Lokale stehen vor erneuter Schließung
Enttäuschung in der Gastro-Szene

Coesfeld. Es ist ein heftiger Schlag, mit dem Kai Zumbült in dieser Form nicht gerechnet hätte. Ab Montag (2. 11.) müssen Gastronomen für mehrere Wochen ihre Türen schließen – ein zweites Mal in dieser Pandemie. „In den Sommermonaten ist das Geschäft wieder gut angelaufen“, berichtet Kai Zumbült, Inhaber des gleichnamigen Gasthauses in Lette. Auch Feiern und der Saalbetrieb habe wieder stattfinden können, ein Stück weit habe man wieder zur Normalität zurückkehren können. „Dass jetzt die Gastronomie für den Anstieg der Fallzahlen mitverantwortlich gemacht wird und wieder schließen muss, ist mehr als schade“, so Zumbült. Bereits die Kontaktbeschränkungen und Sperrstunden ab 23 Uhr hätten „ordentlich reingehauen“, für viele Gastronomen sei es bereits fünf vor zwölf. Kai Zumbült bleibt dennoch optimistisch und hofft, dass die Normalität möglichst schnell wieder zurückkehren wird.

Freitag, 30.10.2020, 06:19 Uhr
Ab Montag (2. 11.) ist eine Bewirtung in den Gastronomien untersagt. Kai Zumbült (links), Inhaber des gleichnamigen Gasthauses in Lette und Koch Silvio Panzer bieten ihre Speisen zum Abholen direkt am Küchenfenster sowie mit einem Lieferdienst an. Auch die Familie Rulle vom Brauhaus Stephanus plant wieder Essen und Winter-Doppelbock zum Abholen. Foto: Leon Seyock

Deutliche Worte findet auch Wolfgang Flüchter, Betreiber der Kaffeemühle: „Wir werden uns in die Reihe der Kneipen und Bars einsortieren müssen, die in den kommenden Wochen null Euro Umsatz machen können.“ Für die Gastronomen sieht er bereits das Aus für das diesjährige Weihnachtsgeschäft: „Wir haben die Hoffnung, dass wir im Dezember wieder öffnen dürfen. Diese ist aber sehr gering“, so Flüchter. Er glaube nicht, dass sich die Zahlen in vier Wochen Teil-Lockdown so stark relativieren, als dass die Gastronomie wieder geöffnet werden könne. „Bereits als die Sperrstunde eingeführt wurde, wussten wir, dass ein zweiter Schritt kommen wird“, schildert Flüchter. Viel Geld hätten er und weitere Gastronomen in die Hand genommen, um Gäste und Personal bestmöglichst vor einer Ansteckung zu schützen. „Das haben wir in großem Rahmen geschafft.“ Dass nun die Gastronomie wieder ihre Türen schließen muss, könne seiner Meinung nach sogar einen umgekehrten Effekt hervorrufen: „Wenn die Leute nicht mehr ausgehen können, treffen sie sich in privaten Haushalten“, meint Wolfgang Flüchter.

Profitiert von gutem Zulauf in den Sommermonaten hätte das Café Central, aber auch Geschäftsführer Christian Aupers habe gehofft, dass die Gastronomie von einer erneuten Schließung verschont bleibt. „Man macht sich Hoffnung, aber diese wird immer weiter nach hinten geschoben“, bedauert er. Mahlzeiten außer Haus werde das Café Central nicht anbieten, darauf sei das Haus nicht eingestellt, so Aupers. „Dabei würden wir verlieren. Der Aufwand würde sich für uns nicht rentieren.“

Matthias Rulle vom Brauhaus Stephanus ist total enttäuscht. „Die Coesfelder Gastronomen hatten ihre Hausaufgaben gut gemacht“, bezieht er sich darauf, dass er und seine Kollegen in verschiedene Schutzmaßnahmen investiert und akribisch darauf geachtet hätten, die Hygienevorschriften in ihren Häusern einzuhalten. In der Sommerzeit habe das Brauhaus dank des beliebten Biergartens gute Umsätze gemacht – wenn auch mit deutlich höheren Fixkosten, die durch die Erfordernisse der Hygienevorschriften entstanden seien.

Den finanziellen Versprechungen der Regierung, dass die Gastronomie-Betriebe mit 75 Prozent des November-Umsatzes von 2019 finanziell aufgefangen werden sollen, traut er noch nicht. „So lange wir nicht wissen, was wir wirklich zu erwarten haben, möchte ich dazu nichts sagen“, hält sich Rulle, der auch stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga ist, bedeckt.

Jens Mersmann vom Jakobihof sieht die versprochene Förderung eher kritisch: „Das sind Steuergelder, die wir sowieso schon bezahlt haben. Uns wäre es lieber, wir könnten etwas erwirtschaften“, sagt er. In ein Zelt hat er wegen Corona investiert, in Plexiglasscheiben. „Hier hatten wir die Kontrolle darüber, dass Hygieneregeln eingehalten werden. Wenn die Leute sich jetzt vermehrt zu Hause treffen, kontrolliert das niemand“, sieht er einen großen Nachteil. Die Vorweihnachtszeit sei immer eine gute Zeit für den Jakobihof. „Wer weiß, ob der Lockdown im Dezember wirklich vorbei ist“, bleibt er skeptisch.

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