Von der AZ befragte Einzelhändler halten nicht viel von Sonntagsöffnung im Advent
„Es lohnt sich einfach nicht“

Coesfeld. Ob auch in Coesfeld in der Adventszeit und nach Weihnachten Einzelhändler vom „Corona-Angebot“ der Landesregierung Gebrauch machen werden, ihre Geschäfte sonntags zu öffnen, ist mehr als fraglich. In einer nicht repräsentativen Umfrage der AZ zeigen sich am Donnerstag viele Inhaber skeptisch, ob sich dadurch höhere Umsätze erzielen lassen. Und darüber hinaus fragen sie sich, ob die Sonntagsöffnungsmöglichkeit nicht ohnehin noch – auf Antrag der Gewerkschaft Verdi – gerichtlich gekippt wird. „Ich glaube nicht, dass das laufen wird“, meint Buchhändler Bernhard Heuermann. „Die Kirchen und die Gewerkschaft werden da noch ein P vor setzen“, schlägt Thomas Wolbring vom gleichnamigen Fotohaus in die gleiche Kerbe.

Freitag, 02.10.2020, 07:30 Uhr
Tradition hat in Coesfeld der verkaufsoffene Sonntag am Weihnachtsmarkt-Wochenende (hier mit Schnee im Jahr 2017). Das Land ermöglicht dieses Jahr den Einzelhändlern in der kompletten Adventszeit sonntags zu öffnen. Das Interesse daran scheint in Coesfeld aber gering zu sein.Foto: Archiv/tl Foto: az

Heuermann weiß schon, dass er seinen Laden in der Letter Straße, egal wie das ausgeht, nicht zusätzlich sonntags öffnen will: „Es kommt kein Kunde mehr“, nennt er den Grund. Und die langen Samstage vor Weihnachten gingen schon „auf die Knochen“. Ähnlich sieht es auch Wolbring, Nachbar in der Letter Straße: „Ich glaube nicht, dass sich dadurch zusätzliche Umsätze generieren lassen.“ Sie verteilten sich dann nur auf sieben statt auf sechs Tage. Und die zusätzlichen Sonntage wolle er auch dem Personal „nicht zumuten“.

Für den Lebensmitteleinzelhandel ist die Sonntagsöffnungsmöglichkeit aus der Sicht von Bioladen-Inhaberin Bernadette Weiling-Erning keine wirkliche Option. Auch sie denkt an ihre Mitarbeiter: „An den Samstagen vor Weihnachten laufen die schon gehörig auf dem Zahnfleisch. Da gönne ich ihnen den freien Sonntag.“

Augenoptikermeister Wolfgang Schoppe (Schüppenstraße) begrüßt die Landesinitiative zwar grundsätzlich – für sich selbst mag er daraus aber keinen Honig saugen. „Das ist vielleicht was für Textiler“, meint er. Er müsse wegen des Beratungsbedarfs drei Mitarbeiter beschäftigen – „alleine schaffe ich das nicht“. Und die müssten sonntags dann doppelt bezahlt werden. Das rechne sich nicht.

Als „Textiler“ ist auch Günter Buddenkotte vom gleichnamigen Modegeschäft an der Münsterstraße nicht überzeugt davon, dass die Sonntagsöffnung ihm ein Umsatzplus bescheren würde: „Es lohnt sich einfach nicht.“ Schon im vergangenen Jahr sei das beim Weihnachtsmarkt-Sonntag so gewesen. Diese Aktion sei wohl mehr was für ganz große Städte. Stefan Boer vom gleichnamigen Interliving-Möbelhaus an der B 474 winkt tendenziell auch eher ab – vor allem aus Zeitgründen: „Das kommt jetzt sehr kurzfristig.“ Die ganze Personalplanung mit Urlaub und Co. sei ja noch so ausgelegt, dass die Sonntage nicht stattfinden – das könne man nicht mal so einfach ändern.

Der Stadtmarketing-Verein findet es grundsätzlich positiv, dass das Land versucht, den Einzelhändlern zu helfen, wegen der Corona-Krise ausgefallene Umsätze zu kompensieren. „Wir werden uns mit den Straßensprechern austauschen und ein Stimmungsbild abfragen“, kündigt der neue Vorsitzende Florian Klostermann auf Nachfrage an. Das Ganze, stellt er klar, stehe und falle mit der Unterstützung einer solchen Aktion durch den Einzelhandel. Ja, und auf Verdi komme es an. Er hoffe, dass da nicht der Klageweg beschritten werde.

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