Evangelische Kirchengemeinde wünscht sich auf dem Grundstück an der Rosenstraße soziokulturelles Zentrum
Abschied vom Gemeindehaus

Coesfeld. Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann redet Klartext: „Unser Gemeindehaus hat einen jährlichen Zuschussbedarf von 82 000 Euro und die Kirche von 96 000 Euro. Beides können wir uns auf Dauer nicht leisten.“ Einstimmig hat das Presbyterium daher beschlossen, das Gemeindehaus an der Rosenstraße zum 30. Juni 2022 aufzugeben und das historische Kirchengebäude am Markt künftig zu einem Ort nicht nur des Gottesdienstes, sondern auch der Begegnung und des Gemeindelebens zu machen.

Montag, 02.11.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 06:02 Uhr
Das Gemeindehaus soll Mitte 2022 aufgegeben werden. Das sehen die Verantwortlichen als Chance für die Gemeinde: (v.l.) Birgit Henke-Ostermann (Pfarrerin), Frank Riemer (Baukirchmeister), Detlef Scherle (Presbyter) und Sabine Kucharz (Finanzkirchmeisterin). Foto: Ulrike Deusch

Wie es um ihre Finanzen tatsächlich bestellt ist, habe die neue doppelte Buchhaltung, zu der die Gemeinde seit neuestem verpflichtet ist, sehr deutlich gezeigt, erklärt Finanzkirchmeisterin Sabine Kucharz. „Die Gemeinde lebt seit Jahren über ihre Verhältnisse.“

Mit der Aufgabe des Gemeindehauses ergibt sich unter Gesichtspunkten der Stadtentwicklung auf einem Filetgrundstück in allerbester Citylage die Chance, ein neues Projekt zu realisieren. „Wir bleiben zwar Eigentümer, aber das Grundstück wird über Erbpacht in die städtebauliche Konzeption der Stadt Coesfeld eingebracht und für ein mögliches Investorenprojekt überplant“, erklärt Henke-Ostermann. Und dieses Projekt ist für die Gemeinde an bestimmte Bedingungen geknüpft: „Wir wünschen uns an dieser Stelle eine soziokulturelle Nutzung“, sagt Presbyter Detlef Scherle. Einen Mehrwert für das Quartier. Es solle ein Wohn- und Begegnungsort mit integrativen und sozialen Anteilen entstehen. Auch die bis jetzt im Gemeindehaus ansässige Diakonie und ein Gemeindebüro sollen – auf späterer Mietbasis – integriert werden. An einer Zukunft für die Gemeindebücherei und das mit ihr verknüpfte Mentoring-Programm ebenso wie für die Kleiderkammer solle noch gearbeitet werden, kündigt die Pfarrerin an.

Erste Gespräche mit der Stadt, die ihrerseits das direkt benachbarte Gebäude der ehemaligen Martin-Luther-Schule aufgeben will, seien bereits geführt worden, sagt Henke-Ostermann. „Wir wollen eng kooperieren“, kündigt sie an. Über Kontakte zu möglichen Inverstoren hält sie sich indes bedeckt: „Es ist noch zu früh, dazu etwas zu sagen.“ Man könne sich für die Zukunft einen Investorenwettbewerb vorstellen. Überhaupt macht Henke-Ostermann deutlich, dass mit der aktuellen Entscheidung ein langer Weg beginnt. „Das ist ein Prozess von fünf bis sechs Jahren, den wir jetzt vor uns haben.“

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