Eliza Diekmann bereitet sich auf ihre neuen Aufgaben als Bürgermeisterin vor
Im Trainingslager für den Marathon

Coesfeld. Noch sitzt Eliza Diekmann nicht im Bürgermeisterbüro im Rathaus – aber ihr Vorgänger Heinz Öhmann hat ihr schon ein kleines Geheimnis offenbart: Hinter der linken Tür der biederen und etwas altmodischen Holzwand hinterm Chefsessel verbergen sich keineswegs bedeutsame Akten, sondern – ein Waschbecken. Die künftige Bürgermeisterin schmunzelt: „„Ich freue mich darauf, bald ein eigenes Büro zu haben, in dem ich konzentriert arbeiten kann.“ Bisher hat sie ihre Arbeit im Wahlkampf und in den Wochen danach „im Café, im Kinderzimmer, auf dem Boden, irgendwie überall gemacht.“ In den Wochen danach.

Samstag, 24.10.2020, 13:04 Uhr
Auf dem Weg ins Rathaus: Eliza Diekmann hat hier schon viel Zeit verbracht, um sich im Gespräch mit der Verwaltungsspitze und den Mitarbeitern auf ihr neues Amt vorzubereiten. Dienstbeginn ist im November. Vereidigt wird sie am 12. 11. in der Ratssitzung. Foto: Jessica Demmer

Wie hat Eliza Diekmann die Zeit nach ihrem Wahlerfolg erlebt? Und wie bereitet sie sich gerade auf ihre neue Aufgabe vor?

„Erstmal haben wir Urlaub gemacht“, schaut Diekmann zurück. Wo? „In den Baumbergen“, lacht sie. Eine Woche mit dem Fahrrad ab in die heimische Natur. In der frischen Luft unterwegs und den ganzen Tag nicht aufs Handy geschaut. „Das war Urlaub für die Seele“, sagt sie. In Billerbeck, Nottuln, Havixbeck und Rosendahl hat die Familie übernachtet. Und festgestellt: „In den Baumbergen kann man an vielen Stellen wunderbar Kaffee trinken und Kuchen essen, aber ein gesundes Gemüsegericht war tagsüber schwer zu bekommen.“ Eine Sache, die man verbessern könnte, hat die künftige Bürgermeisterin direkt fürs nächste Gespräch mit der Baumberge Touristik notiert. Und noch ein paar andere Ideen – irgendwie doch nicht nur Urlaub.

Zahlreiche Medienanfragen sind auf die strahlende Wahlsiegerin eingeprasselt, auch von großen überregionalen Zeitungen und Fernsehsendern. So eine junge Frau – und so erfolgreich. Auf einmal prominent. „Das war ein neues Gefühl für mich“, sagt Eliza Diekmann. Auch wenn sie durch Coesfeld geht. Viele – besonders auch junge – Menschen nicken ihr zu, grüßen freundlich, sprechen sie an. Im Wahlkampf hat sie Erwartungen geweckt, das weiß sie. „Ich spüre eine große Verantwortung“, sagt sie. „Respekt vor meiner Aufgabe – und Demut.“

Wer allerdings erwartet, mit ihrem Amtsantritt (vereidigt wird sie am 12. 11.) wird sich schlagartig in Stadt und Verwaltung allerhand ändern, muss sich gedulden. „In den ersten 100 Tagen werde ich gar nichts anstoßen“, stellt Eliza Diekmann klar. „Diese Zeit werde ich mir nehmen. Ich bin hier nicht angetreten für einen Sprint, sondern für einen Marathon.“

Die Gespräche, die sie in den vergangenen Tagen schon mit der Verwaltungsspitze und in den verschiedenen Fachbereichen geführt hat, will sie fortsetzen. Sich grundlegend informieren, verstehen wie Abläufe funktionieren und Menschen ticken, was hinter den Rathaustüren passiert und von den Bürgern davor oft so schwer verstanden und kritisiert wird.

Mehr Transparenz hat sie den Wählern versprochen und mehr Bürgerbeteiligung. „Ich möchte mit den Mitarbeitern in der Verwaltung gemeinsam neue Strukturen erarbeiten“, hat sich Eliza Diekmann vorgenommen. „Mein Ziel ist eine moderne, innovative, dienstleistungsorientierte und bürgernahe Verwaltung.“

Auch die politische Arbeit ist nach der Wahl weitergegangen. Einmal pro Woche hat sich das Kleeblatt getroffen, das Eliza Diekmann im Wahlkampf unterstützt hat. „Aber ich treffe mich auch mit den anderen Fraktionen“, betont sie. Schließlich will man im Rat gemeinsam konstruktiv arbeiten.

Große Themen warten. „Schon Anfang November habe ich ein erstes Gespräch zum Schulzentrum“, so Diekmann. Mit den bisherigen Beschlüssen ist sie gar nicht einverstanden. Dann muss der neue Haushalt eingebracht werden, fürs Hotel zur Mühle wird ein neues Konzept gesucht, Stadtentwicklung und Stadtmarketing stehen auf der Tagesordnung.

Und dann spricht Eliza Diekmann – von sich aus – noch ein privates Thema an: „Es gibt auch schon einen Terminkalender, der sich nach und nach füllt. Aber die Zeit zwischen 12 und 14 Uhr, die lasse ich mir frei. Da hole ich die Kinder von der Kita ab und wir haben Zeit für uns. Das ist gesetzt.“ Sie erzählt das, sagt sie, weil sie etwas zeigen möchte: „Dass es geht, Beruf und Familie in Einklang zu bringen.“ Für Mütter und Väter. Frischer Wind im Rathaus.

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