Vorsitzende Johanna Köning nach ersten Gesprächen hoffnungsvoll
„Bedarf für stationäres Hospiz ist da“

Coesfeld. Der Verein DaSein Hospizbewegung Coesfeld wird in diesem Jahr 20 Jahre alt, kann seinen runden Geburtstag wegen der Corona-Pandemie aber nicht im großen Rahmen feiern. Vorsitzende Johanna Köning berichtet im Interview über die Geschichte des Vereins, Sterbe- und Trauerbegleitung in Covid-19-Zeiten und die Aussichten auf ein stationäres Hospiz in der Kreisstadt.

Dienstag, 22.09.2020, 06:00 Uhr
Die Vorsitzende Johanna Köning (Mitte) im Kreis der federführend im Verein engagierten Kräfte: (v.l.) Pfarrer Johannes Hammans, Ursula Pich-Potthoff, Brigitte Hamm, Carl-Wilhelm Burges-Hohenschwert, Notgeria Frohnhoff und Judith Kraft. Foto: Uwe Goerlich

Frau Köning, was sehen Sie als Meilensteine der zwei Jahrzehnte an?

Köning: Wichtig war für uns die Entwicklung eines Leitbildes, hinter dem alle ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierten stehen. Unser Ziel war dabei, das Sterben als Teil eines menschenwürdigen Lebens bis zum Tod zu ermöglichen. Wichtig ist, dafür genügend gut ausgebildete Kräfte im ehrenamtlichen Bereich zu haben, die Betroffene in ihrer schweren Situation aktiv begleiten können. Besonders freuen wir uns auch darüber, nun gut gestaltete Räumlichkeiten zur Verfügung zu haben, die ein vertrauter Ort für den Austausch und die Planung unserer Aktivitäten sind. Ganz wichtig war uns auch die Entwicklung eines gut funktionierenden Netzwerks – zum Beispiel in der Zusammenarbeit der Hospizbewegung auf Kreisebene.

Was sind denn die Schwerpunkte der Hospiz-Tätigkeit?

Köning: Uns geht es um eine humane Sterbe- und Trauerbegleitung, die immer mehr in den Mittelpunkt unserer Arbeit rückt. Dabei ist entscheidend, dass wir zum Glück eine genügend große Anzahl gut ausgebildeter Ehrenamtlicher für die Wahrnehmung dieser Aufgaben haben. Natürlich sind wir immer dran interessiert, neue ehrenamtliche Helfer ausbilden zu können, die bei uns tätig werden. Die Kosten der Ausbildung übernimmt natürlich der Hospizverein.

Was passiert bei der Sterbebegleitung und wie geht das in Zeiten von Corona?

Köning: Aufgrund der erschwerten Bedingungen wegen der Corona-Pandemie ist die Wahrnehmung unserer Aufgabe im Bereich der Sterbebegleitung, die ein hohes Maß an persönlicher Präsenz fordert, natürlich leider stark eingeschränkt. Dabei brauchen Menschen im akuten Sterbeprozess die Begegnung. Zur Überbrückung greifen wir auf verschiedene Möglichkeiten zurück, um in Kontakt zu bleiben, beispielsweise durch Telefonate, Video-Gespräche oder auch durch das Versenden von Karten, Briefen oder Fotos, die wir den Betroffenen zukommen lassen. In den letzten Tagen gehen die Ehrenamtlichen unter Beachtung der entsprechenden Hygiene-Vorsichtsmaßnahmen auch wieder verstärkt persönlich in den Kreis der betroffenen Familien.

Was darf man sich unter Trauerbegleitung vorstellen?

Köning: Ambulante Hospizdienste so wie unser DaSein-Verein bereiten Ehrenamtliche darauf vor, Trauernde dabei zu unterstützen und zu begleiten, in einen neuen Lebensabschnitt einzutreten. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um „da sein“, um dabei zuzuhören, zu informieren und zu unterstützen. Ziel ist, die Betroffenen bei der Wiederentdeckung des Lebens zu bestärken und zu ermutigen, eigene Schritte in eine veränderte Zukunft ohne den geliebten Menschen zu gehen.

Sagen Sie doch bitte etwas zur Mitarbeiter-Ausbildung und deren Begleitung.

Köning: Die Ausbildung ist zur Vorbereitung der aktiven ehrenamtlichen Tätigkeit wichtig. Derartige Kurse richten sich aber auch an interessierte Menschen, die sich langfristig mit Fragen zum Leben, Sterben und Tod beschäftigen wollen. In der Ausbildung setzen sich die Teilnehmenden intensiv mit Biografie-Arbeit auseinander. Themen sind zudem Ethik, Kommunikation, Spiritualität, Schmerztherapien am Ende des Lebens sowie Sensibilisierung für Trauer bei Erwachsenen und Kindern. Die ausgebildeten ehrenamtlichen Kräfte erfahren Unterstützung durch unsere beiden Koordinatorinnen, die wir derzeit hauptamtlich beschäftigen, durch Supervisionen, um das Erlebte in das eigene Leben einordnen zu können, und verschiedene Angebote der Fortbildung.

Das nächste stationäre Hospiz ist in Dülmen. Wird es in Coesfeld in absehbarer Zeit auch eine solche Einrichtung geben?

Köning: Bekanntlich ist das Hospiz Anna Katharina in Dülmen für den gesamten Kreis Coesfeld da. Der Bedarf für eine weitere Einrichtung dieser Art ist aber wegen der hohen Auslastung auf jeden Fall gegeben. Menschen brauchen eine gute Atmosphäre und eine behagliche Umgebung, um ruhig loslassen und gehen zu können. Ich hoffe, dass sich nach ersten Gesprächen die Situation auch im Hinblick auf eine mögliche stationäre Einrichtung in Coesfeld positiv entwickelt.

Für Irritationen sorgten jüngst kritische Veröffentlichungen zum hohen Verwaltungsaufwand der finanziellen Förderung der Hospizarbeit. Wie stehen Sie zu dem Thema?

Köning: Wir werden auf die finanzielle Förderung durch die Krankenkassen nicht verzichten, weil sie uns Planungssicherheit und eine gute Grundlage für die Finanzierung und Wahrnehmung unserer Arbeit gibt. Von insgesamt 200 Vereinen haben sich daher immerhin 130 dafür entschieden, diese Art der Förderung zu nutzen.

Was motiviert Sie persönlich, sich einzubringen?

Köning: Ich habe es immer als wichtig und sinnvoll angesehen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Nach meinem Ausscheiden aus der Schule habe ich mich hinsichtlich der ehrenamtlichen Tätigkeit neu orientiert und dabei in der Hospizarbeit einen guten Ansatz gefunden. In der Zeit meines Schuldienstes war „Leben und Tod“ bereits ein wichtiges und wertvolles Thema, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Besonders hilfreich ist, in einer Umbruchsituation gefühlvoll hinzusehen, zuzuhören, sich einzufühlen, um Betroffenen wirkungsvoll beistehen zu können.

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