Hagener Ensemble präsentiert im Konzert Theater umwerfende Deutsch-Rock-Party
Ausflippen erlaubt – Mitsingen verboten

Coesfeld. Was für ein Abend! Das Publikum tanzt, klatscht im Takt, schwingt die Arme und es fällt schwer, nicht lauthals mitzusingen. Eine wilde Rock-Punk- und Pop-Party und Corona, das sind Gegensätze, die sich eigentlich ausschließen. Doch im Konzert Theater funktioniert es hervorragend.

Samstag, 26.09.2020, 15:00 Uhr
Sängerin Vanessa Henning (l.) schwört das Publikum zu Beginn gemeinsam mit ihren Kolleginnen auf ein Konzert mit Corona-Regeln ein – „Auf keinen Fall mitsingen!“ Foto: Ursula Hoffmann

Klar, es ist nicht der typische Theaterbesuch, keine Grüppchen stehen plaudernd mit einem Glas Wein im Foyer, stattdessen gibt es Einbahnstraßenregelung, Desinfektionsmittel und herausgenommene Sitzreihen, sodass statt gut 600 Zuschauer nur um die 200 Platz finden. Und von Sängerin Vanessa Henning die Durchsage: „Ihr dürft mit Mundschutz tanzen und ausflippen, aber auf keinen Fall mitsingen.“ Trotz Einschränkungen aber bereitet das Theater Hagen dem Publikum mit seiner Theater-Party „Wenn die Nacht am tiefsten... (ist der Tag am nächsten)“ einen Abend, der gerne noch Stunden weitergehen könnte, der fetzig und mitreißend ist, der mit kritisch-provokanten Texten aufrüttelt, der immer wieder zum Träumen einlädt. Es ist eine Reise quer durch die deutschsprachige Rock-Geschichte und damit quasi eine Fortsetzung der Undergroundparty „Take A Walk On The Wild Side“, mit der Hagen vor genau einem Jahr in Coesfeld begeisterte.
Ein großes Podest dominiert die Bühne, erinnert mit Graffiti an eine alte Fabrikhalle, Licht zaubert die unterschiedlichsten Stimmungen. Die fünf herausragenden Musiker, die für einen satten Sound sorgen, der direkt ins Blut geht, sind mit weitem Abstand auf der Bühne verteilt. Ein Steg mit zwei Seitenteilen ist vor der Bühne aufgebaut, gibt reichlich Platz für drei kongeniale Sänger, sowie die begleitenden Backgroundsängerinnen und einige Tänzerinnen.
Die Besetzung ist fast die gleiche wie bei der Undergroundparty, gibt alles und vermittelt das Gefühl, mit unendlichem Spaß bei der Sache zu sein. Die stimmgewaltige und mit überbordender Energie agierende Vanessa Henning, der langmähnige Patrick Sühl, der sich die Seele aus dem Leib rockt und Alexander Brugnara, der mit dem titelgebenden Song der Hoffnung Ausdruck verleiht, dass auch wieder bessere Zeiten kommen, drücken mit ganz eigenen Interpretationen den Liedern einen individuellen Stempel auf, machen aus dieser Revue viel mehr als ein choreografiertes Konzert und tauchen die Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle.
Böse und pointiert aufrüttelnd präsentiert Brugnara „Kristallnacht“ von BAP, zum Träumen schön sein „Über den Wolken“. Im roten Scheinwerferlicht schwärmt Henning gefühlvoll „Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein“, herrlich schrill dagegen ihr „Ich glotz’ TV“ (Nina Hagen). Mit aggressiver Energie gestaltet Sühl „Rebell“ von den Ärzten oder begeistert mit Rio Reisers „König von Deutschland“. Und am Ende gibt’s von allen dreien „Currywurst“ und stehende Ovationen vom Publikum als dicken Dank für diesen tollen Abend.

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