Michael Sondermeyer und Uwe Schenk über ihre Stiftung Zauberkunst
Magische Sammlung für die Ewigkeit

Coesfeld. Es ist ein kleines, unscheinbares, schwarzes Kästchen, das Michael Sondermeyer in seiner Hand hält. Für den Zaubertrick, der darin verborgen liegt, hat er gleich eine ganze Sammlung von Zauberrequisiten in Bonn aufgekauft. „Wir hatten das ganze Auto voll, das meiste konnten wir gar nicht gebrauchen. Aber das hier war es wert. Ist vielleicht nicht die beste Strategie“, sagt er lachend. Aber eine, die den Coesfelder Zauberkünstler und seinen Geschäftspartner Uwe Schenk auf dem Weg zur Verwirklichung ihres Lebenstraums wieder einen Schritt weitergebracht hat.

Sonntag, 01.11.2020, 16:05 Uhr
Uwe Schenk und der Coesfelder Michael Sondermeyer (r.) inmitten ihrer 11 000 Publikationen umfassenden Präsenzbibliothek. Nebenan liegen noch mal 22 000 Zeitschriften. Mit drei Scannern sorgen sie dafür, dass die Inhalte der Bücher erfasst und inventarisiert werden. Sie wollen mit ihrer Stiftung Zauberkunst eine Datenbank schaffen, in der auch Querverweise dokumentiert werden. Fotos: jd Foto: az

Vor zwei Jahren haben die beiden die Stiftung Zauberkunst in Appelhülsen gegründet. Mittlerweile ist die Sammlung von unterschiedlichsten Zaubergegenständen die größte in Deutschland und besitzt international höchste Anerkennung. „Wir sammeln hier nicht mehr nur für uns, sondern für die Ewigkeit, das hat uns viel Druck genommen, fertig zu werden“, so Michael Sondermeyer. Fast zehn Jahre haben sie für die Gründung der Stiftung gearbeitet, jetzt tummeln sich dort Deutsche Meister, Weltmeister, Sammler aus der ganzen Welt, Amateure aber auch bekannte Künstler wie die Ehrlich Brothers. Die Szene ist klein, man kennt sich.

22 000 Zeitschriften, 11 000 Publikationen, mehr als 2000 Plakate und unzählige Zauberrequisiten haben die beiden bereits zusammengetragen, berichtet Uwe Schenk. „Wir sind immer noch dabei, Inventarlisten zu erstellen, vieles ist noch nicht erfasst. Wir treffen keine qualitative Auswahl mehr. Wir haben den Anspruch auf Vollständigkeit, aber das werden wir wohl nicht mehr schaffen“, sagt er zwinkernd und benennt das Ziel der Stiftung: „Wir möchten ein Dokumentationszentrum als Basis des Wissens über Zauberkunst schaffen.“

Aber nicht allein – es helfen etliche Unterstützer, das Wissen zu katalogisieren, sagt Michael Sondermeyer. Das älteste Buch in ihrer Sammlung stammt übrigens aus dem Jahr 1644 mit dem Titel „Magia Naturalis“. Hervorzuheben ist auch ein Buch, das auf 500 Seiten einen einzigen Kartentrick erklärt. „Es kostet 89 Euro. Das kauft sich niemand, der einfach nur wissen will, wie der Trick funktioniert.“

Das Verraten von Tricks ist ja ohnehin so eine Sache in der Zauberei. „Die Geheimniskrämerei macht eine Wissenssammlung natürlich auch ein wenig schwierig“, so Michael Sondermeyer. Aber hin und wieder wird auch ein Trick verraten. Schließlich müsse man ja den Nachwuchs für sich gewinnen. Dabei sei es oft die Zauberei mit Alltagsgegenständen, die fasziniere. „Wenn man spezielle Requisiten verwendet, sind die Menschen gleich viel skeptischer. Erst in dem Moment, wo der Zuschauer keine Lösung für den Trick hat, ist es ein guter“, beschreibt es Michael Sondermeyer. So müsse eben nicht immer die neueste Technik verwendet werden. „Es gibt keine alten Zauberstücke, sondern nur Menschen, die sie schon gesehen haben.“ Und so tummeln sich in Vitrinen, Kisten und Regalen Zaubertricks in Hülle und Fülle – teils über 200 Jahre alt und sehr selten. Anstecknadeln, Briefmarken, Werbegeschenke, Zauberkästen, Kunststücke, Fotos, Filme: In der Sammlung der Stiftung Zauberkunst gibt es nichts, was es nicht gibt. Auch Zauberanleitungen und Händlerkataloge, verrät Uwe Schenk. „Manchmal bekommen wie Anrufe von Händlern, die ihre eigenen Anleitungen suchen. Die haben wir dann meist da.“

Für diese Fülle an Material und Infos sind die beiden viel unterwegs. „Wir kaufen oft Privatsammlungen auf und nehmen sie entweder mit in unsere Stiftung auf, wie zum Beispiel jetzt aus einem Privattheater in der Schweiz, dessen Fundus wir gerade nach und nach zu uns holen. Anderes wiederum verkaufen wir an Profis und Laien. Unser Online-Shop umfasst mehr als 6000 Artikel, aber das ist bislang nur ein Bruchteil dessen, was hier noch lagert“, erklärt Michael Sondermeyer ein ganz anderes Standbein.

Die Stiftung jedoch will Wissen sammeln und vermitteln, Querverbindungen in der Zauberei auffinden, Tricks dokumentieren. „Daraus ist jetzt schon ein Online-Lexikon entstanden, das wir täglich erweitern.“ Ein weiteres Ziel ist die Gründung eines eigenen Museums, träumt Uwe Schenk. „Wir hatten schon drei Ausstellungen und die sind super angekommen. Wir wollen Zauberei erlebbar machen, die Geschichte dokumentieren.“ Dafür müssen aber erstmal neue Räume gefunden werden, denn für Antiquariat, Präsenzbibliothek, Vitrinen, eigener Zauberbühne für Übungen und Auftritte sowie Lagerfläche wird es allmählich zu klein. „Wir wissen, dass wir noch jede Menge zu tun haben. Die Stiftung war ursprünglich nicht unser Lebensziel, aber es hat sich eben so ergeben.“

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