehmen der Kirche nicht mehr ab, dass sie wirklich noch Zeugnis ablegt von diesem ,Du für mich’“, nahm er Bezug zum Titel der Kreuzwoche. Geschiedene, Homosexuelle, Frauen fühlten sich ausgegrenzt. Bogner meinte, dass die Kirche sich Reglemente gegeben habe, die „zu bestimmten Zeiten passend waren“. Aber: „Unsere Ordnungen sind nicht ausschlaggebend für Gott“, stellte er klar. Sie seien immer nur „provisorische Hilfskonstruktionen“. Dessen müsse man sich immer bewusst sein.

Konkret sprach er die monarchistischen Strukturen und die „Herrschaftsordnung der Geschlechter“ in der Kirche an: „Im Licht unseres biblischen Glaubens kann das nicht in Stein gemeißelt sein.“ Mit Blick auf Jesu Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg hob er hervor, dass die Kirche sich nicht zu gewiss sein sollte, wer vor Gott der Erste und wer der Letzte sein werde. Die Gemeinschaft müsse sich „auf neue Formen und Gefäße hin“ immer wieder verändern, forderte er. Mit großem Beifall wurde die Predigt aufgenommen. Vielen Anwesenden hatte er offenbar aus dem Herzen gesprochen.

Auch die Messe feierten die Teilnehmer coronakonform. Die Helfer brachten die Oblaten zu den Gläubigen, die sich mit Stühlen abstandsgerecht auf dem Gelände verteilt hatten.

So ganz, ohne das Kreuz zu tragen, ging es bei diesem Kreuztracht-Gottesdienst übrigens nicht. Zu Beginn war es liegend von Helfern zum Kloster gebracht worden. „Die letzten Meter haben es die Schwestern getragen. Das war sehr eindruckvoll“, so Arntz. Auch zurückgebracht in die Lamberti-Kirche wurde es von Helfern, nachdem sich die Gottesdienstgemeinschaft coronagerecht langsam aufgelöst hatte. „Das war eine wunderbare Kreuztracht“, meinte am Ende eine Besucherin. „Da hat nichts gefehlt.“

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